SOS - Fühle mich faul!

Im Trainingslager legt unsere Bloggerin Anita Horn gleich zwei neue Schwimmrekorde hin. Noch schwieriger als das Training fällt ihr danach das Nichtstun – besonders wenn der Appetit bleibt.

Von > | 18. April 2018 | Aus: SZENE

Nach dem härtesten Schwimmtraining des Lebens darf man schon mal den Kopf hängen lassen.

Nach dem härtesten Schwimmtraining des Lebens darf man schon mal den Kopf hängen lassen.

Foto >Privat

Hungrig, müde, faul. So fühle ich mich gerade. Seit Sonntagabend bin ich zurück in Köln und hole gerade alles auf: Kalorien, Schlaf und Ruhe. Montag war noch etwas Action angesagt, da habe ich meinen Trainerschein für R.O.P.E.S Bungee Training gemacht und darf mich mit tiefstem Waden-Muskelkater zu den ersten sechs zertifizierten Bungee-Coaches in Deutschland zählen. Aber jetzt ist wirklich Entlastungswoche. Gestern war ich lockere zehn Kilometer laufen und heute gehe ich schwimmen. Das ist meine erste Berührung mit Chlorwasser seit Sonntag – wo ich das härteste Schwimmtraining meines Lebens absolviert habe ...

Die letzten Tage im Trainingslager waren definitiv die härtesten. Donnerstag letzte Woche habe ich kurzfristig mein Vorhaben geändert und war nicht schwimmen, sondern 30 Kilometer laufen. 10 Kilometer ein, dann 15 Kilometer gestaffelt je 1 Kilometer auf 5:40 min, einen auf 5:30 min und einen auf 5:20 min – das Ganze fünfmal –, dann 3 Kilometer auf 5:30 min und 2 Kilometer auslaufen. Durch diese Staffelung verging die Zeit wahnsinnig schnell und ich kann wirklich sagen, dass ich einen 30er noch nie so locker und problemlos gelaufen bin. Nachmittags standen dann noch eine lockere Radrunde im Regen und ein ausgiebiges Stretching an.

Königsetappe auf dem Rad

Dafür gab es am nächsten Tag Kaiserwetter für die Königsetappe: 160 Kilometer mit 2.350 Höhenmetern auf dem Rad. Wir haben fünf von neun Bergen des im Mai stattfindenden Radrennens „Granfondo Nove Colli“ in der Provinz Cesena abgeklappert und waren 7,5 Stunden unterwegs. Der Sieger beim offiziellen Rennen hat die volle Strecke mit neun Bergen auf 205 Kilometer und 3.840 Höhenmeter letztes Jahr in sechs Stunden geschafft. Ohne Worte. Vielleicht hätte der Akku von meinem Navi ja gehalten, wenn wir schneller gewesen wären. Wieso haben nicht alle Radcomputer integrierte Solarzellen? Oder habt ihr einen Tipp, wie ich die Laufzeit verlängern kann?

Persönlicher Schwimmrekord²

Nach einer lockeren Radausfahrt nach Rimini am Samstag stand mir zum Abschluss des Camps ein 4,2 Kilometer langes Schwimmprogramm am Sonntag bevor und ich muss sagen, ich hatte wirklich ein wenig Angst. Der Auftrag von meinem Coach Micha Rundio lautete nämlich nicht einfach nur: Strecke schwimmen. Sondern: Intervalle auf CSS-Zeit. Das bedeutete für mich im ersten Block eine Staffelung von 100-200-300-400 Meter mit einer angepeilten Pace von 1:45 min/100 m. Beim ersten Hunderter war ich viel zu schnell, da bin ich 1:36 min geschwommen und konnte es beim Blick auf die Uhr gar nicht fassen – erstens hatte ich für das Intervall nicht auf Start gedrückt und zweitens war ich zeitgleich mit meiner Lauf- und Leidensgenossin Melli am Beckenrand zurück, die eine 1:36 min stehen hatte. So schnell bin ich im Leben noch nicht geschwommen! Mein persönlicher Schwimmrekord! Ich hatte mich gerade auf 1:45 min gesteigert und jetzt sowas?! Das sind 20 Sekunden weniger als bei meinem CSS-Test vor einem Monat. Okay, bei solchen Ausgangszeiten ist wirklich viel Luft nach oben, aber das finde ich selbst schon ziemlich verrückt.

4,5 Kilometer – soviel ist Anita Horn noch nie zuvor geschwommen.

4,5 Kilometer – soviel ist Anita Horn noch nie zuvor geschwommen.

Foto >Privat

Dafür war die Luft dann auch direkt raus und die Arme waren Pudding, so dass ich die Pace auf alle anderen Intervalle nicht halten konnte. Aber ich habe alles gegeben, beide 400er zwischen 7:30 und 7:36 min gemacht und die anschließenden 10x100 Arme mit Pull-Buoy eher gemütlich angehen lassen, um nicht zu sagen vergeigt – denn da war eine Zeit von 1:45 min nicht mehr ansatzweise machbar. Egal, ich habe es durchgezogen und bin sogar etwas mehr ausgeschwommen als geplant, so dass ich auf insgesamt 4,5 Kilometer gekommen bin – mein zweiter persönlicher Schwimmrekord! Und der Plan geht auf: Die 3,8 Kilometer beim Ironman kommen mir jetzt nicht mehr unerreichbar vor.

Auf ins spezifische Langdistanz-Training

Meine 30 Schwimm-Kilometer habe ich im Trainingslager also tatsächlich vollgemacht. Und ich freue mich heute wieder ins Wasser zu kommen. Einen vierten Tag ohne Kacheln hätte ich bestimmt kaum ausgehalten. Am Wochenende geht es noch halbwegs ruhig zu, sodass ich viel Zeit habe, mich mal wieder einzunorden, denn auch wenn ich mich faul fühle, haben acht Stunden Training diese Woche definitiv nichts mit Faul-Sein zu tun. Nur verliert man nach der Trainingsladung im Camp schnell den Blick dafür, was viel oder wenig ist. Leider gilt das auch für die Essensladung, die mein Körper immer noch täglich möchte. Ich hoffe, das regelt sich schnell. Am besten bevor es demnächst ins spezifische Langdistanz-Training geht. Ich freue mich sehr und bin gespannt, was auf mich zukommt.