Die zweite Chance

Ruben Zepuntke sorgte für verblüffte Gesichter, als er im Frühjahr Jan Frodeno in Buschhütten und Sebastian Kienle in Heilbronn gehörig unter Druck setzte. Die Geschichte eines Ex-Radsportlers, der mit 24 Jahren seine Karriere an den Nagel hing und im Triathlon nun eine zweite Chance bekommt, nachdem er mit dem Profisport eigentlich schon abgeschlossen hatte.

Von > | 1. August 2019 | Aus: SZENE

Auf dem Weg in die Triathlon-Weltspitze? Nach seinem überraschenden Blitzstart als Profitriathlet hat sich Ruben Zepuntke für die kommenden Jahre viel vorgenommen.

Auf dem Weg in die Triathlon-Weltspitze? Nach seinem überraschenden Blitzstart als Profitriathlet hat sich Ruben Zepuntke für die kommenden Jahre viel vorgenommen.

Foto >Simon Müller / spomedis

Häufig hat man nach einem ­Moment des Scheiterns die ­Gelegenheit, aus Fehlern zu lernen, sich weiterzuentwickeln und es beim nächsten Mal einfach besser zu machen. Aber manche Chancen bekommt man im Leben nur ein einziges Mal. Es gehört zum Profisport dazu, dass fast ausnahmslos jede ­Karriere eine Berg- und Talfahrt ist, bei der sich ­endorphingeladene Erfolgsmomente immer wieder mit Rückschlägen, Frustration und Selbstzweifeln abwechseln. Oft wachsen Sportler an den Negativ­erlebnissen und können sie im Nachhinein positiv für sich nutzen. Doch es gibt Momente der Niederlage, die eine Karriere nicht nur nachhaltig verändern, sondern sogar ­beenden. 2017 erlebt Ruben Zepuntke einen solchen Moment. Denn sein Blitzstart im Triathlon und die große Karriere, die ihm bevorstehen könnte, beginnt zunächst mit einem Ende. Dem Ende als Radsportprofi. Mit gerade einmal 24 Jahren.

Talentierter Allrounder mit Start bei den Olympischen Jugendspielen

Doch bevor es zu diesem abrupten Karriere­ende kommt, ist die Geschichte von Ruben Zepuntke im Radsport zehn Jahre lang eine äußerst erfolgreiche: Im Alter von 14 Jahren beginnt der Düsseldorfer mit dem Radfahren im Verein, nachdem er zuvor mehrere Jahre lang Hockey spielt und sich in seiner Kindheit für viele verschiedene Formen von Bewegung begeistern kann. Zepuntke bringt direkt eine große Portion Ehrgeiz mit. Und obwohl seine Eltern keinerlei Verbindung zum Radsport haben, sind sein Talent und seine Veranlagung so beeindruckend, dass man meinen könnte, ihm wäre das Radfahren in die Wiege gelegt worden. Der heute 26-Jährige erinnert sich zurück: „Mir hat damals der Geschwindigkeitsrausch gefallen und ich habe es sehr genossen, in der Natur zu sein und mich gegen äußere Widerstände durchzusetzen. Mir war dann schnell klar, dass ich den Radsport direkt ambitioniert angehen möchte. Ich weiß nicht, wem ich dieses Talent oder die Gabe zu verdanken habe, aber irgendwie hat von Beginn an einfach alles funktioniert. Es lief wie von allein.“ Das beschreibt es tatsächlich sehr treffend: Nach nur einem Jahr wird Zepuntke Dritter bei den deutschen Jugendmeisterschaften in der Mannschaftsverfolgung, belegt 2009 sogar Platz zwei. Ein Jahr später wird er deutscher Meister in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn und landet bei den Olympischen Jugendspielen 2010 in Singapur im Einzelzeitfahren auf Rang fünf. 

Zepuntke ist ein Allrounder, der durch seine Vielseitigkeit beeindruckt. Das stellt er 2011 ganz besonders unter Beweis, als er mit 18 Jahren sowohl deutscher Junioren­meister im Einzelzeitfahren als auch in der Mannschaftsverfolgung wird und beim „Pavé de Roubaix“, der ­Junioren-Austragung von Paris-Roubaix, den fünften Platz belegt. 2012 unterschreibt Zepuntke seinen ersten Profivertrag beim ­Rabobank Continental Team, tourt für Rennen und Rundfahrten durch die ganze Welt, ­gewinnt unter anderem die erste Etappe der Tour of Alberta 2014 und wird beim Cascade ­Cycling Classic in Oregon bester Nachwuchsfahrer. Es folgen unter anderem Starts bei der Tour de Suisse, Tour of Britain und Tour Down Under. In seinen fünf Profijahren fährt Zepuntke außerdem noch für das Bissell Development Team, das Cannondale-Garmin und Cannondale Pro Cycling Team und 2017 schließlich für das Development Team Sunweb.

In Zepuntkes Zimmer findet man ­neben seiner aktuellen Rennmaschine noch jede Menge Utensilien aus der Radsportvergangenheit: Das Namensschild der Tour of Britain und zahlreiche Equipment-Überbleibsel sind nur einige davon.

In Zepuntkes Zimmer findet man ­neben seiner aktuellen Rennmaschine noch jede Menge Utensilien aus der Radsportvergangenheit: Das Namensschild der Tour of Britain und zahlreiche Equipment-Überbleibsel sind nur einige davon.

Foto >Simon Müller / spomedis

Ein Lebenstraum zerplatzt

Ruben Zepuntke, dessen Mutter seit 2014 Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Düsseldorf ist, bezeichnet sich selbst als sehr heimatverbundenen Menschen und fühlt sich extrem verwurzelt mit „seiner“ Stadt am Rhein. Dementsprechend emotional ist die Reaktion, als er im Herbst 2015 erfährt, dass die Tour de France 2017 gleich doppelt in Düsseldorf stattfinden wird: Mit einem Zeitfahren als Prolog und dem Start der ersten Etappe – inklusive erster Bergwertung der gesamten Tour an Zepuntkes Hausberg nur einen Kilometer von seiner Wohnung entfernt. Sofort steht fest: Der Start bei der Tour in seiner Heimatstadt ist vielleicht das Größte, was er als Radsportler erreichen kann. Von dort an wird der Tour-Start im Herzen Düsseldorfs am 1. Juli 2017 zum ultimativen Fernziel. Ein ambitioniertes Vorhaben, jedoch Zepuntkes großer Traum und vor allem: eine einmalige Chance. „Es war eine Mischung aus Vorfreude, Zweifeln und Druck. Beispielsweise hat meine ehemalige Schule direkt angekündigt, dass sie mit allen 1.500 Schülern an die Strecke kommt, wenn ich starte. Bei der Tour de France zu fahren, war von Anfang an mein größtes Ziel im Radsport. Aber die Vorstellung, dass ich diese Gelegenheit auch noch in ­Düsseldorf kriege, war überwältigend“, beschreibt ­Zepuntke seine damalige Gefühlswelt. Es ist eine Geschichte ohne Happy End. Zepuntke schafft es nicht ins Tour-Aufgebot und erlebt im Anschluss die schwierigste Zeit in seinem jungen Leben ...

Das komplette Porträt über Ruben Zepuntke finden Sie in der triathlon 172, erhältlich am Kiosk, digital in der triathlon-App oder unter spomedis.de/t172.