„Triathlon ist wieder mehr zur Leidenschaft geworden"

Lange war es ruhig um Michael Göhner – eine Verletzung warf den 36-Jährigen drei Jahre zurück. Dieses Jahr will der Challenge-Roth-Sieger den Anschluss an die Spitze finden. Wir haben mit ihm über seine Pläne gesprochen.

Von > | 22. Mai 2017 | Aus: SZENE

\"Eine Treppchenplatzierung wäre schon so etwas wie ein Sieg\", schraubt Michael Göhner die Erwartungen für die erste Saison nach seiner Verletzung herunter.

"Eine Treppchenplatzierung wäre schon so etwas wie ein Sieg", schraubt Michael Göhner die Erwartungen für die erste Saison nach seiner Verletzung herunter.

Foto >Lennart Klocke / spomedis

Michael Göhner, Sie waren lang verletzt und sind seit diesem Jahr wieder voll im Training. Wie ist die Form aktuell?
Schwimmen und Radfahren sind nicht das Thema, dort bin ich bei nahezu 100 Prozent. Probleme bereitet mir immer noch das Laufen. Leider ist meine Paradedisziplin zur Problemdisziplin geworden. Ich brauche einfach noch etwas Zeit.

Ist die Verletzung am Knöchel vollständig ausgeheilt?
Ich spüre keine Schmerzen mehr, fühle mich beim Laufen aber immer noch leicht eingeschränkt. Die Beweglichkeit im Sprunggelenk ist nicht nicht wieder vollständig hergestellt und die Umfänge bzw. Intensitäten sind noch nicht dort, wo sie hin müssen.

Wie häufig haben Sie in den drei Jahren während Ihrer Verletzungspause ans Aufgeben gedacht?
Um ehrlich zu sein: einige Male. Es war eine harte Zeit. Alles begann nach einem Sturz in der Wechselzone beim Ironman Schweiz mit Fußschmerzen im Knöchelbereich. Daraufhin habe ich fünf bis sechs Ärzte konsultiert, bei denen es dann drei bis vier unterschiedliche Diagnosen und Ratschläge gab. Für mich war klar, dass ich die Schmerzen erstmal konservativ mit verschiedenen Ultraschall- und Schockwellen-Therapien etc. behandeln möchte. Aber danach stellte sich keine Besserung ein. Also entschied ich mich zur Operation – und hatte danach lange mit den Folgen zu kämpfen. Auch psychisch war es eine harte Zeit. Ich war bei keinen großen Rennen vor Ort – das ging einfach nicht. Glücklicherweise haben mir meine Familie und Freunde viel Halt gegeben.

Hat sich dadurch Ihre Einstellung zum Sport verändert?
Triathlon ist wieder mehr zur Leidenschaft geworden. In den letzten drei Jahren ist mir bewusst geworden, wie viel es wert ist, wenn man über Jahre hinweg den Sport ohne größere Einschränkungen ausüben kann. Ich bin froh, dass ich diese Zeit überwunden habe.

Im Interview gibt sich Michael Göhner bescheiden. Am 13. August wird er an der Startlinie des Ironman Hamburg stehen.

Im Interview gibt sich Michael Göhner bescheiden. Am 13. August wird er an der Startlinie des Ironman Hamburg stehen.

Foto >Privat

Sie trainieren sich mittlerweile selbst?
Das kann man so sagen. Ich hatte gute und weniger gute Trainer im Verlauf meiner Karriere. Doch von jedem Coach konnte ich lernen – und habe mir positive Einflüsse bewahrt. Ich glaube, dass das nach der Verletzungsgeschichte sogar ein Vorteil ist, da ich am besten in meinen Körper reinhören kann. Schließlich kenne ich mich selbst nach den vielen Jahren Leistungssport am besten. Mit Manuel Wyss habe ich jedoch jemanden an meiner Seite, der mich unterstützt. Ich mache immer eine detaillierte Trainingsplanung und Manuel schaut dann drüber, ergänzt oder korrigiert meinen Plan. Auch bei Wettkämpfen steht er am Rand und unterstützt mich. Und gerade beim Schwimmen hilft es, wenn er über meine Technik schaut.

An welcher Startlinie dürfen wir Sie dieses Jahr sehen?
Nach dem Ironman 70.3 in St. Pölten (Anmerkung der Red.: Michael Göhner belegte Rang 14) habe ich ein Rennen am 11. Juni geplant – welches, ist noch nicht klar. Mein großes Ziel ist dieses Jahr der Ironman in Hamburg. Dort möchte ich gesund an der Startlinie stehen und den Anschluss an die Langdistanz-Spitze finden.

Welche Erwartungen haben Sie selbst an die Saison 2017?
Die nächsten Rennen werden wohl von einer gehörigen Portion Respekt geprägt sein – gerade auf der Laufstrecke. Mir ist bewusst, dass ich einen auf den Deckel bekommen werde. Das kann auch nicht anders sein. Da muss ich einfach durch. Man muss sich nur mal vorstellen, dass ich mir nach der langen Pause alles wieder erarbeiten musste und immer noch muss. Trotzdem werde ich mich sicher nicht verstecken und die großen Rennen machen. Eine Treppchenplatzierung wäre schon so etwas wie ein Sieg.