Tipps für Triathletinnen

Wenke Kujala und Nicole Leder haben ein Buch für Triathletinnen verfasst, in dem sie sich speziellen Frauenthemen widmen. Wir präsentieren einen Auszug.

Von > | 2. Mai 2018 | Aus: TRAINING

Die derzeit erfolgreichste Triathletin: Daniela Ryf.

Die derzeit erfolgreichste Triathletin: Daniela Ryf.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Wir Frauen haben natürlich einen anderen Körperbau und eine andere Physiologie als Männer. Nicht nur ein kleineres Herz, eine kleinere Lunge und weniger Blut, sondern auch sehr viel weniger von dem körpereigenen männlichen Sexualhormon Testosteron, das den Aufbau von Muskelgewebe und Muskelmasse beeinflusst. Männer haben zwischen 10- und 20-mal mehr Testosteron in ihrem Körper als Frauen. Zudem enthalten weibliche Muskeln weniger Mitochondrien, jene „Kraftwerke“, die die Zellen mit Energie versorgen. Deshalb sind Frauen in Sportarten, in denen es nur auf Kraft- und Schnellkraftwerte ankommt, dem „starken Geschlecht“ auch so hoffnungslos unterlegen. In den Wurf- und Sprungdisziplinen der Leichtathletik liegen die Leistungen von Frauen 15 Prozent (Dreisprung) oder sogar mehr als 20 Prozent (Stabhochsprung) unter denen von Männern. Im Ausdauerbereich sind die Unterschiede weniger gravierend. Beim Marathon liegen die Frauen knapp 8,8 Prozent unter der Weltrekordzeit der Männer, beim 100-Kilometer-Lauf nur noch 5,2 Prozent.

Vorurteile – von Frauen entkräftet

„Sport während der Regel ist nicht gesund.“

„Bei Frauen, die Sport treiben, während sie stillen, wird die Milch sauer.“

„Ausdauersport beeinträchtigt die Empfängnis.“

Solche und ähnliche Vorbehalte sind uns schon oft begegnet – sei es in Internetforen oder sogar im direkten Gespräch. Wenn ihr auch verunsichert seid, was die Häufigkeit oder die Intensität eures Trainings angeht, oder wenn ihr wissen wollt, was ihr während der Schwangerschaft und nach der Geburt beachten müsst, solltet ihr das Interview mit Dr. Susanne Weber lesen (Seite 54–59). Die Frauenärztin aus Heidelberg ist aktive Triathletin und sagt: „Sport hat einen positiven Einfluss auf fast alles.“ Dem können wir uns nur anschlie- ßen. Ein paar sehr persönliche Einblicke sollen das belegen.

Sport während der Menstruation

Wir wissen beide, dass Sport das Prämenstruelle Syndrom lindern kann und auch während der Regel eigentlich gut tut. Aber hier gilt: Jede Frau muss selbst einschätzen, wie stark ihre Beschwerden sind, und das Training entsprechend dosieren oder den Körper auch mal schonen. Ist die Menstruation sehr stark, solltet ihr den Eisenverlust einkalkulieren, denn nicht nur über das Blut scheidet der Körper Eisen aus, sondern auch mit dem Schweiß. Ernährt ihr euch dann auch noch fleischarm oder seid gar Vegetarierinnen, ist eventuell eine Substitution anzuraten. Mit einem Bluttest beim Arzt bekommt ihr schnell Klarheit über euren Eisenhaushalt. Eisentabletten solltet ihr jedoch nie ohne vorherige Blutuntersuchung konsumieren, da dies eure Gesundheit gefährden könnte.

Wenke: Ich habe während der ersten ein, zwei Tage meiner Periode immer unter starken Beschwerden gelitten, da stand mir der Sinn nicht so sehr nach Bewegung. Habe ich mich aber doch zu einer wirklich lockeren und kurzen Einheit aufgerafft, ging es mir danach meistens etwas besser.

Nicole: Ich habe in den Tagen vor der Periode mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Hier helfen mir immer ruhige Trainingseinheiten. Meistens löst sich die Verspannung, und ich fühle mich nach dem Sport deutlich wohler.

