„Das war von Beginn an ein Kampf“

Lukas Krämer belegt Rang 6 bei der Challenge Lissabon trotz geringer Laufumfänge. Jetzt blickt der Feuerwehrmann nach Roth, wo er Anfang Juli über die Langdistanz startet.

Von > | 7. Juni 2018 | Aus: SZENE

Lukas Krämer

Lukas Krämer

Foto >Privat

Bei der Challenge Lissabon hat Lukas Krämer seine zweite Saison als Triathlon-Profi eröffnet. Dabei stand der Start für den Feuerwehrmann lange Zeit auf der Kippe, weil starke orthopädische Beschwerden ein strukturiertes Lauftraining unmöglich machten. Der längste Lauf, den Krämer in den drei Monaten zuvor absolviert hat, betrug 13 Kilometer – und so fiel die endgültige Entscheidung zum Start erst Anfang der Rennwoche. Sein Trainer Christian Manunzio schrieb einen 40-minütigen Koppellauf ohne Vorgaben, also frei nach Gefühl, in den Trainingsplan. Die ersten fünf Kilometer der Einheit lief der 33-jährige in einer 3:25er Pace ohne Beschwerden, allerdings auch mit dem Wissen, dass ein Halbmarathon eine ganz andere Herausforderung darstellen würde. „Völlig ohne Erwartungen“ reiste Krämer mit seiner Supporter-Crew in die portugiesische Hauptstadt.

Spurensuche führt zum Sattel

Mit im Gepäck hatte Krämer einen neuen Sattel für das Zeitfahrrad, den er nach einer Idee seines Physios kurzerhand beim Radladen seines Vertrauens mitgenommen hat. „Mein Physio hat mir erzählt, dass ich in den letzten Wochen quasi seine Bettlektüre war und ihm dabei die Idee kam, dass die Probleme eventuell aus dem Leistenbereich stammen könnten“, erklärt der Münchner. Sein bisheriger eher weicher Sattel könnte – so die Theorie von Krämer – einen Nerv in der Leiste zu sehr belastet und damit die Probleme hervorgerufen haben. „Es haben jetzt schon so viele Ärzte, Physios und Ostheopaten meine Füße untersucht und nichts festgestellt, die Ursache muss deshalb von weiter oben kommen. Außerdem hatte ich ja nichts zu verlieren“, begründet Krämer seine Last-Minute-Entscheidung, den neuen Sattel nach nur einer 45-minütigen Probefahrt im Wettkampf zu benutzen.

Das Rennen begann für Krämer vielversprechend und ganz nach dem Geschmack von Coach Manunzio. „Beim Schwimmen keine Rücksicht nehmen, aggressiv auf dem Rad sein und beim Laufen gucken was noch geht“, so die Vorgaben des Trainers. Tatsächlich konnte sich der als schwächerer Schwimmer bekannte Profi in der ersten Hälfte an der Spitzengruppe festbeißen, ehe er abreißen lassen musste und mit etwas mehr als zwei Minuten Rückstand auf den Führenden in die Wechselzone kam. „Mit dem Schwimmen bin ich eigentlich ganz zufrieden. Ich habe es zwar wieder nicht geschafft, an der Gruppe dranzubleiben, aber der Rückstand zur ersten größeren Gruppe war kleiner als in den Rennen letztes Jahr“, resümiert er seine Leistung mit einigen Tagen Abstand. Tatsächlich lag er nur knapp 50 Sekunden hinter der Gruppe, in der sich die Favoriten auf den Sieg befanden.

