Wind: Das prägende Element

Hawaii entsteht durch die Kraft des Feuers. Doch der Wind prägt das Klima – und findet seine Bedeutung auch in der Sprache wieder. Teil 2 der Reihe "Hawaii und seine Elemente".

Von > | 11. Oktober 2017 | Aus: SZENE

Pololu Valley - im Norden bringen die Passatwinde aus nord-östlicher Richtung viel Regen mit. Die Auswirkungen sieht man in grünbewachsene Steilklippen und Regenwald.

Pololu Valley - im Norden bringen die Passatwinde aus nord-östlicher Richtung viel Regen mit. Die Auswirkungen sieht man in grünbewachsene Steilklippen und Regenwald.

Foto >Laura-Sophie Usinger

Das Luft-Element ist nicht leicht zu beschreiben, schließlich ist es nicht greifbar. Wir bemerken die Existenz von Luft nicht, nur ihr Fehlen. Die Kraft der Sonne setzt Luft in Bewegung. Über aufgeheiztem Erdboden steigt die warme Luft auf und hinterlässt ein Tiefdruckgebiet. Dort wo es kalt ist, sinkt sie ab und es entsteht ein Hochdruckgebiet. Der Druckunterschied wird durch Luftströme ausgeglichen. Luft gerät in Aktion, es wehen Winde.

Welch große Bedeutung der Wind für die Insel hat, wird in der hawaiianischen Sprache deutlich. Makani ist der Oberbegriff für Wind – doch damit nicht genug. Jeder Windtyp besitzt seinen eigenen Namen. Mumuku, Alahonua, Hoolua und Ulumano – wohlklingende Namen, die es ganz schön in sich haben können.

Selbst der Austragungsort des wichtigsten Triathlon-Wettkampfs des Jahres besitzt eine meteorologische Bedeutung – übersetzt heißt Kona „der Wind weht aus südwestlicher Richtung“.

Den größten Einfluss in Hawaii nehmen die Passatwinde. Sie wehen gleichmäßig aus nord-östlicher Richtung zum Äquator hin und bringen Niederschlag entsprechend der Windrichtung an die Nord- und Ostküste von Big Island. Bei einer Inselrundfahrt ist das gut zu beobachten. Die Kohala-Küste mit ihren Steilklippen, die grünen Weiden in Waimea, der Regenwald bis nach Hilo profitieren im Nordosten vom feuchten Klima. Weiter südlich, auf der windabgewandten Seite, gibt es dagegen kaum noch Wolken, es wird heißer und trockener. 

Das ist die Regel, wie immer gibt es auch Ausnahmen. Es kann passieren, dass der Wind dreht oder ausbleibt. Dann wird es entweder unerträglich heiß oder es regnet auf den sonst trockenen Seiten der Insel. 

Dem Wind ist auch zu verdanken, dass es in Hawaii quasi keine Jahreszeiten gibt. Die Temperaturen liegen ganzjährig zwischen 22 und 27 Grad Celsius – sowohl im Wasser als auch an Land. Auch hierfür sind die Passatwinde verantwortlich, ebenso wie das warme Wasser des Ozeans, das die kalten Luftmassen erwärmt beziehungsweise Luftströme abkühlt. 

Makani prägt aber nicht nur das Klima und die Vegetation der Pazifikinsel, sondern nimmt jedes Jahr erheblichen Einfluss auf den Rennverlauf des Ironman. Der gefürchtete „Mumuku“ ist der Wind, der „zwischen zwei Bergen weht“. Auf dem Rad kann er die Spreu vom Weizen trennen, bei seinem Fehlen aber auch nicht. Die Luft beeinflusst die Taktik der Athleten, lässt manchen Flügel wachsen oder wirbelt andere herum. Manchen bleibt sie früher oder später weg - die Luft, dessen Existenz man nicht bemerkt, bis sie einem fehlt. Makani ist nicht greifbar. Eine Vorhersage des Rennausgangs ebenso wenig. Makani ist veränderlich.

Die Kraft der Sonne setzt Luft in Bewegung. Wind kann Wasser die Schwere nehmen, es aufwirbeln, brechen und überschäumen lassen und wird von der Erde überführt. Luft ist ein Element, das alle anderen beeinflusst. So, wie alle anderen die Luft beeinflusst. Luft ist schwer zu greifen und trotzdem ist Luft leicht. Luft ist veränderlich und wirkt durch Bewegung und Ausdehnung. Ein Element von vielen, das erstaunlich gut zu Triathlon passt.