Deutschland träumt von den Olympischen Spielen. Oder doch nicht? Hamburg lehnt ab, Berlin zieht offenbar zurück. Mit München und KölnRheinRuhr kämpfen noch zwei deutsche Bewerber um die Ausrichtung des größten Sportevents der Welt. Die Diskussion ist kontrovers. Was macht Olympia so besonders, was kostet es wirklich – und was bedeutet ein Heimspiel für den Triathlon? Am 26. September fällt die Entscheidung, wer für Deutschland international ins Rennen gehen wird.
Alle vier Jahre hält die Welt den Atem an. Für ein Sportevent der Superlative. Für unvergessliche Momente. Wenn Rekorde purzeln, wenn Helden fallen und neue geboren werden. Wenn Menschen rund um den Globus zusammen feiern. Tränen, Jubel, Emotionen. Olympische Spiele sind das größte Friedensfest der Menschheit, ein jahrhundertealtes Ritual, das in der Moderne eine Reichweite erlangt hat, die kaum ein anderes Ereignis erreicht. Seit Sydney 2000 gehört auch der Triathlon dazu.
Emotionale Debatte
So bewegend, wie es in den Sportstätten zugeht, so emotional wird die Debatte über Sinn und Unsinn der Olympischen Spiele für Städte und Gemeinden diskutiert. Zumindest in Deutschland, wo aktuell nach dem negativen Referendum in Hamburg und dem laut Medienberichten angekündigten Rückzug Berlins mit München und der Region Rhein/Ruhr zwei Bewerber davon träumen, dieses Fest in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 auszurichten – und den Triathlon erstmals auf deutschem Boden olympisch werden zu lassen. Das größte Rennen beginnt allerdings bereits weit vor dem ersten Startschuss. Befürworter und Gegner positionieren sich und schmeißen sich Argumente um die Ohren. Auf beiden Seiten gern subjektiv gefärbt. Eine Frage steht dabei über allem: Olympia in Deutschland – Traum, Versprechen oder zu teures Abenteuer?
Fünf Milliarden Menschen schauen zu
Das öffentliche Interesse ist da. Bei den Zahlen kann einem schwindelig werden. Bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 wurden laut einer durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Auftrag gegebenen Studie weltweit 28,7 Milliarden Stunden Übertragungen auf den Plattformen der Medienrechteinhaber geschaut. Rund fünf Milliarden Menschen – mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung – verfolgten die Wettbewerbe. Eine Reichweite, an die sonst nur die Fifa-Fußballweltmeisterschaft herankommt.
Abstrakte Werte, im Stadion erlebbar
Die Wurzeln reichen weit zurück. Im Juli 776 vor Christus fanden die ersten Olympischen Spiele statt. Für die Dauer des Ereignisses sowie einige Zeit davor und danach wurde ein „olympischer Frieden“ verkündet, sodass die Wettkämpfer sicher reisen konnten. Der römische Kaiser Theodosius I., ein Christ, beendete die Spiele 393 nach Christus als heidnisches Ritual. Pierre de Coubertin war es, der die Idee des Friedensfestes 1894 neu entfachte und die moderne Olympische Bewegung gründete. „Schneller, höher, stärker“ – das Motto gilt seit Coubertins Tagen. Höchstleistung und Wettkampf. Sportlichkeit und Fair Play, Internationalität und Völkerverständigung sowie kulturelle Vielfalt. Was abstrakt klingt, wird im Stadion plötzlich erlebbar.