Nach 66 Stunden stand fest: Die Premiere des Backyardman hatte keinen Sieger, sondern zwei Siegerinnen. Jessica Ittner und Hanna Schramm bestimmen das neue Rennformat in Zellingen.
33 Runden, mehr als 66 Stunden zwischen erstem Start und dem Moment der Entscheidung sowie insgesamt 841,5 Kilometer Triathlon: Die Premiere des Backyardman in Zellingen (Bayern) ist deutlich länger geworden, als es wohl viele vor dem Rennen erwartet hatten. Am Ende standen mit Jessica Ittner und Hanna Schramm zwei Frauen ganz oben, die gemeinsam entschieden, dass nach der 33. Runde Schluss sein sollte.
33 Mal Schwimmen, Radfahren und Laufen
Die Idee hatte schon vor dem Start gleichermaßen simpel wie brutal geklungen. 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen, zwei Stunden Zeit, danach beginnt alles wieder von vorn.
Am Freitagmittag um 12 Uhr startete im Freibad von Zellingen die Premiere des Backyardman. Das Prinzip orientiert sich am bekannten Backyard Ultra. Wer innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters zurück an die Startlinie kehrt, darf weitermachen. Wer nicht rechtzeitig fertig ist oder zum nächsten gemeinsamen Start nicht mehr erscheint, scheidet aus. Damit spielt die Geschwindigkeit nur eine begrenzte Rolle. Eine schnelle Runde bedeutet vor allem eines: mehr Zeit zum Essen, Schlafen, Umziehen und Erholen. Zwei Stunden nach dem vorherigen Start stehen alle verbliebenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder gemeinsam an der Startlinie.
Was zunächst nach einer wiederholten Sprintdistanz klingt, entwickelte sich in Aktion schnell zu einem Ultra-Triathlon mit gewaltigen Dimensionen. Nach acht Runden hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits vier Kilometer Schwimmen, 160 Kilometer Radfahren und 40 Kilometer Laufen absolviert. Nach 20 Runden standen zehn Kilometer Schwimmen, 400 Radkilometer und 100 Kilometer zu Fuß zu Buche. Doch selbst da war das Rennen noch lange nicht beendet.
Die Männer steigen nach 21 Runden aus
Während sich das Feld Runde für Runde verkleinerte, hielt Nicolas Kiesel bei den Männern am längsten durch. Er absolvierte 21 vollständige Runden und kam damit auf 10,5 Kilometer Schwimmen, 420 Kilometer Radfahren und 105 Kilometer Laufen. In der Ergebnisliste werden für ihn 34:29:40 Stunden reine Wettkampfzeit geführt. Manuel Langhans, Melvin Griese und Pierre Feller kamen jeweils auf 20 vollständige Runden. Nach dem Ausscheiden Kiesels war klar: Die Frauen würden die Premiere des Backyardman unter isch ausmachen.
Zu dem Zeitpunkt war aber noch lange kein Ende in Sicht. Jess Ittner und Hanna Schramm machten weiter. Runde 22, Runde 23, Runde 24. Immer wieder hinein ins knapp 20 Grad warme Wasser, zurück aufs Rad und anschließend auf die fünf Kilometer lange Laufstrecke. Eine dreifache Langdistanz lag da bereits hinter den beiden.
33 Runden und 841,5 Kilometer
Erst nach Runde 33 sollte Schluss sein. Zu diesem Zeitpunkt hatten Ittner und Schramm jeweils 16,5 Kilometer im Wasser, 660 Kilometer auf dem Rad und 165 Kilometer laufend zurückgelegt. Zusammen ergibt das 841,5 Kilometer Ausdauersport. Die offizielle Ergebnisliste führt Jessica Ittner mit 47:00:10 Stunden kumulierter Wettkampfzeit, Hanna Schramm mit 51:01:14 Stunden. Beide absolvierten sämtliche 33 Runden.
