Das neuseeländische Start-up will sein Drafting-Erkennungssystem für Triathlons auf den Agegroupbereich ausweiten. Geldgeber – darunter Profiathleten – haben bereits einen Großteil des anvisierten Betrags zugesagt.

Fährt bald jede Triathletin und jeder Triathlet bei Wettkämpfen mit einem automatischen Drafting-Erkennungssystem? Das neuseeländische Unternehmen RaceRanger will seine Expansion fortsetzen und hat laut eigenen Aussagen eine Investitionsrunde in Höhe von 1 Million US-Dollar gestartet. Ziel sei es, das System nicht nur bei Profi-, sondern auch bei Amateurrennen einzusetzen.
Mehr als 50 bestehende Investoren – darunter nach Unternehmensangaben auch Profiathleten – haben demnach bereits rund 600.000 US-Dollar zugesagt. Und zwar innerhalb von nur drei Wochen. Der verbleibende Teil der Runde steht nun neuen Geldgebern offen, die als Großanleger beziehungsweise akkreditierte Investoren gelten. Ausdrücklich nicht angesprochen werden Privatanleger, wie das Unternehmen in einer Mitteilung betont. Auch mit Blick auf entsprechende rechtliche Vorgaben in Neuseeland, den USA, Großbritannien, Australien, Kanada und der EU.
Das Grundproblem: Drafting
RaceRanger wurde bekannt für sein System aus zwei Geräten pro Rad, das den Abstand zum vorausfahrenden Athleten misst und per farbcodiertem Lichtsignal anzeigt. Für Athletinnen und Athleten ebenso wie für Kampfrichterinnen und Kampfrichter, ohne Interpretationsspielraum. Laut Unternehmen ist unerlaubtes Drafting das größte Integritätsproblem im Triathlon.
Rasantes Wachstum seit 2023
Seit dem ersten Renneinsatz 2023 ist die Verbreitung des Systems deutlich gestiegen. Von 17 Rennen über 37 im Jahr 2025 auf 63 Profirennen weltweit in diesem Jahr – darunter Veranstaltungen von Ironman, T100 Triathlon World Tour, World Triathlon und Challenge Roth. Erst am vergangenen Wochenende kam das System beim Rennen der Ironman Pro Series in Kalmar (Schweden), beim T100-Rennen in Vancouver (Kanada) sowie beim Ironman 70.3 Northern California zum Einsatz. Die von RaceRanger in Testsessions mit Profis erhobenen Daten waren mitentscheidend dafür, dass Ironman in diesem Jahr die Drafting-Zone im Profibereich von zwölf auf 20 Meter vergrößert hat.
Der nächste Schritt: die Age-Grouper
Nachdem sich die Technologie im Profifeld seit 2023 bewährt hat, soll sie nun in großem Stil in den Amateurbereich vordringen. Zwei große Agegroup-Rennen haben nach RaceRanger-Angaben bereits zugesagt, ihr komplettes Starterfeld auszustatten: Beim Tauranga Half in Neuseeland (Januar 2027) und bei der Challenge Wānaka 100 (Februar 2027) fahren jeweils rund 800 Athletinnen und Athleten mit dem Drafting-Erkennungssystem. Damit hat die Technologie die Phase der punktuellen Tests hinter sich gelassen.
„Wir werden kontinuierlich kontaktiert und gefragt, wann das System auch für wettkampforientierte Agegrouper verfügbar sein wird. Und genau darauf haben wir unsere Entwicklungsarbeit in den vergangenen 18 Monaten konzentriert“, betont CEO und Co-Founder James Elvery. Man habe an der operativen Skalierbarkeit gearbeitet und gleichzeitig Vorteile jenseits der reinen Drafting-Erkennung für den weniger wettkampforientierten Teil des Feldes geschaffen. „Bei richtiger Umsetzung sehen wir keinen Grund, warum Agegrouper nicht dieselben Verbesserungen des Renntages erhalten sollten, an die sich Profis weltweit bereits gewöhnt haben.“

Neue Hardware, neue Funktionen
Das frische Kapital fließe vor allem in die Fertigstellung und Auslieferung von 900 Gerätesätzen der dritten Generation. Die neuen Einheiten verfügen laut Unternehmen über eine höhere Wasserdichtigkeit, um die Reinigung nach Rennen zu beschleunigen. Und sie werden über ein neues Backend-System per QR-Code gekoppelt. Das soll Distribution, Check-in und Rückgabe der Geräte bei Großveranstaltungen mit tausenden Athletinnen und Athleten vereinfachen. Jedes Heck-Gerät verfügt zudem über eine eigene 4G-Verbindung.
Vom Drafting-Detektor zum Daten-Ökosystem
Die neue Gerätegeneration soll künftig auch Live-Daten in die Cloud streamen können. Damit will RaceRanger sein Angebot deutlich erweitern: umfangreichere aktuelle Werte für Übertragungen bei Profirennen, eine vernetzte App für Kampfrichterinnen und Kampfrichter, Echtzeitpositionierung als zusätzliches Sicherheitselement für Athletinnen und Athleten sowie GPS-basiertes Tracking für Familie und Fans. Zudem sollen sowohl Profis als auch Agegrouper nach dem Rennen individualisierte Auswertungen erhalten, die deutlich mehr Vergleichsmöglichkeiten bieten sollen als die reinen Schwimm-, Rad-, Lauf- und Wechselzeiten von heute.

„Wir haben uns vorgenommen, das größte Problem unseres Sports zu lösen. Und die Tatsache, dass so viele Rennveranstalter uns inzwischen einsetzen, spricht für sich“, so Elvery. Die aktuelle Runde drehe sich um den nächsten Schritt: „Wir bringen RaceRanger von den Profis zu den Hunderttausenden Agegroupern, die jedes Jahr einen Langdistanz-Triathlon in Angriff nehmen. Wir glauben, dass sie, ihre Fans, Unterstützer und die Veranstalter alle ein noch besseres Renntagserlebnis verdienen.“











