Vier Minuten Vorsprung, der Sieg zum Greifen nah – dann stand plötzlich ein Rettungswagen auf seiner Fahrbahn. In der neuen Folge von „Carbon & Laktat“ spricht Mika Noodt erstmals ausführlich über seinen schweren Unfall beim Ironman 70.3 Swansea, über Panikträume, kleine Schritte zurück aufs Rad – und über ein Comeback, das näher rückt.
Es ist ein Gespräch, das unter die Haut geht. Frank Wechsel und Bengt Lüdke begrüßen in der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Carbon & Laktat“ einen Gast, dessen Saison am 12. Juli von einer Sekunde auf die andere endete: Mika Noodt. Der Profi aus Darmstadt lag beim Ironman 70.3 im walisischen Swansea mit rund vier Minuten Vorsprung in Führung, die Weichen standen auf Sieg – bis er etwa zehn Kilometer vor der zweiten Wechselzone in einer unübersichtlichen Passage auf einen Rettungswagen traf, der auf seiner Fahrspur unterwegs war. Mit einer Reaktion im letzten Moment verhinderte Noodt den Frontalzusammenstoß und prallte seitlich in das Fahrzeug – bei einem Tempo, das bei etwa 70 Kilometern pro Stunde gelegen haben dürfte.
„Zum Glück lebe ich einfach noch“
Im Podcast erinnert sich Mika Noodt genau an den Moment nach dem Aufprall: Für wenige Sekunden habe er noch ans Weiterfahren gedacht und nach seinem Rad gesucht – dann sei ihm nur noch ein Gedanke geblieben: zum Glück lebe er einfach noch. Eine Kopfverletzung blieb ihm erspart, hartnäckige Muskelverletzungen und ein kaputtes Rad waren die unmittelbare Bilanz. Die schwerere Last war unsichtbar: Weil Mika Noodt sich an alles erinnern kann, hatte er die Bilder des Crashs immer wieder vor Augen.
Wie sehr ihn der Unfall verfolgt hat, macht eine Schilderung aus den ersten Wochen deutlich: Zunächst konnte er kaum einschlafen, dann kamen Panikträume – nicht etwa von der Rennsituation, sondern völlig zufällige Sturzszenen, aus denen er alle 20 bis 25 Minuten hochschreckte. Schon am dritten Tag nach dem Unfall nahm er deshalb psychologische Unterstützung in Anspruch, die ihm sein Sponsor Red Bull im Rahmen der Reha ermöglichte. Es sei zunächst darum gegangen, die Angstmomente einzuordnen und sich in der Situation selbst beruhigen zu können.
Schritt für Schritt zurück aufs Rad
Beachtlich ist, wie strukturiert der Profi den Weg zurück angegangen ist – fast wie einen Trainingsaufbau nach einer Laufverletzung, nur eben mental. Die ersten Ausfahrten absolvierte er mit dem Mountainbike im Wald, später folgten Feldwege auf dem Zeitfahrrad – mit dem Vater, der im Auto hinter ihm herfuhr. Ein Gravelrad mit montiertem Auflieger diente als Zwischenschritt, um sich an die Aeroposition heranzutasten. Dass der Weg nicht linear verläuft, erlebte Mika Noodt in Österreich: Auf einer stark befahrenen Talstraße wurde ihm so unwohl, dass er anhalten musste – ein Rückschritt, der tief saß.
Heute fühlen sich Schwimmen und Laufen wieder normal an, im Schwimmen sieht er sich sogar verbessert. Nur auf dem Zeitfahrrad, bei viel Verkehr und lauten Geräuschen, spürt er gelegentlich noch starkes Unwohlsein – Momente, die seltener und schwächer werden. Ganze schlechte Tage gebe es nicht mehr, nur noch kurze Phasen.
Offene Fragen und ein Appell an alle Agegrouper
Warum der Rettungswagen auf seiner Fahrbahn unterwegs war, weiß Mika Noodt bis heute nicht. Für ihn ist klar: Um mit dem Unfall abschließen zu können, muss er die Ursache kennen – und er fordert, dass der Vorfall sauber aufgearbeitet wird, auch im Sinne anderer Athletinnen und Athleten. Absolute Sicherheit auf Rennstrecken werde es nie geben, entscheidend seien gute und konsequent geprüfte Sicherheitskonzepte. Dass ein Einsatzfahrzeug auf der falschen Fahrbahn in eine unübersichtliche Kurve fährt, müsse allerdings vermeidbar sein.
Aus dem Gespräch nimmt man zudem zwei sehr konkrete Botschaften mit: Wer mit dem Sport nicht sein Geld verdient, sollte in kritischen Passagen lieber einmal mehr bremsen und nicht mit gesenktem Kopf fahren. Und: Mika Noodt appelliert an alle, die eigene Absicherung zu überprüfen – er glaubt nicht, dass alle Profis und Agegrouper für einen solchen Fall vernünftig versichert sind. Entgangenes Preisgeld ersetze einem niemand, Reha und Material könnten schnell teuer werden.
Comeback-Pläne: 2026 vielleicht, 2027 richtig
Sportlich blickt Mika Noodt vorsichtig optimistisch nach vorn. Von der Form her sieht er sich auf einem sehr guten Weg, in einigen Bereichen sogar stärker als vor dem Unfall – nun warte er auf die Ergebnisse weiterer medizinischer Untersuchungen, Ende Oktober soll es mehr Gewissheit geben. Ein Renneinsatz noch in diesem Jahr ist realistisch, infrage kämen etwa Ironman-70.3-Rennen in den USA oder Südamerika. Die T100-Rennen in Saudi-Arabien und Katar beobachtet er auch mit Blick auf die politische Lage zurückhaltend. Der volle Angriff folgt dann 2027 – mit Fokus auf die Ironman Pro Series und einem frühen Einstieg in die Saison, denn die unfreiwillige Pause war lang genug.
Außerdem in der Folge
Vor dem Gespräch mit Noodt blicken Frank Wechsel und Bengt Lüdke auf die Aufräumarbeiten nach dem Ironman Hawaii: auf den neuen Newsticker von tri-mag.de mit inzwischen dreimal täglichen Audio-Nachrichtenupdates, auf die neue Ausgabe der triathlon special zum Ironman Hawaii mit zwei Covern und auf das TEAM GERMANY KONA26, das 2027 in die nächste Runde geht – qualifizierte Athletinnen und Athleten können sich bereits unter tri-mag.de/kona27 melden. Außerdem verrät Frank vor seinem Start beim Ironman Oman am 5. Dezember seine Trainingsbilanz des Jahres – inklusive erstaunlich schlanker 400 Laufkilometer – und Bengt erklärt, warum der Hamburg-Halbmarathon am Sonntag für ihn eine Generalprobe ist.
Das komplette Gespräch mit Mika Noodt und alle News gibt es in der aktuellen Folge: Carbon & Laktat, der Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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