Schneller kraulen im Freiwasser

Atmung, Beinschlag, Orientierung – die besonderen Herausforderungen des Freiwassers erfordern eine Anpassung der Kraultechnik.

Von > | 12. Juni 2018 | Aus: TRAINING

Orientierung ist im Freiwasser wichtig, um nicht mehr Meter als nötig zu absolvieren.

Orientierung ist im Freiwasser wichtig, um nicht mehr Meter als nötig zu absolvieren.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Tipps fürs Freiwasser

Seit Captain Matthew Webb als erster Mensch 1875 den Ärmelkanal schwimmend (im Bruststil) überquerte, haben sich die Freiwasser-Schwimmtechniken dramatisch geändert. An die Stelle des langsamen und gleichmäßigen Brustarmzugs, wie er im 19. Jahrhundert üblich war, ist der heute von modernen Freiwasserschwimmern und Triathleten bevorzugte Kraularmzug getreten. Die auch als Freistil bezeichnete Technik wurde zuerst von Schwimmern auf den Solomon-Inseln angewandt und später von den findigen Australiern übernommen, die sie als effizientere Technik im Rest der Welt populär machten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Freistil die Technik der Wahl unter den Freiwasserenthusiasten und von jeder der folgenden Generationen von Schwimmern mit dem doppelten Ziel der Energieersparnis und höherer Geschwindigkeit kontinuierlich verfeinert.

Mehr Speed

Die stetige Weiterentwicklung der Trainingswissenschaft und -methoden und das Imitieren der schnellsten Schwimmer der Welt hat zu einer immer weiteren Beschleunigung der Schwimmgeschwindigkeit des Durchschnittsathleten geführt. Große Trainingsumfänge, immer schwierigeres Intervalltraining, Tapering und Training an der Laktatschwelle sind nur einige wenige Konzepte, die sich weltweit verbreitet haben. Genau wie an Land ist das Nachahmen auch im Wasser das am ernstesten gemeinte Kompliment. Als ein Olympiasieger in den 60ern mit einem s-förmigen Armzug schwamm, hatten andere Freistilschwimmer nichts Besseres zu tun, als es ihm gleichzutun. Als ein Weltrekordhalter sich die Beine rasierte und infolgedessen schnellere Zeiten erreichte, taten die anderen Athleten das Gleiche. Als ein Ärmelkanal-Rekordhalter häufigere, wenn auch kurze, Verpflegungspausen in seine Schwimmstrecke einbaute, änderte dies auch die Denkschule anderer Marathonschwimmer.

Es gibt jedoch keine Schnittmenge unter den Athleten: Kein Schwimmer machte in beiden Disziplinen Furore. Nur ein einziger Weltrekordhalter über 1.500 Meter Freistil, der Amerikaner John Kinsella, durchschwamm auch den Ärmelkanal, konnte jedoch keine Rekordzeit setzen. Keiner der Ärmelkanal-Rekordhalter schafft es auch nur die Qualifikation für die olympischen 1.500-Meter-Finals. Lediglich der aktuelle Ärmelkanal-Rekordhalter Petar Stoychev startete dreimal bei Olympischen Spielen über 1.500 Meter Freistil für sein Heimatland Bulgarien. Somit offenbarten die ähnlichen Verbesserungsraten von Schwimmern aus zwei völlig unterschiedlichen Athletengruppen in zwei verschiedenen Freistildisziplinen über einen Zeitraum von 100 Jahren, wie schnell Schwimmer sich jede nachweisbare Verbesserung in punkto Schnelligkeit und Effizienz zu eigen machen  – unabhängig von ihrer Herkunft und Nationalität und ebenso unabhängig von Veranstaltungsort oder Epoche.