Smart trainieren auf dem Laufband

Die Online-Trainingsplattform „ZWIFT“ ist bei vielen Athleten längst Bestandteil des Radtrainings. Nun gibt sie auch beim Thema Laufen richtig Gas. Wir stellen das Tool für virtuelle Einheiten vor.

Von > | 17. Juli 2019 | Aus: Indoortraining für Triathleten

Bei Zwift laufen Sie gemeinsam mit anderen Sportlern durch virtuelle Welten, wie hier durch New York City.

Bei Zwift laufen Sie gemeinsam mit anderen Sportlern durch virtuelle Welten, wie hier durch New York City.

Foto >zwift.com

Haben Sie schon mal auf der Insel Watopia trainiert? Wenn Sie sich jetzt fragen, wo das sein soll, sind wahrscheinlich noch kein „Zwifter“. Vielleicht ist Ihnen der Begriff aber auch schon geläufig, denn die Zwift ist aus dem Indoor-Radtraining kaum noch wegzudenken. Besonders an Schlechtwetter-Tagen oder natürlich an Schlechtwettertagen wird man bei Durchscrollen des Strava-Feeds oft stutzig und wundert sich, wo die Sportler ihre Runden drehen. Neben Watopia kann das Training auch in London, Richmond, Innsbruck, Bologna oder New York durchgeführt werden. Doch nochmal von vorn.

Was ist Zwift überhaupt?

Nach der Geburt seines ersten Kindes stand Zwift-Gründer Jon Mayfield vor der Herausforderung, sein Training trotz Nachwuchs fortführen zu können. Aus Zeitgründen kam schließlich nur noch Indoor-Training infrage. Um sich während des Trainings bei Laune zu halten, entwickelte Mayfield ein Computerspiel – Zwift war geboren. Die Trainingsplattform wurde stetig weiterentwickelt, sodass man sich seit Ende 2015 einen Account erstellen und auf dem Rollentrainer virtuelle Routen entdecken kann. Bislang gibt es mehr als eine Million „Zwifter“. Seit Februar 2018 kann man Zwift nicht nur zum Radfahren, sondern auch zum Laufen nutzen.

Wie funktioniert das?

Jeder, der sich bei Zwift registriert, kann automatisch und ohne zusätzliche Kosten auch auf Zwift Running zugreifen. Die reguläre Mitgliedschaft kostet 14,99 Euro pro Monat. Um ein Lauftraining über die Plattform steuern und durchführen zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten. In jedem Fall benötigen Sie ein elektronisches Gerät wie ein Smartphone oder Tablet, einen Laptop oder Computer. Zwift funktioniert sowohl auf Windows-, als auch iOS- oder Android-Geräten. Wenn Ihnen ein mit Bluetooth ausgestattetes Laufband zur Verfügung steht, können Sie dieses mit Zwift und dem Gerät Ihrer Wahl koppeln. Anderenfalls können Sie einen sogenannten Foot-Pod nutzen. Auch dieser kann via Bluetooth gekoppelt werden und hat den Vorteil, dass Sie noch unabhängiger trainieren können. Der Foot-Pod ist für 29,99 Euro im Zwift-Shop erhältlich. Zwift Running kann vielseitig genutzt werden. Sie können einfach nach Lust und Laune durch eine der sechs virtuellen Welten laufen, vorinstallierte Trainingseinheiten absolvieren, an organisierten Events teilnehmen oder gemeinsam mit anderen Zwiftern auf die Strecke gehen. Diese sehen Sie, wie sich selbst auch, als personalisierte Avatars auf dem Bildschirm. Hinter jedem Avatar steckt ein echter Mensch, der gleichzeitig mit Ihnen trainiert. Über eine Chatfunktion können Sie miteinander interagieren.

Für wen ist Zwift geeignet?

Das Ziel von Zwift ist es, Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren und ihnen beim Erreichen der persönlichen Ziele zu helfen. Hierbei ist es egal, wie ambitioniert die Ziele aussehen. Top-Stars der Szene, wie Lionel Sanders oder Jan Frodeno, beweisen es. Auch sie nutzen Zwift, um die geplante Einheit ohne störende Einflüsse durchführen zu können. „Bislang habe ich Zwift nur auf dem Rad genutzt. Aber das Laufband ist mittlerweile auch aufgebaut und bereit für das Training“, erzählte uns Frodeno kürzlich in einem Interview.

