Was Sie von Topschwimmern lernen sollten

Schwimmen ist komplex und mühsam – aber mit der richtigen Einstellung und Methode lassen sich Fortschritte erzielen. Diese sechs Punkte machen Sie zu einem besseren Schwimmer.

Von > | 14. März 2018 | Aus: TRAINING

Schnelle Schwimmer weisen eine gute Beweglichkeit auf.

Schnelle Schwimmer weisen eine gute Beweglichkeit auf.

Foto >Daniel Eilers / spomedis

Ob es überhaupt möglich ist, die Technik der besten Schwimmer der Welt zu kopieren? Die Antwort lautet: Ja, auf jeden Fall. Die grundlegende Technik der Topschwimmer ist in ihrem Kern die gleiche Technik, die Trainer am Beckenrand auf der ganzen Welt lehren, unabhängig davon, ob es sich um eine Sommerschwimmschule für sechsjährige Nichtschwimmer oder einen Schwimmverein mit Altersklassenschwimmern, bestehend aus Anfängern und erfahrenen Schwimmern, handelt. Die besten Schwimmer der Welt sind unsere idealen Vorbilder, weil sie die technischen Grundlagen ziemlich gut beherrschen. Damit kann man nicht sagen, dass es leicht sein wird, eine perfekte Technik zu erlernen. Beachten Sie diese sechs Punkte – und Sie werden der perfekten Schwimmtechnik näher kommen:

1. Beweglichkeit: Vielleicht haben Sie nicht die Beweglichkeit eines Topschwimmers, insbesondere wenn Sie spät mit dem Schwimmen begonnen haben oder sehr muskulös sind. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie nicht so beweglich sind, sondern trainieren Sie innerhalb Ihrer Möglichkeiten. Natürlich ist eine gute Beweglichkeit von Vorteil, doch können Sie trotzdem eine saubere Technik erlernen. Viele Topschwimmer integrieren Yoga oder Pilates in ihr Training, um Beweglichkeit und Kraft zu verbessern. Bauen Sie solche Kurse auch in Ihr Trainingsprogramm ein oder dehnen Sie sich zu Hause, falls Sie das Gefühl haben, etwas mehr Beweglichkeit könnte helfen, bestimmte Bewegungsabläufe besser zu beherrschen.

2. Einfache vs. komplexe Bewegungsabläufe: Einige Aspekte der Bewegungsabläufe im Wasser werden schwieriger anzueignen sein als andere. Achten Sie zunächst auf einfache technische Feinheiten wie eine gestreckte Rückholphase im Rückenschwimmen anstatt eines gebeugten Arms über Wasser. Kleine Veränderungen lassen sich leichter umsetzen und können schon nach wenigen Wochen abgespeichert werden. Komplexere Abläufe wie die Koordination der Arme, der Beine und des Rumpfes für das perfekte Timing, wie wir es bei den Topschwimmern beobachten konnten, sind hingegen eine andere Geschichte. Hierfür benötigt es mehr Zeit und Geduld. Geben Sie nicht gleich auf, falls die komplexeren Bewegungsabläufe nicht sofort klappen sollten. Bleiben Sie dran, Ihr Einsatz wird sich auszahlen.

3. Längere Zyklusdauer bei technischen Übungen: Bedenken Sie, dass Sie in jeder Lage für einen Zugzyklus 1,0 bis 2,5 Sekunden (1,0 Sekunden bei schnellem Tempo und 2,5 Sekunden bei lockerem Tempo) benötigen. Somit wird jede technische Änderung, die Sie vornehmen möchten, alle 1,0 bis 2,5 Sekunden verstärkt. Überfordern Sie sich nicht, sondern betrachten Sie es als Möglichkeit, alleine, zwei Sekunden am Feinschliff zu arbeiten. Vergessen Sie außerdem nicht, dass technische Übungen dazu da sind, diesen Prozess zu ermöglichen. Viele technische Übungen lassen sich am besten bei einer Zyklusdauer von drei bis vier Sekunden pro Zyklus ausführen, manche auch langsamer, wenn es nötig ist, auf eine korrekte Bewegungsausführung zu achten.

4. Voraussetzungen: Manchmal ist es notwendig, zunächst eine Phase des Zugzyklus zu entwickeln, bevor man sich auf die nächste Phase konzentriert. Es macht durchaus Sinn, zunächst das  Armzugmuster unter Wasser zu erarbeiten. Denken Sie daran, wenn sich irgendetwas in Ihrem Zugverlauf nicht richtig anfühlt. Die eigentliche Ursache kann auch woanders liegen.

5. Ausgangsniveau von Kondition und Kraft: Jeder befindet sich an einem anderen Punkt seiner Schwimmkarriere und hat einen anderen allgemeinen Fitnesszustand. Falls Sie nach jahrelanger Abstinenz wieder zurück ins Becken springen wollen, sollten Sie sich eventuell erst eine Grundlage an Kondition und Kraft erarbeiten, bevor Sie Wunder im Wasser erwarten können. Selbst Olympionike Rowdy Gaines sagt, dass es für die Fähigkeit das Wasser zu halten, entscheidend ist, die Kraft beizubehalten. Er ist 54 Jahre alt und der Meinung, dass er mit ein paar Krafttrainingseinheiten von je 20 Minuten in der Woche eine ähnliche Form aufbauen kann wie zu seinen besten Jahren.

6. Wille und Hingabe: Ob Sie Ihre Technik verbessern werden, hängt auch von Ihrem Willen etwas zu verändern und Ihrer Konzentrationsfähigkeit während des Trainings ab. Seinen Stil technisch zu verändern, benötigt mehr mentale als physische Stärke. Bekommen Topschwimmer wertvolles Feedback von ihrem Trainer, halten sie es fest wie ein Hund, der einen leckeren Knochen nicht mehr hergibt. Sie achten auf die Feinheiten, ohne dass der Trainer sie ständig daran erinnern muss. Zudem wissen sie, dass gute Dinge nicht über Nacht geschehen, sondern sie geduldig sein und auch schwierige Phasen erleiden müssen, um am Ende die Früchte zu ernten. Mentale Stärke – und eine bewusste Denkweise – sind wichtiger als alles andere, um sich im Schwimmen zu verbessern.