Angekommen im Land von "Aloha" und "Hang loose"

Das triathlon-Team ist in Kailua-Kona angekommen: Noch neun Tage bis zum Ironman Hawaii 2017. Unser Herausgeber Frank Wechsel fasst die Ereignisse des Tages in einem täglichen Frühstücks-Blog zusammen.

Von > | 6. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Nils Flieshardt, Frank Wechsel und Lennart Klocke laufen sich \"warm\". Daniel Eilers wurde als schnellster Läufer des Teams zum Fotografieren vorausgeschickt.

Nils Flieshardt, Frank Wechsel und Lennart Klocke laufen sich "warm". Daniel Eilers wurde als schnellster Läufer des Teams zum Fotografieren vorausgeschickt.

Foto >Daniel Eilers / spomedis

Aloha, liebe Triathlonfreunde!

Kailua-Kona, Hawaii, USA: das Traumziel der allermeisten Triathleten. Und wir sind mittendrin! Hier im Land von "Aloha" und "Hang loose" ist die Sonne längst untergegangen, die Straßen leeren sich, bald schon gleicht Kailua-Kona wie jede Nacht einer Geisterstadt. In Deutschland beginnt dagegen der Tag – und jeden Tag möchten wir den Daheimgebliebenen in diesem Blog einen Einblick in das Triathlon- und Redaktionsgeschehen am anderen Ende der Welt geben.

Gestern sind die ersten fünf des spomedis-Teams hier angekommen: Daniel Eilers, Lennart Klocke und ich sind in Hamburg, Nils Flieshardt in Bremen gestartet. In Frankfurt boardeten wir zusammen eine der laut Durchsage des Captains "ersten 747 der United-Flotte" auf ihrem womöglich letzten (und gestern nicht ausgebuchten) Flug. Elf Stunden später konnten wir in San Francisco, wo wir in anderen Jahren auch schon mal zwei Stunden in der Einreiseschlange anstehen mussten, gleich zum Schalter durchgehen, unsere Journalisten-Visa zeigen, das Gepäck aufnehmen und an einem anderen Band gleich wieder abgeben. Es blieb noch Zeit für ein völlig überteuertes, aber notwendiges Abendessen, bevor wir den nochmals fünfeinhalbstunden langen Flug von der Westküste nach Big Island antraten (die Zeit verging für mich tatsächlich wie im Flug – der neue Dan Brown war passenderweise am Reisetag erschienen).

7 Kollegen, 28 Stunden Anreise

In Kailua-Kona begrüßte uns das Team unseres langjährigen Kooperationspartners Hannes Hawaii Tours wie in jedem Jahr mit Leis (den hawaiitypischen Blumenkränzen), Ananas (der hawaiitypischen Obstsorte) und Subway-Baguettes, Sorte Tuna (die inzwischen dank Hannes für mich auch hawaiitypisch sind). Nach kurzem Schnack und Snack weiter zur Mietwagenstation, den Queen K stadteinwärts, die erste Hitze im Supermarkt runterkühlen und schließlich zum Hotel: 28 Stunden hat der Trip von Bett zu Bett in diesem Jahr gedauert. Und trotzdem freue ich mich jedes Jahr auf's Neue auf diese wilde, arbeitsreiche, schlafarme, schwitzige und immer wieder großartige Zeit in Kailua-Kona.

Seit dem letzten Jahr ist zu unserem Team mit Kevin Mackinnon ein Kollege dazugekommen, der von seinem kanadischen Office aus unsere Partnerwebsite TriathlonWorld.com als Chefredakteur betreut. Auch er ist gestern angereist. Leider musste Marcus Baranski, der unser Anzeigenmarketing verantwortet, nach einem Radsturz seine für Sonntag geplante Anreise absagen (wir werden stattdessen einen Überraschungsgast einfliegen, dazu die Tage mehr). Am Dienstag wird Silke Insel unser dann siebenköpfiges Kona-2017-Team komplettieren.

Ich selbst bin zum 19. Mal nach Big Island gereist, kenne die Stadt, das Land und das Rennen wie meine Westentasche. 1996 war ich als Athlet hier, kaufte nach dem Rennen die Souvenirshops leer, da ich ja nicht wusste, ob ich noch mal wiederkommen würde. 1998 verpasste ich die Quali, kehrte als Redakteur des damaligen DTU-Verbandsorgans aber erstmals als Journalist zurück. Seit 2001 war ich dann jeden Oktober hier (und bis heute besuche ich nach dem Rennen weiterhin die Souvenirshops).

