WM-Titel bei der zweiten Langdistanz

Mit dem ersten Ironman direkt die Quali für Hawaii gelöst und bei der zweiten Langdistanz die WM gewonnen: Hermann Scheiring wird 2018 Ironman-Weltmeister in der Altersklasse M60 und berichtet, wie er dieses Kunststück geschafft hat.

Von > | 3. Februar 2019 | Aus: SZENE

Auf dem Rad wollte Hermann Scheiring vor allem eines: die Ruhe bewahren. Das gelang ihm auch und er kam als Zweiter vom Rad.

Auf dem Rad wollte Hermann Scheiring vor allem eines: die Ruhe bewahren. Das gelang ihm auch und er kam als Zweiter vom Rad.

Foto >Finisherpix

Agegroup-Weltmeister bei der zweiten Langdistanz

9:52:08 Stunden stehen am 13. Oktober im vergangenen Jahr auf dem wohl berühmtesten Zielbogen der Triathlonwelt. Mit dieser Zeit hat sich Hermann Scheiring den Weltmeistertitel in der Altersklasse M60 gesichert. Das Rennen auf Hawaii war erst das zweite über die 226 Kilometer. Der Weg bis zu diesem Triumph war weder einfach noch gradlinig, wie Scheiring berichtet. Mit jeder Menge Geduld und mentalem Training schaffte es der 60-Jährige, die eine oder andere Hürde zu überwinden. 

"Eigentlich hatte ich einen richtig guten Masterplan, so dachte ich zumindest: Ab 2016 stellte ich das Training auf Langstrecke um. 2017 wollte ich die Quali schaffen, um dann 2018 auf Hawaii an den Start gehen zu können", sagt Scheiring. Die Trainingspläne für dieses Vorhaben stimmte er mit Beruf und Familie ab. Der Grundstein für die erfolgreiche Umsetzung war somit schon einmal gelegt. Das Trainingslager auf Fuerteventura lief für den Dozenten an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg noch richtig gut, doch dann begann eine Verletzungsserie: erst die Schulter, dann der Rücken und zu allem Überfluss auch noch das Knie. Die verbleibenden Trainingswochen schmolzen unbarmherzig dahin. Der Arzt fragte Scheiring: "Ab wann werden Sie nervös?" Seine Antwort: "Sechs Wochen vor Wettkampfbeginn." Stück für Stück machte Scheiring Fortschritte und wurde mit viel Geduld rechtzeitig für seine erste Langdistanz Ende September 2017 fit und gesund. 

Aufregung vor der ersten Langdistanz

Beim Ironman Italy startete Scheiring als ältester Athlet in der Altersklasse M55. Auch aufgrund dieser Tatsache ging er mit etwas Unsicherheit in das Rennen. Hinzu kam die allgemeine Aufregung vor der ersten Langdistanz. Bisher brauchte er auf der Mitteldistanz rund viereinhalb Stunden. Nach Scheirings Berechnungen wären das dann also rund zehneinhalb Stunden für die Langdistanz. Die Ironman-Premiere lief jedoch deutlich besser als erwartet. Mit einer Zeit von 10:09:57 Stunden kam Scheiring als Zweiter seiner Altersklasse ins Ziel und sicherte sich somit den begehrten Hawaii-Slot. Der erste Teil des Masterplans war also geschafft.

Nach dem Langdistanzdebüt musste Scheiring erst einmal wieder Kraft sammeln: "Ich brauchte fünf Wochen, bis ich nach dem Rennen im September wieder einigermaßen in der Spur war. Bis zum Ende des Jahres war dann vor allem Kraft- und Stabilisationstraining angesagt", sagt er. Mitte Dezember ging es dann mit der gezielten Vorbereitung für die WM auf Hawaii los. Der Jahresplan mit den Trainingsumfängen und Intensitäten stand. Aber wie so oft, kam es anders als gedacht: Beim Trainingslager auf Fuerteventura im Februar 2018 zog sich Scheiring eine massive Bandscheibenverletzung im Halswirbelbereich zu. Zudem machte die Schulter so große Probleme, dass er kaum noch den Arm heben konnte. "Was für ein Dé­jà-vu", dachte er sich. Aber bereits in der Vergangenheit hatte er gelernt, mit Verletzungen umzugehen. Neben seiner Geduld habe vor allem seine positive Grundeinstellung zum Heilungsprozess geholfen. Zusätzlich zu den Akupunkturterminen sei die wohldosierte Arbeit mit Scheirings langjährigen Physiotherapeuten ein zweites wichtiges Standbein für den Heilungsprozess gewesen.