Noch beeindruckender als die nackten Zahlen war allerdings die Art und Weise, wie die Premiere des Backyardman zu Ende ging. Bereits vor dem Radfahren der 33. Runde hatten sich die beiden Athletinnen darüber verständigt, das Rennen gemeinsam zu beenden. Keine weitere Runde sollte darüber entscheiden, welche von beiden noch länger durchhalten konnte. Nach dem abschließenden Fünf-Kilometer-Lauf kehrten beide ins Athletencamp zurück. Als das nächste Zwei-Stunden-Zeitfenster abgelaufen war, sprang keine der beiden erneut ins Becken.
Zwei Siegerinnen statt „Last One Standing“
An diesem Punkt wich der Backyardman vom klassischen Backyard-Ultra-Prinzip ab. Dort ist das Format normalerweise auf einen einzigen verbliebenen Athleten ausgelegt. Gibt es niemanden, der nach dem Ausscheiden beziehungsweise Nichtantreten aller anderen noch eine weitere vollständige Runde absolviert, gibt es streng nach diesem Prinzip auch keinen Sieger. Beim Backyardman entschieden sich die Veranstalter jedoch für eine andere Lösung. Da es für die neu geschaffene Triathlonvariante kein verbindliches offizielles Regelwerk gibt, wurden Jessica Ittner und Hanna Schramm gemeinsam zu Siegerinnen der Premiere erklärt.
Ein ungewöhnliches Ende für ein ohnehin ungewöhnliches Rennen. Und vielleicht eines, das ziemlich gut zum Charakter dieser ersten Austragung passt. weil die Frage, wer noch genau eine weitere Runde schaffen würde, in den Hintergrund trat.
Ein Feld, das sich langsam auflöste
Auch hinter den beiden Siegerinnen zeigen die Ergebnisse, wie selektiv das Format war. Nele Wormsbächer erreichte 20 vollständige Runden und damit zehn Kilometer Schwimmen, 400 Kilometer Radfahren sowie 100 Kilometer Laufen. Helene Heinrich kam auf 16 Runden, Lara-Marie Schreiner auf zehn. Insgesamt weist die Ergebnisliste 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus.
Erstaunliche Konstanz über 33 Runden
Ein Blick auf die einzelnen Rundenzeiten von Jess Ittner zeigt, wie kontrolliert sie die extreme Belastung angegangen war. Vor allem beim Schwimmen und Laufen blieb ihr Tempo über das gesamte Rennen erstaunlich stabil. Die 500 Meter im Becken absolvierte sie durchgehend in weniger als zehn Minuten, ihre schnellste Schwimmzeit lag bei 8:46 Minuten in Runde acht, selbst in der abschließenden 33. Runde benötigte sie lediglich 9:34 Minuten.
Auch die Konstanz beim Laufen war bemerkenswert. Über 165 Kilometer bewegten sich ihre Zeiten für die jeweils fünf Kilometer fast ausschließlich zwischen 24 und 26 Minuten. Die schnellste Laufzeit von 24:28 Minuten erzielte sie in Runde zehn und damit keineswegs zu Beginn des Rennens, in Runde 33 waren es immer noch 26:09 Minuten. Größere Schwankungen zeigten sich eher auf dem Rad und in den Wechselzeiten. Während Ittner die ersten 20 Radkilometer in 37:04 Minuten zurücklegte, dauerte der Radabschnitt der letzten Runde 45:49 Minuten. Ihre schnellste komplette Runde absolvierte sie gleich zum Auftakt in 1:18:22 Stunden, die langsamste war mit 1:35:56 Stunden ausgerechnet die letzte. Selbst dort blieben ihr damit noch mehr als 24 Minuten bis zum nächsten Zwei-Stunden-Startfenster.
Vom Experiment zum Ultra-Triathlon
Als David Wiedl und Jürgen Schweighöfer das Backyard-Prinzip auf den Triathlon übertrugen, war schwer vorherzusagen, wie sich das Rennen entwickeln würde. Anders als bei einem reinen Backyard Run kommt mit drei Sportarten nicht nur die muskuläre Belastung hinzu. Auch Wechsel, Material, Ernährung, Kleidung und die immer neuen Sprünge ins Wasser verändern die Dynamik.