Kinderwunsch und Ausdauersport

Wir wissen nicht warum, aber das Vorurteil, dass Ausdauersportlerinnen nicht oder nur schwer schwanger werden können, ist immer noch nicht ausgeräumt. Unser Beispiel beweist genau das Gegenteil. Wir sind beide aus dem vollen Training heraus schwanger geworden – und vielen Kolleginnen ging es ganz genau so. Ein prominentes Beispiel ist Nicola Spirig. Die Schweizerin wurde Anfang August 2012 in London Triathlonolympiasiegerin, Ostern 2013 brachte sie einen Jungen zur Welt.

Nicole: Als ich Ende 1997 mit meiner Tochter schwanger wurde, steckte ich mitten in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften. Ich habe zu der Zeit 30 bis 35 Stunden pro Woche sehr intensiv trainiert. Meine Periode war durch den Sport unregelmäßig, deshalb dachte ich, als es mit der Morgenübelkeit anfing, zunächst eher an einen Magen-Darm-Infekt als an eine Schwangerschaft.

Wenke: Ich war 2012 am Ende einer langen Saison, als ich mit meiner zweiten Tochter völlig überraschend schwanger wurde. Glauben konnte ich das anfangs nicht, zumal sich der Eisprung völlig verschoben hatte. Der Beweis hat dann aber im Mai 2013 gesund und munter das Licht der Welt erblickt.

Training und Schwangerschaft

Wir wissen es aus vielen Gesprächen mit anderen Frauen und haben es ja auch selbst erlebt: Sport macht eine Schwangerschaft gesünder und angenehmer. Aktive Frauen leiden weniger häufig an schwangerschaftstypischen Beschwerden, sie sind emotional ausgeglichener, haben leichtere Geburten und erholen sich schneller vom Wochenbett.

Nicole: Meine Schwangerschaft und die Geburt waren unkompliziert. Ich habe erst in der siebten Woche gemerkt, dass ich schwanger bin. Danach habe ich das Training reduziert und vor allem die Intensität komplett herausgenommen. Ab der zwölften Woche habe ich alle drei Disziplinen erst einmal nach Lust und Laune trainiert. Dabei habe ich aber sehr auf die Signale geachtet, die mein Körper sendete. Ab dem sechsten Monat hatte ich kein gutes „Bauchgefühl“ mehr nach dem Laufen und habe es aus meinem Trainingsplan gestrichen. Anstelle von hartem Radtraining bin ich auf das Mountainbike gestiegen und gemütlich durch den Wald geradelt. Oder ich habe meinen Mann bei seinem Training begleitet und unterstützt. Das Schwimmen hat mir bis zum Ende der Schwangerschaft gutgetan. Ich habe bis drei Tage vor der Geburt noch am normalen Trainingsbetrieb teilgenommen. Die Geburt unserer Tochter Mia hat fünf Stunden gedauert. Natürlich war auch ich an meiner Schmerzgrenze, aber ich fühlte mich auch schnell wieder fit und munter.

Wenke: Bei meiner ersten Schwangerschaft habe ich die ersten Wochen das Training wirklich sehr zurückgeschraubt. Ich war unsicher, sehr müde und litt häufig unter Übelkeit. Als diese Phase vorbei war, bin ich wieder zu einem relativ normalen Ausdauertraining im Grundlagenbereich (siehe Seite 87–91) übergegangen, habe dabei aber immer auf meinen Körper gehört. Ich war in dieser Zeit sehr ausgeglichen und litt nur unter Stimmungsschwankungen, wenn ich mal keinen Sport machen konnte. Gelaufen bin ich bis drei Wochen vor der Entbindung, beim Radfahren habe ich mich hingegen schon im siebten Monat nicht mehr wohlgefühlt und es dann auch gelassen. Geschwommen bin ich dafür bis einen Tag vor der Geburt. Josephine und ich haben zwölf Sunden gebraucht, bis sie auf der Welt war. Ich fühlte mich trotz der Belastung so fit, dass ich danach am liebsten direkt nach Hause gegangen wäre. Bei der zweiten Schwangerschaft wusste ich anfangs nichts von dem kleinen Wesen, das in mir wächst, und trieb ganz normal weiter meinen Sport. Dann litt ich aber unter so starker Übelkeit, dass ich für mehrere Wochen kaum in der Lage war, mich sportlich zu betätigen. Ab Mitte der Schwangerschaft habe ich dann wieder regelmäßig Sport gemacht, allerdings längst nicht die Umfänge wie vor der Geburt meiner ersten Tochter.