"Solide reicht im Profi-Geschäft einfach nicht"

Beim Ironman Texas konnte sich Ironman-Wales-Sieger Marc Dülsen in einem stark besetzen Rennen auf Rang zehn behaupten. Die Karriere des Ex-Slalomkanuten ist noch jung – und schon voll auf Hawaii ausgerichtet.

Von > | 30. Mai 2017 | Aus: SZENE

Triathlon-Profi Marc Dülsen vor den Toren seines Sponsors Mohrenwirt.

Triathlon-Profi Marc Dülsen vor den Toren seines Sponsors Mohrenwirt.

Foto >Daniel Eilers / spomedis

"Ich werde wohl nochmal nachlegen müssen"

War Wales Ihr bisher bestes Rennen?
Definitiv nicht. Ich denke, dass mein bestes Rennen in Texas war. Als „Nichtschwimmer“ war es für mich das erste Mal, dass ich mich in der Spitzengruppe behaupten konnte ohne mich bei dem Tempo unwohl zu fühlen. Als ich aus dem Wasser stieg und realisierte, vorn dabei zu sein, war mir klar, dass das mein Rennen werden würde. Und so war es dann auch – jedenfalls bis Kilometer 140. Dort unterlief mir ein typischer Anfängerfehler: Ich verschaltete mich, wodurch sich die Kette verdrehte. Sehr ärgerlich. Rund drei Minuten habe ich mit der Fummelei liegen lassen und Platz sieben leider verfehlt …

… und damit die sichere Kona-Qualifikation verpasst?
Es könnte trotzdem reichen, aber sicher ist noch nichts. Ich werde wohl nochmal nachlegen müssen, um auf Nummer sicher zu gehen. Mein absolutes Saisonziel ist die Ironman-WM auf Hawaii. Vielleicht erwische ich dann nochmal so einen guten Tag wie in Texas.

Wissen Sie schon, welches Rennen Sie nachschieben werden?
Das wird sich nach der Regenerationsphase und die folgenden Trainingstage herausstellen. Mit Sicherheit wird es eine Mitteldistanz in Europa werden. Ob es die Europameisterschaft in der dänischen Stadt Elsinore oder das Rennen im Kraichgau sein wird, steht noch nicht fest.

Das heißt, Sie werden sich nicht noch zusätzlich bei einer großen deutschen Langdistanz präsentieren?
Das entscheiden wir, wenn ich die Kona-Qualifikation abgehakt habe. Grundsätzlich habe ich Lust, ein deutsches oder europäisches Langdistanzrennen zu machen.

Im Schwimmen haben Sie in Texas endlich den Sprung unter die 50-Minuten-Marke geschafft. Welche Trainingsmaßnahme brachte den Durchbruch?
Mir hilft extrem, dass ich in Freiburg mit den Kaderathleten schwimmen kann. Das hat mir Struktur gegeben, auch wenn ich jedes Mal um den Anschluss an die schnellen Jungs kämpfen muss. Ich glaube, noch wichtiger war, dass ich mich auf den Ironman Texas fokussiert vorbereiten konnte und mich um nichts anderes kümmern musste vier Wochen vor dem Rennen. Das hat enorm geholfen. Wenn man Zuhause ist, hat man doch noch Termine.

Sind Sie eher der Umfangstyp oder hat Qualität im Training Priorität? Wie würden Sie den Charakter deines Trainings beschreiben?
Ich bin eher auf der Umfangsschiene unterwegs. Ich mache schon relativ viel und fühle mich wohler, wenn ich auf dem Rad einige Kilometer habe. Ich kann nicht nach zweimal Radfahren eine super Zeit hinlegen. Ich brauche für den Kopf auch immer die Bestätigung im Training.

Sie sagten, dass Sie halbtags arbeiten. Wie kriegen Sie Triathlon und den Job in einem Sportgeschäft unter einen Hut?
Ich mache es so, dass ich im Winter deutlich mehr arbeite, um mir im Sommer Trainingszeit freizuschaufeln. Zudem nenne ich meinem Trainer die Arbeitstage und -zeiten und er plant das Training dann entsprechend. Dass ich 5 Wochen am Stück unterwegs bin, so wie vor Texas, ist sehr selten der Fall. Im Grunde ist die Vereinbarkeit von Triathlon und Arbeit eine Frage der Organisation.

Lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Was erwarten Sie von sich selbst noch?
Meiner Bestzeit von 2014 bin ich lange hinterher gerannt. Deswegen war es in Texas besonders schön zu sehen, dass es immer noch nach vorn geht. Im Schwimmen kann ich, wenn es optimal läuft, in der Spitzengruppe aus dem Wasser kommen. Beim Radfahren weiß ich, dass ich das kann. Außerdem kann ich danach noch einen 2:50-Stunden-Marathon laufen. Warum sollte mir so ein perfekter Tag nicht auch mal auf Hawaii gelingen?

Geht deine Planung auch über den Ironman Hawaii 2017 hinaus?
Mit Sicherheit werde ich über Hawaii dieses Jahr hinaus planen. Aber Hawaii ist einfach mein Traum, nachdem ich 2011 als Amateur 52. wurde. Der Gedanke ist: Das muss als Profi doch auch gehen, wenn ich schon als Agegrouper so weit vorn gelandet bin. Aber solide reicht im Profi-Geschäft gerade in Deutschland einfach nicht. Man muss vorn dabei sein, um sich einen Namen zu machen. Um 8:20 Stunden schwirren in Deutschland schon zu viele rum..