Die wahre Geschichte von Sarah True

Sarah Trues Leidensgeschichte beim Ironman Frankfurt ist den meisten mittlerweile bekannt. Wir haben sie schon vor dem Rennen in den USA getroffen und ihre spannende Lebensgeschichte gehört.

Von > | 12. Juli 2019 | Aus: SZENE

Sarah True konnte sich im vergangenen Jahr bei ihrem ersten Ironman direkt die Hawaii-Quali sichern.

Sarah True konnte sich im vergangenen Jahr bei ihrem ersten Ironman direkt die Hawaii-Quali sichern.

Foto >Nils Flieshardt/spomedis

Typisch Rookie. Als Sarah True sich beim Ironman Frankfurt Schritt für Schritt den Main entlang­arbeitet und Runde für Runde dem Ziel auf dem Römerberg näherkommt, hat sie einen äußerst unangenehmen Begleiter: die Angst vor dem Hammermann. Schon auf dem Rad, erzählt sie, sei sie zu vorsichtig gewesen, um ja das Finish nicht zu riskieren. Denn das war das Ziel. Ein Finish mit einem ordentlichen Ergebnis. Das sollte möglich sein, hat der Coach gesagt. Doch selbst als sie nur noch wenige Kilometer davon trennen, ist sie sich sicher, dass gleich etwas ganz Schlimmes passieren wird. Ein fürchterlicher Einbruch. Irgendwas mit Magenproblemen vielleicht. Doch es passiert einfach nicht. Und plötzlich findet sie sich auf dem roten Teppich wieder. Muss lachen und fast weinen. Alles gleichzeitig. Sie schlägt die Hände vors Gesicht. Die erste Langdistanz: geschafft!


Sarah True kommt bei ihrem Debüt auf den zweiten Platz und qualifiziert sich für Kona. Doch nicht wenige Beobachter, für die Triathlon gleichbedeutend mit Ironman ist, fragen sich: „Sarah, wer?“ Dabei hat die heute 37-Jährige einiges auf dem Zettel. Sie gehörte über Jahre zu den schnellsten US-Amerikanerinnen auf der Kurzdistanz und trug zweimal den Anzug mit dem Sternenbanner bei den Olympischen Spielen. Doch in Sachen Langdistanz war sie ein unbeschriebenes Blatt. Bis zu ihrem Auftritt in Frankfurt. 
Es folgt ein starkes Rennen bei der Ironman-WM im Oktober, wo sie nur knapp das Podium verpasst und hinter Anne Haug Vierte wird. Aus dem Stand gibt es eine neue Mitfavoritin. Eine Athletin, die vielleicht sogar Daniela Ryf gefährlich werden kann? Man wird sehen. Doch das war vorerst auch noch nicht der Plan. 2018 ging es für ­Sarah True um wichtigere Dinge als Ergebnisse. Denn ihre Reise an die Spitze begann ganz unten – mit tiefen Depressionen.

 

„Den Sport habe ich immer geliebt, aber irgendwann nicht mehr mich selbst.“

Sarah True

Von Rio in die Dunkelheit


Heute kann und will Sarah True ­offen über die dunklen Orte reden, an die sie sich in ihrem Leben immer wieder verirrt hat. Und nach ihrem Ausscheiden bei den Olympischen Spielen von Rio, als sie von Krämpfen geplagt auf dem Rad überrundet wird, habe sie fast nicht mehr ans Licht zurückgefunden: „Bei den Spielen zu unterliegen, bedeutete für mich automatisch, dass ich versagt habe und deshalb auch ich eine Versagerin bin. Dass ich alle enttäuscht habe, die an mich geglaubt und mich unterstützt haben, und dass sie mich nicht mehr lieben würden. Ich habe begonnen, alles auf die erdenklich schlechteste Weise zu sehen“, sagt Sarah True rückblickend.


Einen Grund für diese fatale Art zu denken macht sie in ihrer Familiengeschichte aus. Als jüngste von drei Geschwistern eifert sie ihrem Bruder und ihrer Schwester immer nach. Beide sind sehr erfolgreich. Schule, Sport, Beruf – immer ging es darum, mehr zu erreichen, weil das bisher Geschaffte gefühlt noch nicht gut genug war. So seien sie nun mal gewesen, erzählt Sarah True, und auch sie habe so gedacht. „Das kann ein enormer Antrieb sein, wenn es gut läuft, aber es wird zur ­Katastrophe, wenn es ­einem schlecht geht.“ Und irgendwann geht es ihr katastrophal schlecht. So schlecht, dass auf ­langen Radausfahrten ihre Gedanken mitunter darum kreisen, in den Gegenverkehr abzubiegen.


Die Struktur des Trainings habe ihr als Sportlerin eigentlich gut getan, doch irgendwann sei sie an einen Punkt gekommen, ab dem sie übertrainiert war. Körperlich wie geistig. „Ich merke das jetzt ganz deutlich. Heute habe ich zwei Tage in der Woche, an denen ich nur schwimme und dann ins Gym gehe. Als Kurzdistanzlerin hatte ich aber sogar an meinen Ruhetagen jede Menge Einheiten. Ich denke, dass dieser ganze Stress, bei dem der Cortisolspiegel nie runterkommt und man ständig angespannt ist, auf jeden Fall einen negativen Einfluss auf die Psyche hat. Den Sport habe ich immer geliebt, aber irgendwann einfach nicht mehr mich selbst.“ ...

 

Das gesamte Portät finden Sie in unser aktuellen Ausgabe, der triathlon 171.