Zeit des Umbruchs für Lukas Krämer

Die erste Leistungsdiagnostik unter seinem neuen Trainer Christian Manunzio bescheinigt Lukas Krämer ein "typisches Ironman-Amateur-Profil". Es ist daher an der Zeit, das Training umzustellen. Ein Ausblick auf das Jahr 2018.

Von > | 20. September 2017 | Aus: SZENE

Lukas Krämer bei der Leistungsdiagnostik.

Lukas Krämer bei der Leistungsdiagnostik.

Foto >Privat

Neuer Trainer im Krämer-Team

Vor dem enttäuschenden Rennen im Juli in Rom, das nach gründlicher Analyse wohl zu nah an dem Sieg bei der Langdistanz in Venedig lag, absolvierte Lukas Krämer die zweite Leistungsdiagnostik unter seinem neuen Trainer Christian „Puni“ Manunzio. Die Ergebnisse ließen Coach und Athlet zuversichtlich stimmen, haben sich doch alle relevanten Leistungsparameter positiv entwickelt: „Ich habe zwischendurch fast den Glauben verloren, dass Training bei mir überhaupt anschlägt“, scherzt Krämer hinterher und verweist vor allem auf die komplett neuen Trainingsreize, die ihm Puni seit November auferlegt hat.

Die Zusammenarbeit begann mit einem „Tüv“, wie Manunzio den Gesundheits-Check im Hause medhealthletics beschreibt. Auch bei einem Athleten wie Krämer, der seit Jahren auf sehr hohem Niveau trainiert, ist dieser Test unerlässlich und stellt sicher, dass mögliche Herz- oder sonstige gesundheitliche Probleme erkannt werden. Anschließend absolvierte Krämer eine komplexe Leistungsdiagnostik, die alle relevanten physiologischen Werte misst und dem Coach einen Überblick über den aktuellen Leistungsstand, sowie Stärken und Schwächen des Athleten gibt. Gerade zum Start der Zusammenarbeit ist die Auswertung interessant, um ein besseres Bild des Schützlings zu bekommen.

Ein typisches Ironman-Profil

Die Ergebnisse überraschen weder Athleten noch Trainer Manunzio, der ein „typisches Ironman-Amateur-Profil“ erkennt. Guter Fettstoffwechsel, aber deutliche Schwächen in der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max), der Verwertung von Kohlenhydraten sowie der Koordination: das Ergebnis von großer Fleißarbeit mit vielen langen und ruhigen Trainingseinheiten und zu wenigem intensiven Training. Krämer selbst ist in seinen Ausführungen deutlich selbstkritischer und nimmt den geringen VO2max-Wert mit Humor: „Der war so weit unten, das darf man eigentlich niemandem erzählen!“ Er ist mit seinen Werten in der Lage, lange und ruhige Einheiten energetisch effizient zu absolvieren, was ihm vor allem auf der Langdistanz in die Karten spielt. Bei kurzen Rennen wie etwa in der 2. Bundesliga, limitiert ihn seine geringe VO2max und die mangelnde Kohlenhydrat-Verbrennung hingegen: „Ich werde wohl nie einen richtig schnellen 10er laufen“, erzählt der Ironman-Amateur-Weltmeister, der schnelle und kurze Einheiten nur ungern absolviert. „Vom aktuellen Trainingszustand und vom Kopf her ist Lukas ein klassischer Langdistanz-Athlet“, bestätigt auch sein neuer Trainer.

Das Hauptaugenmerk legt Puni in der Folge dennoch auf die Verbesserung der VO2max. Für den Leistungsdiagnostiker und Trainer ist schnell klar, dass die maximale Sauerstoffaufnahme der begrenzende Faktor bei Lukas Krämer ist. Dabei spielen Intervalle mit hohen Intensitäten eine wichtige Rolle: „Ein typisches Beispiel sind 30 Sekunden hohe Belastung und 30 Sekunden Erholung im Wechsel“, erzählt er und ergänzt, dass derartige Belastungen in allen drei Disziplinen eingesetzt werden können und sollten. Vor allem dem Radfahren kommt dabei eine große Bedeutung zu, da dort das Verletzungsrisiko bei dem beschriebenen Training am geringsten ist. Zudem lassen sich Teile der Trainingsreize einer Sportart positiv auf die anderen Disziplinen übertragen. Durch gezielte Anpassungen in der Ernährung kann man die positiven Effekte des Trainings sogar noch unterstützen.

Die Ergebnisse der zweiten Leistungsdiagnostik bestätigen Christian Manunzio in seiner Strategie. Vor allem im Bereich der maximalen Sauerstoffaufnahme hat Krämer sich stark verbessert und „ist dort mittlerweile auf einem guten Niveau“. Manunzio sieht in diesem Parameter einen wichtigen Ansatz und verweist auf viele ehemalige Kurzdistanzler, die sich über viele Jahre eine sehr gute Grundschnelligkeit in Verbindung mit klassischem Grundlagentraining angeeignet haben und diese beim Wechsel auf die Mittel- und Langstrecke übertragen. Aber auch Beispiele wie etwa das von Chris McCormack zeigen, dass auch nach jahrelangem Ironman-Training ein Wechsel auf die Kurzdistanz, bzw. das Einbauen von entsprechenden Reizen, leistungsfördernd sein kann.