Die Weltmeister kämpfen um die Vorherrschaft in Europa

Der Ironman Frankfurt wartet in diesem Jahr mit besonders vielen Höhepunkten auf: Neben dem Duell zwischen Patrick Lange und Jan Frodeno blickt die Triathlonwelt auch auf die Langdistanz-Premiere von Anne Haug.

Von > | 4. Juli 2018 | Aus: SZENE

Wer steht am Ende ganz oben auf dem Podium: Nach dem Aufeinandertreffen von Jan Frodeno und Patrick Lange werden die Karten beim Ironman Frankfurt wieder neu gemischt.

Wer steht am Ende ganz oben auf dem Podium: Nach dem Aufeinandertreffen von Jan Frodeno und Patrick Lange werden die Karten beim Ironman Frankfurt wieder neu gemischt.

Foto >Frank Wechsel und Peter Jacob / spomedis

Wenn bei der 17. Auflage des Ironman Frankfurt am Sonntag, 8. Juli, ab 6.30 Uhr die Profis am Start in den Langener Waldsee springen, sind die Kameras vor allem auf zwei Protagonisten gerichtet: Jan Frodeno und Patrick Lange. Doch auch auf den weiteren Startplätzen lauern einige Athleten, die an einem guten Tag den Sprung aufs Treppchen oder ganz nach oben schaffen könnten. Auch das Damenrennen verspricht große Spannung. Vor allem der erste Langdistanzstart von Anne Haug bei der Europameisterschaft steht unter einem besonderen Stern.

Es ist das Duell der beiden Weltmeister: Lange als amtierender Hawaii-Sieger und Frodeno, der in den Jahren 2016 und 2015 das breiteste Siegerlächeln in Kailua-Kona aufsetzte. Für den aktuellen Champion Lange ist die EM in Frankfurt auch die Chance, sich für die deutliche Niederlage beim Ironman 70.3 im Kraichgau zu revanchieren, bei der er mehr als fünf Minuten später ins Ziel kam als sein Kontrahent. Entscheidend könnten dabei vor allem die ersten 3,8 Kilometer des Rennens im Langener Waldsee werden: Wenn es Frodeno dort schafft, sich bereits einen größeren Vorsprung zu erschwimmen, könnte es für Lange schwer werden, auf der Radstrecke oder bei seiner Paradediszilpin Laufen wieder zum zweimaligen Weltmeister aufzuschließen. Abzuwarten bleibt jedoch auch, ob Frodeno nach seinem Sturz im Training vor knapp zwei Wochen bereits wieder fit für die komplette Marathondistanz ist. Am Mittwoch teilte er auf seinem Instagram-Account mit, dass es bisher lediglich für einen Zwölf-Kilometer-Lauf in der Vorbereitung für das Rennen gereicht habe. 

Zusätzliche Motivation für den aktuellen Hawaii-Champion dürfte der Rennausgang in Frankfurt im vergangenen Jahr sein: Nach Platz vier im Schwimmen und dem dritten Platz in der Wechselzone zum abschließenden Marathon lief für den 31-Jährigen eigentlich alles nach Plan. Doch in seiner vermeintlich stärksten Disziplin wurde das Rennen zur reinsten Qual. Mit Wadenkrämpfen schleppte sich Lange noch als Sechster über die Ziellinie auf dem Frankfurter Römer. Zusätzlich sorgte der Trainer des Südhessen, Faris Al-Sultan, für Furore. Um seinen Schützling doch noch einmal auf die Siegerstraße zurückzubringen, lief sein Coach über einen längeren Zeitraum neben Lange her. Der Preis für den vermeintlichen Motivationsschub war eine 60-Sekunden-Zeitstrafe.

Doch auch abseits dieses viel umschriebenen Duells sind unter den rund 45 Profis, die in Frankfurt an den Start gehen, einige Athleten, die für eine Überraschung sorgen und bei der Vergabe des obersten Treppchenplatzes ein Wörtchen mitreden können. Einer von ihnen ist Andreas Böcherer, der sich in den vergangenen zwei Jahren jeweils den zweiten Platz sicherte und im Jahr 2015 auf Platz drei landete. Die guten Kenntnisse der Strecke könnten ein großer Vorteil für den 35-Jährigen sein. Weiterer Kandidat für die Spitzengruppe ist der Australier Josh Amberger, der vor allem beim Schwimmen wohl der Erste sein wird, der das Wasser wieder verlässt und sich somit eine gute Voraussetzung für eine Top-Fünf-Platzierung sichern kann. In diesem Bereich könnte auch Patrick Nilsson landen. Der junge Schwede ist zwar bisher nicht optimal in die Saison gestartet, kann an einem guten Tag jedoch seinen dritten Platz aus dem vergangenen Jahr wiederholen. Weiterer Topfavorit ist Nicholas Kastelein. Der Trainingspartner von Jan Frodeno hat bereits beim Ironman 70.3 im Kraichgau mit seinem dritten Platz bewiesen, dass er mit der Weltspitze mithalten kann.

Vorjahressieger Kienle kommentiert im TV 

Um 6.32 Uhr starten dann die rund 15 Profi-Frauen in die Europameisterschaft. Auch dieses Rennen wird mit Spannung erwartet. Die große Frage wird sein, wer der aktuellen Überfliegerin Daniela Ryf das Wasser reichen kann. Die dreifache Weltmeisterin holte sich bei ihrem Start in Frankfurt im Jahr 2015 bereits den Sieg. Auch wenn an der Schweizerin in Normalform zumindest monentan fast kein Weg vorbei führt, hat ihr Rennabbruch vor zwei Jahren gezeigt, dass Kleinigkeiten, wie in diesem Fall die äußeren Bedingungen, den Verlauf der EM schnell auf den Kopf stellen können. Geärgert werden könnte Ryf von Sarah Crowley. Die 35-jährige Australierin sicherte sich im vergangenen Jahr den Titel bei den Ironman European Championship in Frankfurt. Im Kampf um die vordersten Plätze werden auch Athletinnen wie Eva Wutti (Österreich), Dimity-Lee Duke (Australien), Sarah True (USA) oder die Deutsche Katja Konschak eine entscheidende Rolle spielen.

Viele Augen richten sich am Sonntag auch auf das Langdistanz-Debüt von Anne Haug. Die 35-jährige Deutsche, die erst vor einem Dreivierteljahr auf die Mittelstrecke gewechselt ist. Vor allem ihre enorme Stärke auf der Laufstrecke könnten ihr zu einem Podiumsplatz verhelfen. Selbst will sich Haug jedoch nicht allzu sehr unter Druck setzten: „Das Minimalziel ist natürlich überhaupt durchzukommen und aufrecht bei Tageslicht zu finishen“, sagte sie uns gegenüber im Interview. Eigentlich hätte es in Frankfurt ein doppeltes Langdistanz-Debüt gegeben, doch Laura Philipps Start bei der EM wurde durch eine Sehnenreizung verhindert, die die elffache Ironman-70.3-Siegerin erst vernünftig auskurieren möchte.

Ein weiterer deutscher Protagonist wird beim Start am frühen Sonntagmorgen nicht am Langener Waldsee im Neoprenanzug zu sehen sein: Der Vorjahressieger Sebastian Kienle wird das Rennen als Experte für die ARD und den Hessischen Rundfunk begleiten und nach seinem Sieg bei der Challenge Roth am vergangenen Wochenende seine Kontrahenten ganz entspannt vom Bildschirm aus analysieren.