Veränderungen im Hawaii-Tempo

Vieles hat sich in diesen vielen Jahren verändert in Kailua-Kona. Früher gab es im Rennen noch die zweite Wechselzone am Ende des Alii Drive, den fiesen Laufstart mit "The Pit". Zwischendurch lag die T2 auch schon mal am alten Airport, seit einigen Jahren gibt es nur noch eine Wechselzone auf dem Pier, die jedes Jahr enger wird: Die Teilnehmerzahl hat sich seit 1996 fast verdoppelt. Die Lavawüste wird jedes Jahr ein bisschen mehr zum Industriegebiet. Und für alle Kona-Kenner, die lange nicht mehr hier waren, die aktuellsten Entwicklungen:

  • Endlich nachhaltig: Es gibt keine Plastiktüten mehr in den Supermärkten! Dafür werden die Autos, mit denen die gigantischen Einkäufe abtransportiert werden, wieder größer, seitdem die Benzinpreise fallen. Ein Elektroauto haben wir hier übrigens noch nicht gesehen.
  • Auf diesem Lavafelsen soll eine Kirche entstehen: Neben dem Bauernmarkt steht nun ein großer Glaubenstempel, der aussieht, als sei sie auf einen kleinen Berg gebaut (unten drunter befindet sich aber weder Felsen noch Krypta, sondern – wir sind ja in den USA – ein Parkdeck).
  • Der Ausbau des Highways bis zum Flughafen wird im nächsten Jahr abgeschlossen sein, ein Großteil des Marathons dann auf einer Art Autobahn gelaufen.
  • Die Lebensmittelpreise sind seit dem letzten Jahr so schnell gestiegen, wie der Dollar an Wert verloren hat.
  • Die Pulsmessung am Handgelenk scheint sich langsam durchzusetzen: Es trägt nicht mehr jeder Läufer auf dem Alii Drive einen Pulsgurt am nackten Oberkörper.
  • Das berühmte Lava Java ist nun zwei Gebäude weiter gezogen und richtig schick geworden.
  • Der Ironman wird erstmals auch in den USA live im Fernsehen übertragen.
  • Und hey: Wir haben endlich wieder 200 Deutsche am Start!

Das meiste an Kailua-Kona und am Ironman ist jedoch gleich geblieben. Das Ziel wird nächste Woche wieder unter dem großen Banyan Tree aufgebaut, dort wo der Alii Drive in die Palani Road übergeht. Der Mumuku ist weiterhin unberechenbar, Hawi so verdammt weit weg und der morgendliche Gang zum Pier eines jener inspirierenden Erlebnisse, die mich und viele andere immer wieder so magisch anziehen und für mein alltägliches Tun motivieren. Ja, sie geht wieder los, die Ironman-Zeit! Ich werde an dieser Stelle jeden Tag zum Frühstück deutscher Zeit die Ereignisse des Tages zusammenfassen und kommentieren.

Der Donnerstag 

Dieser Donnerstag stand für uns jedoch noch ganz im Zeichen des Ankommens: Wir haben unser eingelagertes Inventar ausgelagert: Monitore, Drucker, Stative, viele Kabel, Besteck und Geschirr, aber auch Laufschuhe, Radschuhe samt Pedalen, einen Rad- und zwei Motorradhelme werden weiterhin gebraucht. Im Laufe der Jahre sind andere Dinge aber aus der Mode gekommen und werden wohl am Ende dieser Reise endgültig entsorgt: DVD-Rohlinge, Videotapes und Modemkabel werden wohl kaum auferstehen. Natürlich sind wir auch in diesem Jahr am ersten Tag morgens im Pazifik geschwommen und abends auf dem Alii Drive gejoggt. Dazwischen haben wir Menschen wie Sebastian Kienle und Jan Frodeno die Hände geschüttelt (die das übrigens auch untereinander gemacht haben!), unsere Fan-Editionen für die deutschsprachigen Starter ausgepackt (lasst euch überraschen), die hier exklusiv gedruckten Sonderausgaben unserer Zeitschrift entgegengenommen und natürlich Poke gegessen.

Morgen steigen wir dann so richtig ein – in die große Berichterstattung über Hawaii, über den Ironman, über die Profis und Agegrouper, über das Material und die Taktiken. Wir berichten in einem Umfang wie wohl kein anderes Triathlonmedium der Welt auf unseren Websites, in vielen Videos, Bildergalerien und Beiträgen und schließlich mit dem großen triathlon special, das bereits am Samstag nach dem Rennen im Briefkasten der Abonnenten liegt (auch bei denen, die jetzt noch hier ein Abo abschließen), über den Ironman Hawaii 2017. Ich freue mich auf die spannende Zeit in Kailua-Kona!

Hang loose!
Frank Wechsel