Sam Laidlow musste die Ironman-WM auf Hawaii mit Durchblutungsproblemen im linken Bein aufgeben. Der Franzose leidet an einer seltenen Gefäßerkrankung, die auch Fenella Langridge ausgebremst hat. Und auch Justus Nieschlag kämpfte mit ähnlichen Beschwerden.
Sam Laidlow hatte sich trotz aller Schwierigkeiten in eine aussichtsreiche Position gebracht. Als Zweiter wechselte der Ironman-Weltmeister von 2023 bei der WM auf Hawaii vom Rad in die Laufschuhe. Doch nach rund fünf Kilometern war Schluss. Sein linkes Bein spielte nicht mehr mit. Die Ursache war nicht etwa eine akute Muskelverletzung oder ein gewöhnlicher Krampf. Laidlow erklärte nach seinem Ausstieg, dass er unter einer sogenannten iliakalen Endofibrose leidet. Dabei handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, bei der die Durchblutung eines Beins insbesondere unter intensiver Belastung eingeschränkt sein kann.
Schon auf dem Rad hatte der 27-Jährige massive Probleme. Nach eigener Aussage fehlten ihm etwa 40 bis 50 Watt auf seine angestrebte Leistung. Er habe vor allem mit dem rechten Bein gearbeitet, um die eingeschränkte Durchblutung links auszugleichen. Bereits am Wendepunkt in Hawi sei er kurz davor gewesen aufzugeben. Die Hoffnung, dass sich die Situation beim Laufen durch die veränderte Körperhaltung verbessern würde, erfüllte sich nicht. Stattdessen wurde sein linkes Bein nahezu vollständig taub. Laidlow versuchte noch, mit gelockertem Schuh und ausgezogenem Socken Abhilfe zu schaffen. Vergeblich. Die Probleme seien ihm schon länger bekannt gewesen, erklärte er gegenüber dem Ironman-Kamerateam. Nun wolle er nach Frankreich zurückkehren und sich operieren lassen.
Fenella Langridge: Dieselbe Diagnose und ein langer Weg zurück
Die Schilderungen erinnern auffällig an die Erfahrungen von Fenella Langridge. Die Britin machte im März 2025 öffentlich, dass bei ihr eine Endofibrose der äußeren Beckenarterie diagnostiziert worden war. Schon während der Saison 2024 hatte sie einen unerklärlichen Leistungsabfall bemerkt. Bei Radintervallen fehlte ihr ebenfalls ihre gewohnte Leistungsfähigkeit. Hinzu kamen Schmerzen, Krämpfe, Kribbeln und Taubheitsgefühle, insbesondere im linken Bein. Intensive Belastungen wurden zunehmend zum Problem.
Im Mai 2025 ließ sich die Britin operieren. Die anschließende Rehabilitation dauerte mehrere Monate. Noch im Dezember berichtete sie, dass sie den Umfang und die Auswirkungen des Eingriffs zunächst unterschätzt habe. In der Saison 2026 kehrte Langridge erfolgreich in den Wettkampfsport zurück. Beim Ironman Neuseeland belegte sie Rang acht. Beim Ironman Hamburg erreichte sie Platz neun und lief den Marathon in 2:56:11 Stunden. Anfang Juli folgte der achte Platz bei der Challenge Roth.
Justus Nieschlag: Ähnliche Beschwerden, andere Ursache
Auch Justus Nieschlag musste erfahren, wie sehr eine eingeschränkte Durchblutung die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Der Deutsche berichtete im August 2025 über eine seit rund eineinhalb Jahren bestehende Kraftlosigkeit auf dem Rad. Besonders in der Aeroposition konnte er seine gewohnte Leistung nicht mehr abrufen. Untersuchungen ergaben schließlich beidseitige Kinking-Stenosen im Hüftbereich.
Anders als bei Laidlow und Langridge wurde bei Nieschlag keine Endofibrose als Diagnose genannt. Bei ihm knickten die betroffenen Gefäße in bestimmten Positionen ab und behinderten dadurch den Blutfluss. Bei einer Endofibrose steht dagegen eine Verdickung der inneren Gefäßwand im Vordergrund. Beide Mechanismen können allerdings auch gemeinsam auftreten.
Wenn die Blutversorgung limitiert
Die Gemeinsamkeit der drei Fälle liegt in den Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit. Obwohl die Athleten über ein hoch entwickeltes Herz-Kreislauf-System und entsprechend trainierte Muskulatur verfügen, gelangt unter Belastung nicht ausreichend Blut in die betroffenen Beine. Die iliakale Endofibrose ist eine seltene, nicht durch klassische Arteriosklerose verursachte Gefäßerkrankung, die vor allem bei Ausdauersportlern und insbesondere Radfahrern beschrieben wird. Als mögliche begünstigende Faktoren gelten wiederholte starke Hüftbeugung, mechanische Belastungen und Veränderungen des Gefäßverlaufs. Der genaue Entstehungsmechanismus ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Tückisch ist vor allem, dass die Beschwerden in Ruhe häufig vollständig verschwinden. Auch gewöhnliche Untersuchungen können deshalb unauffällige Ergebnisse liefern. Für die Diagnostik kommen unter anderem Durchblutungsmessungen vor und nach Belastung, Doppler-Ultraschall sowie bildgebende Untersuchungen zum Einsatz. Die Behandlung hängt von der Art und dem Ausmaß der Gefäßveränderung ab. Bei einer Endofibrose können operative Verfahren infrage kommen, bei denen verändertes Gewebe entfernt und die Arterie mit einem Gefäß-Patch erweitert wird.