"So ein Schwimmen wird nie wieder vorkommen"

Lionel Sanders verteidigte bei "The Championship" den Titel, war von seinem Rennen allerdings sehr enttäuscht. Wir haben mit dem Kanadier gesprochen.

Von > | 4. Juni 2018 | Aus: SZENE

Beim Laufen überzeugte Lionel Sanders: 1:10:48 Stunden brauchte er für die 21,1 Kilometer.

Beim Laufen überzeugte Lionel Sanders: 1:10:48 Stunden brauchte er für die 21,1 Kilometer.

Foto >Simon Müller / spomedis

Lionel Sanders, herzlichen Glückwunsch zur Titelverteidigung. Zuletzt haben Sie im Schwimmen große Fortschritte gemacht. Dieses Mal dürften Sie nicht gerade zufrieden sein. Was war in der ersten Disziplin los?
Es war relativ wellig und das Schwimmen war ohne Neoprenanzug – aber ich will überhaupt keine Ausreden suchen. Das Schwimmen war einfach katastrophal und damit kann ich nicht zufrieden sein. Dass ich so viel Rückstand auf Sebastian Kienle im Schwimmen hinnehmen musste, darf einfach nicht sein, nachdem ich jetzt schon so oft in der gleichen Gruppe mitgeschwommen bin. Diese Leistung ist frustrierend und so ein Schwimmen wird nie wieder vorkommen. 

Es war außerdem eins der wenigen Rennen, bei denen Sie auf dem Rad nicht ganz nach vorne fahren konnten. Sie sind als Siebter auf die Laufstrecke gegangen. Wie haben Sie das das Radfahren empfunden?
Auch auf dem Rad lief es nicht besonders gut. Nicht falsch verstehen, es war in Ordnung, aber trotzdem eine meiner schwächsten Radleistungen. Ich muss gestehen, dass ich noch nie so enttäuscht von einem Rennen war, das ich gewonnen habe. Das Laufen war stark, aber beim Schwimmen und Radfahren bin ich im Normalfall zu mehr im Stande. 

Den abschließenden Halbmarathon sind Sie in 1:10:48 Stunden gerannt, obwohl die Strecke teilweise über Gras und Sand führt. Hätten Sie das im Vorfeld vermutet? 
Eine Zeit hatte ich nicht im Kopf, aber ich wusste, dass meine Laufform stimmt. Hinzu kam beim Rennverlauf natürlich, dass ich darauf angewiesen war, den Rückstand aufzuholen. Sonst wäre ich vielleicht nicht so schnell gelaufen. Die Laufleistung stimmt mich optimistisch und es war wahrscheinlich eine wertvolle Erfahrung für mich, mal in dieser Situation zu sein und mich beim Laufen so vorarbeiten zu müssen. Vor allem, weil ich bis kurz vor Ende nicht wusste, ob es noch für den Sieg reichen würde. 

Was haben Sie gedacht, als Sie gesehen haben, dass der Abstand zu Sebastian Kienle stetig kleiner wird?
Ich war mir trotzdem lange nicht sicher, ob ich zu ihm auflaufen würde. Das hat allerdings dazu geführt, dass ich mich wirklich bis aufs Äußerste gequält habe. Als wir dann bei Kilometer 17 zusammengelaufen sind und Sebastian wieder beschleunigte, dachte ich zuerst, dass er nur mit mir spielt und ich keine Chance habe. Ein paar Minuten später habe ich dann gemerkt, dass er etwas langsamer wird. Das war der Moment, an dem ich wusste, dass ich attackieren muss. Dieser Wettkampf war wirklich ein besonderes Erlebnis – wie im letzten Jahr. Für diese Rennen mache ich den Sport und es ist wieder ein Kampf geworden, den ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Genau darauf habe ich im Vorfeld gehofft. 

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus dem Rennen mit und wie geht es nun für Sie weiter?
Es war eine weitere Bestätigung dafür, dass es im Schwimmen noch viel zu tun gibt. Also werde ich da weitermachen, wo ich aufgehört habe. Dass ich das Rennen noch auf diese Art gewinnen konnte, hat mal wieder gezeigt, dass man immer bis zum Ende kämpfen und alles geben sollte. Ab Anfang Juli werde ich in meine Hawaii-Vorbereitung starten. Ich glaube, dass man im Sommer in exzellenter Mitteldistanz-Form sein muss, um auf der Langdistanz und speziell auf Hawaii erfolgreich sein zu können. Das hat Jan Frodeno schon mehrfach bewiesen und auch in Oceanside wieder eindrucksvoll gezeigt. Will man in Kona mitmischen, muss man in der Lage sein, große Mitteldistanzen gewinnen zu können. Grundsätzlich bin ich mit meiner Form sehr zufrieden, deshalb mache ich jetzt eine kurze Pause, bevor es in die spezifische Vorbereitung geht.