Letzte Folge, letzte Meter: Im zehnten und finalen ALOHA FRIDAY vor der Ironman-WM 2026 melden sich Frank Wechsel und Lars Wichert direkt vom Ali’i Drive – zwischen Menschenmassen, Klimaanlagen-Brummen und einer vorbeiknatternden Motorsäge. Es geht um das letzte fehlende Teilstück der Strecke, einen Vulkan, der sich zur rechten Zeit beruhigt, Wind und Wellen, die genau das nicht tun – und um die Frage, was in den letzten Stunden vor dem Rennen wirklich noch zu tun ist.
Kona sei seit zwei, drei Tagen ein anderer Ort, berichten die beiden: Die Stadt platze aus allen Nähten, auf dem Ali’i Drive staue es sich, die Menschenmassen schöben sich durch die kleine Stadt. Spätestens seit der Nationenparade am Dienstag sei das TEAM GERMANY KONA26 – powered by ROUVY dabei überall zu erkennen – ob an Brille oder Cap. Das mache es sogar leichter, ins Gespräch zu kommen, findet Lars, der am Samstag selbst an der Startlinie steht.
Das Wort für den Renntag: Lanakila!
Das hawaiianische Wort der Woche könnte passender kaum sein: „Lanakila“ bedeutet so viel wie Sieger, der oder die Triumphierende – über sich selbst hinauswachsen. Nur wenige Kilometer vom Aufnahmeort entfernt trägt sogar eine Straße diesen Namen. Besser lasse sich das Ende der Rennwoche nicht beschreiben, sind sich die beiden einig: Es gehe bei einem WM-Start genau darum, die eigenen Grenzen zu verschieben.
Rechts abbiegen, dann wartet der rote Teppich
Als letztes Teilstück der Streckenserie bleibt das wichtigste: die Zielgerade auf dem Ali’i Drive. Am Ende des Marathons geht es nach der Palani Road noch einmal einen leichten Anstieg hinauf, dann hinunter zum Meer. Und dort heißt es aufpassen: nicht links abbiegen, wo noch einmal eine Vier-Kilometer-Schleife wartet, sondern rechts – auf den roten Teppich, durchs Spalier der Zuschauer, über die kleine Rampe und durch den Zielbogen.
Dahinter warten die „Catcher“, die die Finisher in Empfang nehmen. Lars kennt das aus eigener Erfahrung: Er sei bei seinem letzten Start aus dem Nachzielbereich getragen worden, erzählt er – man werde direkt umsorgt, bekomme Handtuch und Medaille und werde sicherheitshalber aus dem Zielbereich geleitet. Der große ikonische Banyan Tree an der Zielgeraden steht zwar nicht mehr, doch der Moment bleibe etwas ganz Besonderes: 226 Kilometer, endlich geschafft.
Der Vulkan beruhigt sich – Wind und Wellen nicht
Entwarnung vom Kilauea: Die spektakulären Lavafontänen der vergangenen Wochen sind vorerst Geschichte. Satellitenauswertungen zeigten, dass sich das Magma derzeit flächig unterirdisch verteile und es nicht mehr die einzelnen Spots gebe, aus denen die Lava mit hohem Druck herausmüsse, erklärt Frank. Man könne also beruhigt in den Renntag gehen – nicht weil es an der Kona-Küste gefährlich würde, sondern weil man im Süden nichts verpasse.
Ganz anders die Bedingungen auf und im Wasser: Bei einer Ausfahrt nach Hawi erlebte Lars Böen von der Landseite, die selbst Profis am Basebar nur schwer händeln konnten – er selbst habe die Abfahrt lieber mit verkrampftem Griff rollen lassen, statt zu treten. Und am Morgen der Aufnahme zeigte sich die Kailua Bay mit Schaumkronen bis an den Pier. Sollte es am Renntag ähnlich wellig werden, wollte Lars nicht garantieren, nicht seekrank aus den 3,8 Kilometern Schwimmen zu steigen. Frank auch nicht, der dann vom Motorboot aufs Motorrad umsteigt.
Badehosen, Bananen und eine Motorsäge
Zur Rennwoche gehört auch der traditionelle Underpants Run: 1,9 Kilometer über den Ali’i Drive, vorbei an filmenden Zuschauern – die japanischen Teilnehmer wieder in Sumo-Aufmachung, Lars in Badehose mit Bananen-Print. Ein kleines Community-Läufchen mit maximalem Spaßfaktor, so sein Fazit. Untergebracht ist er mit einer 33-köpfigen Trainingsgruppe auf einer Kaffeeplantage oberhalb des Alii Drive – inklusive Vorträgen erfahrener Hawaii-Routiniers für die Rookies im Team.
Letzte Schrauben vor dem großen Tag
Was steht vor dem Renntag noch an? Ein kleines Läufchen, frische Reifen, Schrauben kontrollieren – Letzteres mit Nachdruck: Bei Lars‘ letztem Start vor zwei Jahren waren bei ihm und weiteren Athleten seiner Altersklasse die Sattelstützen gelöst worden, aufgeklärt wurde der Fall nie. Danach folgen Check-in von Rad und Wechselbeuteln, und dann gilt: Beine hoch, früh schlafen, tief durchatmen.
Bei aller Anspannung schwingt Dankbarkeit mit: Wer überhaupt gesund an der Startlinie stehe, dürfe sich privilegiert fühlen, sagt Lars – im Team habe es eine Athletin erwischt, die mit Corona und Fieber im Bett liege, obwohl sie wohl als jüngste Deutsche hätte starten können. Und so endet die zehnte und letzte Folge mit dem Satz, der das Projekt vielleicht am besten zusammenfasst: Wir sind alle eine große Ohana. Mahalo!
ALOHA FRIDAY ist Teil von „Carbon & Laktat“, dem Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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