Ein emotionaler Abschied und große Ambitionen: Auf der Pressekonferenz vor der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii sprechen die Topfavoriten über ihre Rennstrategien, die Konkurrenz und ihre Erwartungen an den Kampf um den Titel.
Noch bevor am Samstag der Startschuss zur Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii fällt, liefern sich die Favoriten die ersten kleinen Duelle. Sam Laidlow und Kristian Blummenfelt scherzen über ihre gegenseitigen Provokationen in den sozialen Medien, Patrick Lange hofft augenzwinkernd auf ein zu hohes Anfangstempo der Konkurrenz. Und Gustav Iden erklärt, warum er einen erneuten Sieg auf Hawaii heute deutlich mehr genießen würde als seinen ersten. Auf der Pressekonferenz in Kailua-Kona wird deutlich: Das Selbstvertrauen ist groß, der Respekt vor den Gegnern aber ebenso. Nur darüber, wie sich das Rennen am Samstag tatsächlich entwickeln wird, herrscht wenig Einigkeit.
Jonas Schomburg: „Ich bin bereit für ein besonderes Rennen“
Für Jonas Schomburg ist es der erste Besuch auf Hawaii. Der Deutsche ist erst wenige Tage auf der Insel, hat die besondere Atmosphäre rund um den Ironman aber bereits aufgesogen. „Es ist ein besonderer Ort, und ich glaube, ich bin bereit für ein besonderes Rennen am Samstag“, sagt der 31-Jährige. Mit den erwarteten Bedingungen kann sich Schomburg anfreunden. Hitze und Luftfeuchtigkeit liegen ihm, schließlich verbringt er regelmäßig längere Trainingsphasen im südafrikanischen Sommer. Teile Hawaiis erinnerten ihn sogar an die Eastern Cape Province in Südafrika.
Seinen Sieg beim Ironman Kalmar sieht Schomburg als wichtigen Schritt in seiner Entwicklung auf der Langdistanz. Dort gelang es ihm erstmals, sich auf dem Rad etwas zurückzuhalten und seine Kräfte besser einzuteilen. Auch beim Laufen hat er dazugelernt. „Ich lerne noch. Ich bin neu in diesem Geschäft, und es geht Schritt für Schritt voran“, erklärt Schomburg. Dass zwischen der Ironman-70.3-WM in Nizza und Hawaii nur vier Wochen liegen, bereitet ihm keine Sorgen. Seine umfangreiche Trainingsbasis habe ausgereicht, um mit einigen Schlüsseleinheiten und zwei intensiveren Trainingswochen die Vorbereitung abzuschließen.
Patrick Lange: „Ich habe immer noch das Feuer, hier noch einmal zu gewinnen“
Für Patrick Lange ist die Ironman-Weltmeisterschaft 2026 mehr als ein weiteres Rennen. Der dreimalige Champion steht vor seinem letzten Auftritt als Profi auf Hawaii. Seit seinem Debüt 2016 verbindet ihn eine besondere Beziehung mit der Insel. „Im Moment schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, beschreibt Lange seine Gefühlslage. Auf der einen Seite stehe der Wettkämpfer, der noch immer gewinnen wolle. Ein vierter Titel würde ihn zu einem von nur drei Männern machen, denen dieses Kunststück gelungen ist. Auf der anderen Seite wolle er die Atmosphäre ein letztes Mal genießen und sich von der Insel und den Menschen verabschieden.
Sportlich sieht Lange die Herausforderung klar. Sam Laidlow müsse sich auf dem Rad einen Vorsprung erarbeiten, um seine Chancen auf den Sieg zu wahren. Gleichzeitig zeigte sich Lange beeindruckt von Kristian Blummenfelts Laufleistung in Nizza. Mit einem Augenzwinkern hofft er, dass der Norweger die erste Marathonhälfte auf Hawaii ähnlich schnell angehen werden. Von Abschiedsstimmung ist bei Lange unmittelbar vor dem Rennen allerdings noch wenig zu spüren. „Ich bin voll fokussiert auf das Rennen und kann es kaum erwarten, dass der Startschuss fällt.“
Sam Laidlow: „Ich komme nicht hierher, um den Radstreckenrekord zu brechen“
Sam Laidlow kennt die Diskussionen um seine Radleistung auf Hawaii. 2024 fuhr der Franzose die 180 Kilometer in 3:57:22 Stunden, doch für Samstag hat er keinen weiteren Rekordversuch angekündigt. „Ich möchte klarstellen, dass ich überhaupt nicht mit diesem Ziel in das Rennen gehe“, sagt er. Seine Strategie müsse sich an seinen Stärken orientieren. Natürlich würde er gern Patrick Lange und Kristian Blummenfelt beim Marathon Paroli bieten. „Aber ich muss realistisch bleiben.“ Seine beste Chance bestehe darin, in allen drei Disziplinen stark zu sein. Dieser Ansatz habe in der laufenden Saison gut funktioniert, sei auf Hawaii allerdings riskanter als bei anderen Rennen.
