Spannung steigt: Startnummer 833

Wenn Anita Horn an den Ironman Frankfurt denkt, kullern bei ihr die Triathlon-Tränen. Unsere Bloggerin wünscht sich: "Bitte schreit mich alle an, macht eine große Party und wartet auf mich. Ich beeile mich auch, versprochen."

Von > | 28. Juni 2018 | Aus: SZENE

Anita Horn beim Indeland Triathlon.

Anita Horn beim Indeland Triathlon.

Foto >Christian Siedler

Was für eine schöne Zahl: 833. Das ist meine Startnummer beim Ironman Frankfurt. 833: klingt irgendwie dynamisch. Motiviert. Entschlossen. Und das bin ich. In eineinhalb Wochen stehe ich am Langener Waldsee, werde vermutlich ein nervliches Wrack sein und gleichzeitig platzen vor Freude. Wie heißt es doch gleich: der Wettkampf ist die Belohnung für all das Training. Endlich kann ich abrufen, was ich mir angeeignet habe: Ausdauer, mentale Stärke, Kraft und Willen. Wenn ich dann nach ein paar hundert Metern meinen Schwimmrhythmus gefunden habe, kommt hoffentlich auch der Spaß dazu, die Erleichterung, dass es nun endlich soweit ist. Dann kann ich endlich all meine angestaute Energie gebündelt freilassen.

Bevor es soweit ist, stehen aber noch ein paar kleinere Trainings an: lockere Radeinheiten mit knackigen Peaks, 10x30 sec auf 240 Watt, einmal 20 und 40 Minuten auf 170 Watt, dazu Athletik und Aquajogging. Und ich bin mittlerweile auch ab und zu wieder mit meinen Laufschuhen unterwegs. Diese Woche habe ich das erste Mal wieder gekoppelt und war einmal sechs Kilometer am Stück laufen. Was für ein Hochgefühl. Und ich habe mich kein bisschen schwerfällig gefühlt, trotz der langen Pause. Aquajogging scheint also wirklich eine gute Alternative zu sein und fit zu halten. Ich hoffe, dass die geplanten 10–12 km am Wochenende auch gut klappen und der Fuß wieder handzahm ist.

In zwei Wochen ist es soweit: Anita Horn wird beim Ironman Frankfurt an den Start gehen.

In zwei Wochen ist es soweit: Anita Horn wird beim Ironman Frankfurt an den Start gehen.

Foto >Christian Siedler

Buffet auf zwei Rädern

Außerdem widme ich mich gerade intensiv einigen wichtigen Checks und Planungsdetails. Ich habe mir neue Mäntel bestellt, die ich vor der Ausfahrt am Wochenende noch aufziehe und einrolle. Nach so vielen Hunderten von Kilometern möchte ich lieber mit frischem, aber getestetem Material an den Start gehen. Ich werde noch ein paar Mal den Schlauchwechsel mit der Ventil-Verlängerung und das Aufpumpen per Hand und mit Kartuschen üben. Ich habe mir nun auch ganz genau die Rad- und Laufstrecke angeguckt, alle Anstiege, Verpflegungsstellen und Kurven eingeprägt. Das ist ab sofort mein allabendlicher Film vor dem inneren Auge. Und ich habe eine Liste mit diversen Berechnungen für Kohlenhydrate, Flüssigkeit und Salz sowie Einkaufslisten – ich werde nämlich definitiv feste Nahrung auf dem Rad brauchen, ein, zwei Laugenbrötchen vermutlich. Mit knurrendem Magen kann ich nämlich keinen Marathon laufen. Wie macht ihr das? Nur mit Gels und Riegeln? Oder einem Buffet auf zwei Rädern? Es gibt ja sehr abenteuerliche Fotos, mit Kartoffeln am Radrahmen und belegten Brötchen am Lenker. Warum nicht.

Tipps von den Profis

Für ein gutes Gefühl habe ich mir noch Tipps von Beate Görtz aus Köln geholt. Sie wurde 2010 auf Hawaii Ironman-Weltmeisterin in ihrer Altersklasse und 2011 als weibliche Amateurin, und sie ist mir eine riesige mentale Stütze in meiner Vorbereitung, weil sie an mich glaubt und immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir kennen uns von diversen lokalen Wettkämpfen und Interviews. Und ihre Geschichte lässt mich jedes Mal wieder ein wenig entspannen. Beate hat 2007 ihren ersten Triathlon gemacht, eine Sprintdistanz mit Stahlrahmen, gelöchertem Neo und viel Freude. Ein Jahr später ging sie bereits auf ihre erste Mitteldistanz und noch ein Jahr später auf ihre erste Langdistanz in Roth. Nach acht Kilometern auf dem Rad ist ihr aufgefallen, dass der Chip fehlt und wohl noch im Neo hängt. Also ist sie zurück gefahren und hat das Feld dann von hinten aufgerollt. Sie hat 16 Kilometer extra gemacht und kam mit einer Fabelzeit von 10:41:58 Stunden ins Ziel. Aber auch wenn ich davon weit entfernt bin, werde ich trotzdem fliegen. Zumindest gefühlt. Die halbe Belegschaft von MACH3 Köln wird vor Ort sein, mein Coach Micha Rundio, mein Freund, meine Eltern, mein Laufhund Zippo mit Frauchen und Herrchen, viele gute Freunde und Bekannte und vermutlich auch viele Leute, mit denen ich gar nicht rechne. Bitte schreit mich alle an, brüllt mich über die Strecke, macht eine große Party aus diesem Tag und wartet auf mich. Ich beeile mich auch, versprochen. Jetzt schießen mir direkt wieder riesige Triathleten-Tränen in die Augen. Meine Fresse. Das ist anstrengend. Der Wettkampf wird dann bestimmt einfach nur noch schön. 833 auf 226-Kurs. 833, bitte ins Ziel. Was für eine schöne Vorstellung.