Streckentest in Frankfurt und viele Fehler

Unsere Bloggerin Anita Horn nimmt derzeit jeden Trainingsfehler mit, der sich auftreiben lässt. Aus gutem Grund: Wer daraus lernt, bleibt im Wettkampf fehlerfrei.

Von > | 24. Mai 2018 | Aus: SZENE

Strecken-Check: Unsere Bloggerin Anita Horn schwimmt auf den Spuren des Ironman Frankfurt.

Strecken-Check: Unsere Bloggerin Anita Horn schwimmt auf den Spuren des Ironman Frankfurt.

Foto >Manfred Puppe

Training ist da, um Fehler zu machen. Darin bin ich ziemlich gut. Aber Fehler sind wichtig. Deshalb sage ich mir immer: Mach bloß viele Fehler! So weiß ich, was mir im Wettkampf nicht passieren sollte. Das habe ich vor zwei Jahren bei der Challenge-Roth-Staffel das erste Mal so richtig zu spüren bekommen. Mein Rad war nicht gut eingestellt und mir sind ab Kilometer 90 die Füße eingeschlafen. Irgendwann haben sie gekrampft und am Ende habe ich sie einfach gar nicht mehr gespürt. Ich war also beim Bike-Fitting und habe mir neue Schuhe zugelegt.

Letztes Jahr dann der nächste Mist, bei meiner zweiten Langdistanz-Staffel in Roth. Schon beim Schieben aus der Wechselzone ist mir meine Aeroflasche aus der Halterung gefallen. Der Klettverschluss hat nicht mehr gehalten. Ich bin also die ersten 20 Kilometer mit dem Klett um den kleinen Finger gewickelt gefahren und habe erst dann einen Kabelbinder bekommen, mit dem ich die Flasche befestigen konnte. Ab sofort gehören Kabelbinder zu meiner Grundausstattung.

Laufen nach Gefühl

Dieses Wochenende war mein Fehler, dass ich zu hart getreten habe. Am Sonntag bin ich 90 Kilometer von Köln Richtung Eifel gefahren. Eigentlich sollte es eine lockere Ausfahrt werden, mit 130 Watt im Schnitt und maximal 160 Watt an den Bergen. Aber Wetter und Strecke waren so einladend, dass es eine recht schnelle Tour war, die mit GA1 nicht mehr viel zu tun hatte. Danach habe ich mich in die Laufschuhe geworfen. Ich sollte „nach Gefühl“ locker 8 Kilometer lang koppeln. Und da sich das Laufen nach dem Radfahren meistens komisch anfühlt, dachte ich, ich laufe locker. Nach ein paar Minuten habe ich dann aber doch mal auf die Uhr geschielt und gesehen, dass ich zu schnell losgelaufen bin. Ich habe also Tempo rausgenommen, aber da war ich schon so durch, dass die nächsten paar Kilometer eine echte Qual waren – und die Zweifel, ob ich eine Langdistanz wirklich schaffen würde, waren so präsent wie noch nie.

Was habe ich mir da nur eingebrockt?

Dabei hatte ich beim Streckentest in Frankfurt ein gutes Gefühl. Ich war Samstag 23km mit ein paar Tempowechseln auf der Original-Runde am Main laufen. Im Anschluss habe ich mir die Radstrecke vorgenommen. Wobei es ein paar Hürden gab: Durch einige Baustellen musste ich ein paar Schlenker machen und die Straßen waren natürlich nicht gesperrt. So hatte ich mit ziemlich viel Verkehr und oft nicht existenten Radwegen und Seitenstreifen zu kämpfen. Außerdem habe ich ewig gebraucht, um aus der Stadt rauszukommen – deshalb habe ich auch abgekürzt und am Ende nur 75 Kilometer gemacht. Ich glaube aber, dass die Strecke im Wettkampf ziemlich Bock macht. Richtig nervös wurde ich, als ich die offiziellen Streckenschilder vom Ironman entdeckt habe. Mit einem Mal fühlte sich alles so greifbar nah an. Und so erschreckend real. Mache ich das wirklich? Was habe ich mir da nur eingebrockt? Aber ich wurde schnell aus meinen Tagträumen gerissen – als ich unerwartet über Kopfsteinpflaster ratterte und dachte, dass mir das Rad gleich um die Ohren fliegt. Mittlerweile weiß ich, dass dieser Teil zu den „Stimmungsnestern“ gehört und als „The Hell“ bekannt ist. Gut, dass ich jetzt schon davon weiß…

Langener Waldsee

Sonntag Früh war ich dann noch kurz im Langener Waldsee. Bei spiegelglattem Wasser war ich weit und breit alleine und konnte meinen neuen Neo testen. Mein alter Anzug hat mir immer Krämpfe in den Waden beschert. Der war definitiv zu eng. Das ist mir bei meiner bisher einzigen Freiwassereinheit wieder aufgefallen – auch ein wichtiger Fehler. Jetzt habe ich einen neuen Anzug und der sitzt super, meine Waden haben genug Platz und ich konnte ein paar hundert Meter damit schwimmen, bevor es wieder zurück nach Köln ging. Radfahren. Auf erprobten Strecken. Dumm nur, dass seit der Frankfurt-Ausfahrt mein Rad total knarzt. Mein Freund und ich haben alle Schrauben durchgecheckt, den Steuersatz neu befestigt, die Kurbel kontrolliert – das nervige Geräusch blieb. Deshalb habe ich „Black Beauty“ jetzt bei meinem Kumpel und Bike-Spezialisten Julian abgegeben. Er hat ziemlich schnell den Schnellspanner als Übeltäter enttarnt. Es kann so einfach sein. Jetzt brauche ich nur noch eine neue Aerotrinkflasche – meine verteilt nämlich bei jeder noch so kleinen Bodenwelle mein halbes Isogetränk auf mich um. Eine klebrige Angelegenheit. Abgesehen davon, dass ich meine Getränke gerne auch trinken würde.

Wettkampfverpflegung

Das ist das übrigens das nächste große Thema, das mich gerade beschäftigt: die richtige Wettkampfverpflegung. Ich glaube mein Koppellauf am Sonntag war auch deshalb so ätzend, weil ich nicht genug gegessen und getrunken habe. Am Tag danach habe ich mich deshalb wirklich an meine GA1-Vorgabe gehalten, 115-Rad-Kilometer gemacht, mich gut versorgt und danach einen neuen Koppelversuch unternommen. Mit Erfolg. Ich bin locker losgelaufen und habe mich auf einen Schnitt von 5:15 über 3 Kilometer eingependelt. Das fühlte sich richtig gut an. Meine Zweifel waren damit wieder vom Tisch. Vorerst. Die nächsten Einheiten stehen schon Schlange. Freitag 4 Kilometer Openwater-Schwimmen im Wettkampftempo, Samstag 26 Kilometer laufen und Sonntag 110 Kilometer Rad mit 8 Kilometer Koppellauf. Und noch bin ich schließlich im Training, um Fehler zu machen. Und um besser zu werden. Dafür ist Training ja auch da.