Laura Philipp dominiert den Ironman Kalmar, pulverisiert den Streckenrekord und krönt deutsche Festspiele mit drei weiteren Kona-Tickets für Deutschland.
Getty Images for IRONMAN Laura Philipp gestaltet ein einsames Rennen an der Spitze und gewinnt mit mehr als 18 Minuten Vorsprung.
Deutsche Festspiele beim Ironman Kalmar: Nach dem Rekordrennen von Jonas Schomburg lässt auch Laura Philipp bei den Frauen der Konkurrenz keine Chance. Die Deutsche gewinnt in 8:13:37 Stunden mit fast 19 Minuten Vorsprung und stellt einen neuen Streckenrekord auf. Dahinter wird der Renntag endgültig zur deutschen Erfolgsgeschichte: Jenny Jendryschik, Leonie Konczalla und Antonia Milowsky sichern sich die drei noch verfügbaren Tickets für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
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Laura Philipp übernimmt früh die Kontrolle
Schon nach dem Schwimmen befand sich Philipp in einer ausgezeichneten Ausgangsposition. An der Spitze war es die US-Amerikanerin Rachel Zilinskas, die einsam an der Spitze das Tempo anschlug und mit drei Minuten vor Philipp und einer sechs Athletinnen starken Gruppe aus dem Wasser kam. In dieser befanden sich mit Johanna Ahrens, Antonia Milowsky und Jenny Jendryschik gleich drei weitere deutsche Athletinnen. Für Milowsky war die fünftschnellste Schwimmzeit des Tages die Grundlage für ein Rennen, das später noch ganz besondere Bedeutung bekommen sollte. Philipp dagegen benötigte keine lange Anlaufzeit und hatte nach 40 Kilometern schon die bis dahin Führende Zilinskas überholt und drückte dem Rennen ihren Stempel auf. Auf dem Rad begann sie, sich von der Konkurrenz abzusetzen, und spätestens im weiteren Verlauf der 180 Kilometer wurde deutlich, dass die Entscheidung um den Sieg an diesem Tag nur über die Deutsche führen würde.
Auch Katrine Græsbøll Christensen konnte das Tempo der Deutschen nicht mitgehen. Die Dänin hatte Kalmar 2025 in 8:27:49 Stunden gewonnen und dabei den damaligen Streckenrekord aufgestellt. Noch im Juni war sie beim Ironman Hamburg als Dritte vor allem auf dem Rad und beim Laufen Teil eines hochklassigen Rennens gewesen. Dort hatte Philipp wiederum mit einem starken Marathon Rang zwei belegt. In Kalmar waren die Kräfteverhältnisse diesmal deutlicher: Sowohl auf dem Rad als auch auf der Laufstrecke konnte sich Philipp von der Vorjahressiegerin absetzen.
Die Deutsche ließ dabei keine Schwäche erkennen. Aus einem kontrollierten Vorsprung wurde im Laufe des Rennens eine komfortable Führung, und auch auf dem abschließenden Marathon gab es keinen Einbruch. Philipp konnte ihr Tempo kontrollieren, während hinter ihr längst ein ganz anderes Rennen begonnen hatte, eines um die begehrten Startplätze für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
Christensen sichert Rang zwei, Hering läuft aufs Podium
Katrine Græsbøll Christensen erwischte zwar nicht den außergewöhnlichen Tag ihres Vorjahressieges, zeigte aber erneut, wie konstant sie inzwischen auf der Langdistanz unterwegs ist. Die Dänin brachte ihren zweiten Platz souverän ins Ziel und bewies damit erneut ihre Stärke auf der vollen Distanz. Nach 8:32:20 Stunden überquerte sie die Ziellinie und lag damit 18:43 Minuten hinter der überragenden Siegerin.
Dahinter entwickelte sich der Kampf um Rang drei deutlich spannender. Lange durfte auch Jenny Jendryschik vom Podium träumen. Die Deutsche arbeitete sich mit einem starken Rennen immer weiter nach vorn und befand sich während des Marathons zeitweise auf Kurs Richtung Top drei. Doch Jackie Hering hatte auf der zweiten Hälfte der Laufstrecke noch die größeren Reserven. Die erfahrene US-Amerikanerin schloss die Lücke zu Jendryschik und zog gegen Ende der zweiten Laufrunde vorbei. Hering gab Rang drei anschließend nicht mehr aus der Hand und erreichte das Ziel 21:16 Minuten hinter Philipp.