Natürlich können Sie auch lockere Dauerläufe bei Zwift absolvieren, wenn ausgerechnet im Trainingszeitfenster ein Gewitter im Anmarsch ist. Doch nicht nur bei schlechtem Wetter, sondern auch für anstehende Wettkämpfe in großer Hitze können Sie sich Zwift zunutze machen. Lionel Sanders absolviert einen Großteil seines Trainings auf dem Laufband. Jan Frodeno wird in diesem Jahr bereits fünf Wochen vor der Weltmeisterschaft nach Hawaii reisen und unter Rennbedingungen trainieren können. Wer diese Möglichkeit nicht hat, bekommt von ihm einen Tipp: „Wer schon mal ohne Ventilator auf der Rolle oder dem Laufband in einem geschlossenen Raum trainiert hat, weiß, dass man auch so tropische Bedingungen simulieren kann.“

Besonders effizient ist das Tool bei Intervallen. Gerade in Großstädten kann es vorkommen, dass die Belastungen auf Ihrer gewohnten Strecke nicht so durchführbar sind, wie geplant. Passanten, Ampeln oder andere äußere Einflüsse können das Training jäh unterbrechen. Nicht so bei Zwift Running – Sie können ein bereits vorinstalliertes Workout auswählen oder ein eigenes Programm hochladen. Die Kopplung funktioniert beispielsweise über Trainingpeaks. Auch vollständige Trainingspläne, beispielsweise für einen Halbmarathon, sind bei Zwift verfügbar.

Intervalle können in der Regel auch manuell bei jedem Laufband eingestellt werden. Bei Zwift sind Sie jedoch, zumindest virtuell, in Gesellschaft und können sich durch die Gruppe mitreißen lassen – geteiltes Leid ist halbes Leid. Während jeder Trainingseinheit, egal ob beim Laufen oder auf dem Rad, werden Ihnen auf der Strecke andere User begegnen, die gerade ihr eigenes Programm abspulen. Sie können jedoch auch an sogenannten „Social Runs“ teilnehmen, bei denen das Gemeinschaftsgefühl noch stärker ausgeprägt ist. Im Bereich „Events“ auf der Zwift-Homepage können Sie aus zahlreichen Veranstaltungen wählen. Diese beginnen zu einer festgelegten Uhrzeit. Wie bei einem Wettkampf treten Sie gegen andere User an oder laufen gemeinsam in einer Gruppe. Dabei kann es schon mal passieren, dass Ihnen Profis über den Weg laufen. Jeder Avatar ist mit dem Namen des jeweiligen Athleten versehen. Wer nicht erkannt werden will, kann alternativ ein Synonym verwenden. Den Avatar können Sie individuell gestalten, sodass er wie Sie selbst aussieht – oder nicht. Je häufiger Sie Zwift Running benutzen, desto mehr Punkte können Sie sammeln. Wie bei einem Computerspiel, was Zwift letztendlich auch ist, können Level freigeschaltet werden. Mit jedem Level erhalten Sie neue Kleidung oder Ausrüstung für Ihren Avatar. Auch für die erfolgreiche Teilnahme an Zwift-Challenges können Belohnungen gesammelt werden.

Fazit

Zwift Running kann Ihr Lauftraining sinnvoll ergänzen. Besonders bei strukturierten Intervalleinheiten sorgt die Plattform dafür, dass das Training exakt nach Plan durchgeführt wird. Äußere Einflüsse, die das Workout stören oder unterbrechen können, gibt es nicht, zudem trainieren Sie völlig unabhängig vom Trainingsstandort oder der Tageszeit. Zwift ist keinesfalls nur für die dunkle Jahreszeit geeignet.  Der Kreislauf wird auch bei Hitze stark belastet, sodass bei heißen Außentemperaturen das Training in ein klimatisiertes Fitnessstudio verlegt werden kann. Probieren Sie es doch einfach mal aus.