Auf dem Rad in die Top 5

Wie gewohnt musste Krämer seine Aufholjagd also auf dem Rad starten. Zu Beginn lief es jedoch nicht wie gewünscht: „Es hat etwas gedauert bis ich meinen Rhythmus gefunden habe. Dafür lief es Runde für Runde besser und ich konnte vor allem zum Ende hin einiges an Boden gut machen.“ Seine Wattwerte stimmten den Spezialisten nach einer kurzen Analyse sehr zufrieden: „Im Vergleich zum Rennen in Finnland im letzten Jahr bin ich etwa 20 Watt mehr gefahren und habe mich bei einem vergleichbaren Kurs am Ende sogar entspannter gefühlt“, berichtet er und verweist auf konstant gute Trainingsleistungen in den vergangenen Wochen und Monaten. Die Leistungssteigerung kam für den Münchner und sein Team nicht überraschend.

Als fünfter Athlet rollte er schließlich in die Wechselzone und konnte dort den knapp vor ihm liegenden Patrick Dirksmeier überholen. „Ich hab ihn überwechselt, bin dann aber kurz in den falschen Ausgang gelaufen und wurde von den Helfern zurückgeordert. Das hat mich allerdings nur ein paar Sekunden und mit Sicherheit keine bessere Platzierung gekostet“, fasst er die hektischen Momente im Wechselzelt zusammen und ergänzt: „Patrick hat mir später im Ziel berichtet, dass er wahrscheinlich auch falsch gelaufen wäre, wenn er es nicht schon bei mir gesehen hätte.“

Mit diesem Adrenalin-Kick begann für Krämer ein Kampf gegen die Distanz und seine unzureichend vorbereitete Läufermuskulatur: „Der Lauf war von Anfang an ein Kampf." Bis einige Kilometer vor dem Ziel konnte er seinen fünften Rang verteidigen, ehe Joao Ferreira (am Ende auf Platz 4, Anm. d. Red.) den Münchner noch überholte. „Das hat mich schon geärgert, vor allem weil er 70 Kilometer lang hinter mir hergefahren ist. Da hätte er sich ruhig mal an der Führungsarbeit beteiligen können. Gegen Patrick Dirksmeier war an diesem Tag beim Laufen sowieso kein Kraut gewachsen, aber mit einer besseren Vorbereitung wäre Platz 4 schon drin gewesen.“

„Viel Licht und viel Schatten“

So richtig einordnen kann Krämer das Rennen mit einigen Tagen Abstand noch nicht: „Natürlich kann ich mit Platz 6 nicht wirklich zufrieden sein, aber gemessen an der mangelnden Vorbereitung im Laufen kann ich trotzdem ganz gut damit leben.“ Vor allem die Radleistung und die verbesserte Schwimmform machen dem 33-jährigen mit Blick auf die nächsten Rennen Mut. „Insgesamt gab es in allen drei Disziplinen viel Licht und Schatten, das Wichtigste ist aber, dass ich bis auf eine ganz kurze Zeit gar keine orthopädischen Schmerzen hatte“; erzählt er und lässt eine gewisse Erleichterung mitschwingen.

Die Regeneration dürfte etwas länger ausfallen als üblich, immerhin erzählt Krämer, dass das Laufen „muskulär noch nie so hart“ gewesen und der Muskelkater auch einige Tage nach dem Rennen „richtig böse“ sei. Dennoch geht der Blick bereits nach vorn: Mitte Juni wird er auf der olympischen Distanz beim Erding Triathlon im Rahmen der Bayern-Liga starten und versuchen seinem Volllast TriTeam Schongau zu helfen. Dort möchte Krämer Wettkampfhärte für sein nächstes Saison-Highligt sammeln. Am 1. Juli steht Krämer bei der Challenge Roth an der Startlinie. Dort hat er vor fünf Jahren seine erste Langdistanz bestritten und verbindet nicht nur wegen einer starken Zielzeit von 8:30 Stunden viele gute Erinnerungen mit dem Rennen. Bis dahin wird er weiterhin den Ursachen seiner körperlichen Probleme auf den Grund gehen und versuchen im läuferischen Bereich zu arbeiten, um auf seiner Lieblingsdistanz konkurrenzfähig zu sein.