Drei Kona-Tickets gehen nach Deutschland
Für das deutsche Team begann hinter dem Podium jedoch die vielleicht bemerkenswerteste Geschichte des Frauenrennens. Alle drei noch verfügbaren Qualifikationsplätze für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gingen an deutsche Athletinnen. Jenny Jendryschik brachte nach ihrem starken Marathon Rang vier ins Ziel, Leonie Konczalla folgte auf Platz fünf und Antonia Milowsky sicherte sich mit Rang sieben das letzte der begehrten Tickets.
Vor allem Jendryschik bestätigte damit ihre Entwicklung der vergangenen Jahre. Die 28-Jährige hatte bereits 2025 beim Ironman Hamburg mit Rang sieben und 8:45:01 Stunden überzeugt und anschließend bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii Erfahrungen auf höchstem Niveau gesammelt und den 17. Platz belegt. In Kalmar befand sie sich nun lange sogar auf Podiumskurs. Erst Hering konnte sie im letzten Drittel des Marathons noch abfangen. Am Ende überwog dennoch der Erfolg: Rang vier und das Ticket zurück nach Kona.
Auch Leonie Konczalla darf erneut nach Hawaii. Die Hamburgerin hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass ihr gerade lange und gleichmäßige Rennen liegen. 2025 wurde sie beim Ironman Hamburg Fünfte und anschließend bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii starke Neunte. Mit Platz fünf in Kalmar bestätigte sie nun erneut ihre Qualität über die volle Distanz und sicherte sich einen der umkämpften WM-Startplätze. Damit ist Konczalla ein beeindruckendes Comeback nach langer Krankheitsgeschichte geglückt.
Antonia Milowsky belohnt sich mit dem letzten Hawaii-Ticket
Eine der schönsten Geschichten des Tages schrieb Antonia Milowsky. Bereits beim Schwimmen legte die Deutsche mit der fünftschnellsten Zeit des Feldes die Grundlage für ihr Rennen und wechselte gemeinsam mit Laura Philipp in aussichtsreicher Position auf das Rad. Dort hielt sie sich mit einer soliden und kontrollierten Fahrt in den Top Ten und vermied es, früh zu viele Körner zu investieren. Auf der Laufstrecke ging es anschließend nicht mehr um die Spitzenplätze, wohl aber um ein Ziel, das für ihre Saison kaum größer hätte sein können.
Mit Rang sieben sicherte sich Milowsky schließlich den letzten verfügbaren Kona-Slot und komplettierte damit das deutsche Qualifikations-Triple. Im April war Milowsky beim Ironman Südafrika Elfte geworden, ehe im Juni ein weiterer Start beim Ironman Hamburg folgte. In Kalmar passten die einzelnen Puzzleteile nun zusammen und bringt ihr die erste WM-Teilnahme als Profi-Athletinn.
Damit wurde aus einem ohnehin erfolgreichen Tag ein deutsches Triathlon-Festival. Laura Philipp gewann das Frauenrennen, Jonas Schomburg triumphierte bei den Männern, und mit Jendryschik, Konczalla und Milowsky lösten gleich drei weitere deutsche Athletinnen ihr Ticket für Hawaii.
Deutsche Machtdemonstration vor Hawaii
Der Ironman Kalmar 2026 dürfte aus deutscher Sicht als einer der erfolgreichsten Renntage der jüngeren Vergangenheit in Erinnerung bleiben. Jonas Schomburg gewinnt bei den Männern mit deutschem Rekord, Laura Philipp dominiert bei den Frauen mit Streckenrekord und drei weitere deutsche Athletinnen sichern sich ihre Tickets für Kona.
Für Philipp bleibt vor allem eine Erkenntnis: Der Weg nach Hawaii stimmt. 18:43 Minuten Vorsprung, 8:13:37 Stunden und ein pulverisierter Streckenrekord sind eine mehr als deutliche Ansage an die Konkurrenz. Kalmar war für die Deutsche kein Rennen auf Messers Schneide, sondern eine Machtdemonstration und damit möglicherweise genau das Rennen, das sie zu diesem Zeitpunkt der Saison gebraucht hat.
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Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.
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