Dabei hat Laidlow eine Veränderung im Profifeld beobachtet. Als er 2022 bei seinem ersten Kona-Auftritt aggressiv von Beginn an das Tempo bestimmte, gehörte er damit noch zu den Ausnahmen. Inzwischen würden Athleten wie Jonas Schomburg oder Marten Van Riel schon beim Schwimmen für hohes Tempo sorgen. Laidlow sieht sich deshalb längst nicht mehr als den offensivsten Athleten im Feld.
Marten Van Riel: „Am Samstag liegt meine Vorfreude bei elf von zehn“
Marten Van Riel hat lange auf seinen ersten Start auf Hawaii hingearbeitet. Der Belgier verbrachte viele Jahre auf der Kurzdistanz, obwohl ihn die Langdistanz und insbesondere Kona schon früh faszinierten. Eine wichtige Rolle spielten dabei seine Landsleute Luc Van Lierde, Frederik Van Lierde und Bart Aernouts. Die ehemaligen Hawaii-Podiumsfinisher gehören zu seinem persönlichen Umfeld und hätten ihn immer wieder darin bestärkt, selbst auf der Insel an den Start zu gehen.
Mit seinem bisherigen Aufenthalt auf Hawaii ist der Belgier zufrieden. Die Vorfreude sei nach der Ankunft zunächst noch gering gewesen, habe sich aber mit jedem Training gesteigert. Inzwischen liege sie bei neun von zehn Punkten. „Am Samstag wird es dann eine Elf von zehn sein.“
Kristian Blummenfelt: „Lieber Zweiter in Nizza und Sieger auf Hawaii als umgekehrt“
Kristian Blummenfelt lässt keinen Zweifel daran, welcher Titel für ihn in diesem Jahr die größere Bedeutung hat. Nach seinem zweiten Platz bei der Ironman-70.3-WM in Nizza richtet der Norweger den Blick vollständig auf Hawaii. „Ich würde lieber in Nizza Zweiter werden und hier gewinnen als umgekehrt“, erklärt er. Neben den Olympischen Spielen sei die Ironman-Weltmeisterschaft die größte Bühne des Sports. Besonders die Vorstellung, als Sieger auf den Alii Drive einzubiegen, beschäftigt ihn. Diesen Moment möchte er unbedingt selbst erleben.
In Nizza beeindruckte Blummenfelt mit einem Halbmarathon von rund 65 Minuten, musste sich am Ende aber knapp geschlagen geben. Für Hawaii zieht er daraus vor allem taktische Schlüsse. Es gehe nicht darum, den Laufstreckenrekord zu brechen, sondern die Energie optimal über Schwimmen, Radfahren und Laufen zu verteilen. Unter den heißen und feuchten Bedingungen könne es sinnvoll sein, beim Radfahren noch Reserven für den Marathon zu behalten. Dass es am Samstag trotzdem schwierig werde, liege vor allem an der Konkurrenz. „Es geht darum, seine Karten klug auszuspielen“, sagt Blummenfelt. Schließlich werde niemand versuchen, ihm das Rennen leichter zu machen.
Gustav Iden: „Wenn ich jetzt gewinne, werde ich es viel mehr genießen“
Gustav Iden blickt mit gemischten Gefühlen auf seinen WM-Triumph von 2022 zurück. Damals gewann der Norweger bei seinem ersten Start auf Hawaii. „Ich hatte noch nicht genug Erfahrung auf der Langdistanz, um wirklich zu verstehen, wie viel dieser Sieg bedeutet“, sagt Iden. Heute bereue er beinahe, sich damals nicht mehr Zeit genommen zu haben, um den Triumph auf der Insel zu genießen. Nach vier schwierigen Jahren und deutlich mehr Trainingsarbeit sei seine Perspektive eine andere. „Wenn ich jetzt gewinne, werde ich es auf jeden Fall viel mehr genießen.“
Die unmittelbare Vorbereitung verlief nicht durchgehend optimal. Nach einem starken Auftritt in Nizza fühlte sich Iden zunächst hervorragend, die ersten Tage auf Hawaii waren dagegen eher durchwachsen. Doch seine Form habe sich im Verlauf des Trainingslagers stetig verbessert. Und sollte Iden tatsächlich seinen zweiten Hawaii-Titel feiern, hat er bereits einen Plan: Diesmal soll es eine große Party geben.