"Solide reicht im Profi-Geschäft einfach nicht"

Beim Ironman Texas konnte sich Ironman-Wales-Sieger Marc Dülsen in einem stark besetzen Rennen auf Rang zehn behaupten. Die Karriere des Ex-Slalomkanuten ist noch jung – und schon voll auf Hawaii ausgerichtet.

Von > | 30. Mai 2017 | Aus: SZENE

Triathlon-Profi Marc Dülsen vor den Toren seines Sponsors Mohrenwirt.

Triathlon-Profi Marc Dülsen vor den Toren seines Sponsors Mohrenwirt.

Foto >Daniel Eilers / spomedis

Interview mit Marc Dülsen

2016 gewann Marc Dülsen in Wales seinen ersten Ironman. Im selben Jahr wurde der Triathlet des Pro-Team Mohrenwirt Neunter beim Ironman Frankfurt. Im Rahmen des Triathlon-Opening Ende April haben wir den 31-Jährigen nur wenige Tage nach seinem Erfolg beim Ironman Texas zum Interview getroffen.

Der Ironman Texas liegt rund eine Woche zurück. In dem sehr gut besetzten Rennen belegten Sie in neuer persönlicher Bestzeit (8:07:25 Stunden) einen starken zehnten Rang. Daher erste Frage: Was macht der Muskelkater?
Natürlich bin ich noch nicht wieder 100 Prozent fit. Der Ironman steckt mir noch in den Beinen. So ein Rennen ist derart intensiv, dass man schlicht zwei bis drei Wochen braucht, um die Belastung zu verdauen. Ich würde ungern im Training schon wieder intensive Sachen machen, aber lockeres Training geht auch wenige Tage nach dem Rennen schon wieder. In der ersten Woche nach dem Wettkampf mache ich allerdings nur etwas Bewegungstherapie. In der zweiten Woche kann man dann schon etwas besser trainieren – aber das ist alles noch im Grundlagenbereich. Und ab der dritten Woche steige ich in der Regel wieder in den Trainingsplan ein.

Sie sind in der Szene im Vergleich zu den großen Namen wie Sebastian Kienle und Jan Frodeno noch relativ unbekannt. Habe Sie Ihre sportlichen Wurzeln in einen der drei Sportarten?
Nein, in meiner Jugend habe ich etwas ganz anderes gemacht und war im Kanuslalom aktiv. Zum Triathlon bin ich über den Kanu-Triathlon gekommen, bei dem man das Schwimmen durch Kanufahren ersetzt. Das müsste im Alter von 16 gewesen sein. Nach zwei bis drei Jahren hat diese Phase allerdings auch schon wieder aufgehört. Danach bin ich als Ausgleich unregelmäßig joggen gegangen – eigentlich nur für mich. Mit 19 Jahren habe ich mich dann der Langstreckengruppe des örtlichen Leichtathletikvereins angeschlossen. Das hatte aber eher sozialen als einen leistungssportlichen Charakter.

Und wann wurde aus Ihnen ein Triathlet?
Ausgangspunkt dieser Entwicklung war ein Rennen: Einer meiner damaligen Vereinskameraden kam auf mich zu und fragte mich, ob ich bei einem Duathlon, dem Dirty Race in Murr zwischen Stuttgart und Heilbronn, mitmachen wollen würde. Kurz danach habe ich davon erfahren, dass der Triathlonverein „Team Silla Hopp“ noch Verstärkung für den Liga-Triathlon suchte. Allerdings konnte ich bis dahin keine 25 Meter Kraulen. Ich fing dann an, zweimal die Woche ins Schwimmbad zu gehen. Ein Jahr später wurde ich Vereinsmitglied und startete in der zweiten Landesliga.

War Ihnen Hawaii damals schon ein Begriff?
Na klar! Wenn man sich für Triathlon interessiert, kommt man an der Pazifik-Insel natürlich nicht vorbei. Und 2011 habe ich dann zu einem Freund gesagt: Das müssen wir unbedingt mal machen. In einer Nacht-und-Neben-Aktion meldeten wir uns zum Ironman in Frankfurt an – ohne das detaillierte Wissen, wie man ein solches Projekt trainingstechnisch angeht..

Wie lief die Vorbereitung ab?
Im Herbst vor dem Ironman-Jahr habe ich meinen ersten Marathon in 2:38 Stunden absolviert. Danach ging es in die Winterpause, die eigentliche Vorbereitung begann erst danach. Ich habe Kontakt mit meinem Trainer Frank Mayer aufgenommen, um mich mit seiner Hilfe auf den Ironman Frankfurt vorzubereiten. Und so ist alles entstanden – und so ist es heute noch. Ich kriege montags immer meinen Trainingsplan und dann telefonieren wir ein- bis zweimal pro Woche, weil er immer noch in Murr wohnt, ich mittlerweile in Freiburg.

Wie ging Ihr erster Ironman aus?
Das Training hat super funktioniert, sodass ich im Juli fit an der Startlinie stand. Am Ende reichte es nach 9:05:20 Stunden sogar zur Qualifikationszeit – für meinen Kumpel auch. Unser Plan ging auf. Wir haben uns natürlich sofort angemeldet und waren tatsächlich im Oktober 2011 auf Hawaii. Dort wurde ich in meiner Altersklasse Dritter und 52. im Gesamtklassement. Das hat mich selbst überrascht, vor allem, weil ich meine Zeit aus Frankfurt auf Hawaii bestätigen konnte (Anmerkung der Redaktion: 9:05:27 Stunden). Als ich hörte, dass man auf Hawaii eigentlich eine halbe Stunde draufrechnen müsste, wurde ich ganz stolz. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Mal gespürt: Da könnte was gehen!

Wie ging Ihre Triathlon-Karriere weiter?
Erstmal folgte meine Abschlussarbeit des Mechatronik-Studiums. Ende 2012 war ich dann fertig und der Moment reif, eine Entscheidung zu fällen: Entweder ergreife ich jetzt einen Beruf oder setze alles auf die Profi-Karte. Herausgekommen ist dann eine Mischkalkulation: Denn seit meiner Entscheidung, es als Profi zu versuchen, arbeite ich 18 Stunden in der Woche. Gleichzeitig versuche ich beständig, in der Profi-Welt Fuß zu fassen.

Mit Erfolg: 2014 wurden Sie Siebter beim Ironman Frankfurt.
Im selben Jahr hatte ich auch noch ein sehr gutes Rennen beim Ironman Arizona, wo ich in 8:18 Stunden auch Siebter wurde. Im Jahr darauf lief es allerdings aufgrund einiger Verletzungen nicht so gut. 2016 feierte ich dann meinen ersten großen Erfolg beim Sieg des Ironman Wales.