Ende gut, alles gut!

Letzten Sonntag hat unser Herausgeber Frank Wechsel hier über sein Sa-Calobra-Desaster gebloggt. Nach einer Woche zieht er ein positives Trainingslager-Fazit.

Von > | 24. März 2019 | Aus: TRAINING

Die letzten von 637 Radkilometern der Mallorca-Woche.

Die letzten von 637 Radkilometern der Mallorca-Woche.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Das Projekt "familienfreundliche Langdistanz" läuft! Eine Woche Trainingslager habe ich mit meiner Familie vereinbart – und nach dieser Woche komme ich gestärkt von Mallorca zurück. Auch wenn das am Anfang nicht unbedingt danach aussah. Doch der Reihe nach ...

Beine im Check

Nach meiner Anreise am Samstag, dem Einchecken im Hotel Zafiro Palace in Alcudia (einer neuen Destination unseres Reisepartners Hannes Hawaii Tours) und der Übernahme des Leihrads blieben mir zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang (und Abendbüfett), um die Beine anzutesten. Beine, die in den vergangenen Monaten viele Trainingseinheiten auf der Rolle absolviert haben (die meisten exakt 60, die längste 120 Minuten lang). Beine, die seit Mitte August 2018 nur ein einziges Mal Sonne und Fahrtwind spüren durften. Und Beine, die mich am 7. Juli ins Ziel der Challenge Roth tragen sollen. 55 Kilometer konnte ich am Ende der Einrolltour einloggen. Und stieg mit Beinen ab, die mehr wollten, weil sie glaubten, mehr zu können.

Eigene Dummheit

Und so saß ich am Sonntagmorgen wieder auf dem Rad, mit einem Ziel, das viele Mallorca-Radreisende kennen: Die Traumstraße Sa Calobra, die ich zuletzt vor einem Jahr gefahren bin. Die Wetterprognose für die kommenden Tage war so mies, dass ich mir diese Strecke gleich am eigentlich ersten Tag geben wollte. Das Desaster, in dem diese Tour endete, ist hinlänglich bekannt und dokumentiert und mit dem Abstand einer Woche auch gut eingeordnet. Ich war schlicht und einfach dehydriert, als ich die zehn Kilometer lange Steigung in Angriff genommen hatte. Eigene Dummheit, die nicht wegzureden ist – aber aus der ich viel gelernt habe.

Selbstcheck Nr. 1, 2 und 3

Am Montag verordnete ich mir einen Radruhetag, ging nur zum Schwimmtraining – meinem ersten in diesem Jahr. Die Schulter, die ich mir bei meiner anderen großen Dummheit zu Beginn dieses Jahres (dem Besteigen einer Aluleiter auf Socken mit wenig elegantem Abgang) lädiert hatte, hielt – mehr wollte ich aus diesen 2.300 Metern gar nicht mitnehmen als dieses gute Gefühl, wieder in der Auftaktdisziplin trainieren zu können. Check Nr. 1.

Meine andere Problemdisziplin war zuletzt das Laufen, wegen einer fiesen Schambeinentzündung sind seit August gerade einmal 110 Kilometer zustande gekommen – damit startete ich den Dienstag, über zehn Kilometer, ebenfalls komplett schmerzfrei. Check Nr. 2! Und dann wagte ich mich wieder aufs Rad – Richtung Randa, flach, aber flott. Keine Spätfolgen mehr vom Sa-Calobra-Desaster spürbar, weder im Puls noch in den Beinen. Check Nr. 3 – das Trainingslager konnte beginnen! Am Abend hielt ich einen Vortrag über die zehn wichtigsten Dinge, die mir aus meiner Teilnahme am Ironman Hamburg 2017 in Erinnerung geblieben sind. Für den Rest der Woche war ich dann "der mit den Gummibärchen".

Kuchen in und Regen auf der Nase

Am Mittwoch rollte ich durchs Flachland mit dem Wind im Rücken nach Südwesten, wieder bis nach Randa. Am Fuß des Klosterbergs roch ich den Apfelkuchen aus der Klosterküche – und folgte meiner Nase, fünf Kilometer bergauf, meine erste wirkliche Steigung seit Sa Calobra. Als ich diese Nase wieder aus der Klostertür streckte, wurde sie schnell nass. Der Berg war plötzlich in dicke Wolken gehüllt, die Rückfahrt eine der wohl nassesten Touren meines Lebens. Trotzdem war es irgendwie ein schönes Gefühl, zu wissen, auf einem guten Weg zu sein – nach allen Zweifeln, die sich drei Tage vorher aufgetan hatten. 

Am Donnerstag sollte ein weiterer Klassiker folgen: Ich machte mich auf die Straße zum Cap Formentor, für unseren Chefredakteur Nils die schönste der ganzen Radfahrwelt (und der muss es wissen!) – und ich genoss jede Kurve. 60 entspannte Kilometer, gefolgt von einer halbstündigen Schwimmeinheit. Devise: Körner sparen für die Königsetappe. 

Die Königsetappe: Küstenklassiker inkl. Anrollen

Seit vielen Jahren reden auf Mallorca alle über den Küstenklassiker. Mich hatte es noch nie in den äußersten Nordwesten der Insel verschlagen, doch nun folgten vier weitere Trainingslagergäste meiner Idee, auf den Transfer nach Andratx zu verzichten und die Strecke komplett zu fahren. Keiner von uns hat es bereut. Am besten schaut ihr euch die Tour in unserem YouTube-Film an.

Fazit: Ich bin wieder Triathlet!

28 Stunden und 17 Minuten verzeichnet mein Trainingstagebuch am Ende einer großartigen Woche an einer tollen Location mit vielen interessanten Menschen. Dieses Camp war ein besonderes in unserer langjährigen Partnerschaft mit Hannes Hawaii Tours, denn es war das erste in Zusammenarbeit mit Ironman. Und dementsprechend hoch war das Niveau der Leistungen und der Diskussionen am Essenstisch. Mit den Umfängen von 3,6 Kilometern Schwimmen, 637 auf dem Rad und nur zehn beim Laufen kann man in der Triathlonwelt nicht glänzen, aber immerhin sind die 28 Stunden und 12 Minuten Training innerhalb von sieben Tagen ein Reiz, nach dem ich mich ihr wieder zugehörig fühle. Ich bin wieder dabei – und mittendrin im Projekt "familienfreundliche Langdistanz". Ob mir dieses Projekt gelingt? Davon werde ich in den kommenden Wochen und Monaten regelmäßiger berichten ...