Die Vorbereitung auf den Norseman

Max Rauer wird in diesem Jahr am Norseman, einem der härtesten Triathlons der Welt, teilnehmen. Bei uns bloggt er über seinen Weg zur Startlinie.

Von > | 8. Mai 2019 | Aus: SZENE

Max Rauer startet am 3. August beim Norseman 2019.

Max Rauer startet am 3. August beim Norseman 2019.

Foto >privat

In meinem neuen Blogeintrag soll es um mein aktuelles Training gehen und passend zum Thema verfasse ich meine Zeilen auf Mallorca. Hier darf ich beim Philipp's Bike Team meine Runden drehen und zahlreiche Kilometer und im Hinblick auf den Norseman vor allem auch Höhenmeter sammeln. Neben dem Kilometerschrubben habe ich mir auch vorgenommen, mal das Kaltwasserschwimmen zu testen und regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren.

Da ich das etwa 14 Grad kalte Meer direkt vor der Tür habe, wage ich es dann auch tatsächlich, darin schwimmen zu gehen. Eine ziemlich unangenehme Erfahrung. Der ganze Körper sträubt sich schon beim Betreten des Wassers und das Gesicht fängt an zu schmerzen. Ich nehme mir vor, entspannt zwei Kilometer zu schwimmen und so orientiere ich mich nach einem guten Kilometer wieder in Richtung meines Ausstiegpunktes. Auf dem Rückweg habe ich allerdings die Wellen frontal im Gesicht. Jedes Mal fühlt es sich wie eine schallende Ohrfeige an, wenn diese mein kaltes Gesicht treffen. So langsam merke ich auch die Auswirkungen des kalten Wassers. Der Körper wird kalt, die Arme lassen sich nicht mehr flüssig drehen, die ersten Anflüge von Kältekrämpfen kommen auf. Ich bin heilfroh, als ich wieder Boden unter den Füßen habe und wanke erstmal unter die heiße Dusche, wo ich die nächste halbe Stunde verbringe und mich auftaue. Wenn ich bislang keinen Respekt vor dem Schwimmen hatte, so habe ich diesen spätestens jetzt.

Doch wie heißt der Trainingsleitspruch für den Norseman so schön: „Hope for the best – prepare for the rest“. Und gut vorbereiten muss man sich, denn der Norseman besticht mit seinen insgesamt ca. 5.500 Höhenmetern, kaltem Fjordwasser und einem Trailrun am Ende. Neben der hügeligen Radstrecke geht es ab Laufkilometer 25 nur noch bergauf. Aber nicht nur die Streckenverhältnisse sind mit Ehrfurcht zu betrachten, vor allem die oft unsicheren Wetterverhältnisse lassen den Norseman zu einem Kampf gegen die norwegische Natur werden. Und auch das Finisherlimit am Gaustatoppen von nur 160 Sportlern verleiht diesem Wettkampf ein besonderes Flair.

Mit dem Philipp\'s Bike Team trainiert Max Rauer auf Mallorca für den Norseman.

Mit dem Philipp's Bike Team trainiert Max Rauer auf Mallorca für den Norseman.

Foto >Philipp's Bike Team

Alles beginnt um 4:00 Uhr morgens, wenn die Fähre den Hafen von Eidfjord verlässt, um die 250 Wagemutigen aufs Fjord hinauszufahren. Dann heißt es endlich „Jump!“. Dieses Bild wie die Athleten im Morgengrauen von der Fähre springen ist für mich vergleichbar mit den Bildern aus der legendären Lavawüste von Hawaii. Bilder, die einem Gänsehaut verleihen und Ehrfurcht einflößen. Und auch der Cut-off bei Laufkilometer 32 ist legendär. Von den 250 ausgewählten Startern dürfen diesen nur die ersten 160 passieren und somit ins Ziel auf dem Gaustatoppen einlaufen und sich ihr schwarzes Finisher-Shirt verdienen. Der Rest erhält im Tal „nur“ ein weißes Shirt. Die Dramen, die sich am Zombie Hill hinauf zum Cut-off ereignen, könnte man mit den legendären Positionskämpfen auf den letzten Metern des Alii Drives auf Hawaii vergleichen. Der Kampf gegen sich selbst findet hier seinen Höhepunkt.

Also, was tun?

Ich weiß, dass es hart wird. Und ich behaupte, dass es die perfekte Vorbereitung natürlich nicht geben wird. Die gibt es nie. Denn wie immer werden Situationen auftauchen, die man im Kopf nicht durchgespielt hat, auf die man sich nicht vorbereitet hat, und Situationen, auf die man sich schlicht nicht vorbereiten kann.

Was will ich also trainieren und worauf lege ich in meiner Vorbereitung wert? Allen voran möchte ich Bergläufe trainieren. Ich möchte unbedingt in der Lage sein, am Zombie Hill zu laufen. Ansonsten möchte ich möglichst viel Zeit auf dem Rad verbringen, denn trotz allem ist das meine schwächste Disziplin. Auch den Sprung von der Fähre möchte ich vorher unbedingt simulieren. Das ist eine Situation, auf die ich vorbereitet sein möchte. Allein der Gedanke, meine Schwimmbrille zu verlieren, ist Grund genug.

Der Norseman gibt einem nicht umsonst das Gefühl „back to the roots“ zu gehen. Auch am frühen Morgen des 18. Februar 1978, als der Mythos Hawaii zum ersten Mal gestartet wurde, musste jeder Teilnehmer im Vorfeld ein persönliches Unterstützerteam inklusive Begleit-PKW organisieren. Im Leitfaden des Norseman heißt es: „You can`t do it alone!“. Das heißt, auch das Team muss mit ins Training integriert werden. Zum einen muss ich am Ende ja läuferisch begleitet werden, zum anderen müssen die Abläufe, die ich im Wettkampf erwarte, einstudiert werden. So wird es mit meinem Team unter anderem darum gehen, die Abläufe beim Ausstieg aus dem Wasser durchzuspielen und zu trainieren. Denn auch das ist wieder ein Punkt, der beim Norseman besonders ist: Hilfe in der Wechselzone ist erlaubt und ich werde sie wohl auch brauchen, denn mit kalten Händen wechselt es sich schwierig. Zum anderen müssen die Verpflegungsabläufe mit meinem Team trainiert werden. Und zu guter Letzt gilt es zu besprechen und vorherzusehen, was ich wann brauchen oder benötigen könnte. Es gibt noch viel zu tun und bald brechen schon die letzten Wochen an. Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt.