Vincent Luis hat den Ironman Hawaii gewonnen. Der Franzose setzte sich in der Nacht auf Sonntag auf Big Island durch.

Weder Blummenfelt noch Laidlow oder Iden: Der neue Ironman-Weltmeister heißt Vincent Luis. Der 37 Jahre alte Franzose hat den Ironman Hawaii in 7:47:27 Stunden gewonnen und damit den größten Triumph seiner Karriere gefeiert. Gustav Iden aus Norwegen wurde eineinhalb Minuten später Zweiter, Matthew Marquardt aus den USA belegte eine weitere Minute später Rang drei. Bester Deutscher war Jonas Schomburg nach einem Auf und Ab auf Platz sieben. Topfavorit Kristian Blummenfelt wurde Achter.
Für Luis, der erst vor einem Jahr auf die Langstrecke gewechselt war, ist der Hawaii-Triumph der erste Sieg über die 226 Kilometer überhaupt. Bei seinen bisherigen Rennen in Frankfurt, Texas und bei der Challenge Roth hatte er es nicht aufs Podium geschafft. Umso überragender jetzt der Sieg des früheren Kurzdistanz-Weltmeisters beim wichtigsten Rennen des Jahres. „Das war ein verrückter Tag, die letzten Meter waren sehr schwer“, sagte Luis. Im Zielinterview wiederholte er, dass der Ironman möglicherweise das letzte Rennen seiner Karriere gewesen sein könnte.
Schomburg attackiert, Van Riel führt das Feld aus dem Wasser
Beim Schwimmen war es nicht Luis, sondern Marten Van Riel, der eine rund 20 Athleten starke Spitzengruppe als Erster aus dem Wasser führte. Für die 3,8 Kilometer benötigte der Belgier bei welligen Bedingungen 48:17 Minuten. Nach dem Start um 6:20 Uhr Ortszeit hatten zunächst vor allem Jonas Schomburg und Wilhelm Hirsch das Tempo bestimmt, später beteiligten sich auch Jamie Riddle und Pierre Le Corre an der Führungsarbeit. Auf dem Rückweg übernahm Van Riel die Spitze und gab sie bis zum Schwimmausstieg nicht mehr ab.

Die im Vorfeld viel diskutierte WhatsApp-Taktik ging beim Schwimmen nur bedingt auf. Dem Vernehmen nach hatten unter anderem Schomburg und Riddle vereinbart, das Tempo hochzuhalten, um die Topfavoriten Sam Laidlow und Kristian Blummenfelt früh unter Druck zu setzen. Doch die Favoriten hielten Anschluss und konnten im Wasserschatten sogar Kräfte sparen. Neben Schomburg und Hirsch waren auch die weiteren Deutschen Jan Stratmann, Frederik Funk, Florian Angert und Patrick Lange vorne dabei. Gustav Iden, Hawaii-Champion von 2022, verlor dagegen fast zwei Minuten und stieg etwa an Position 30 zusammen mit Magnus Ditlev aus dem Wasser.
Menno Koolhaas gelang unter den Spitzenathleten der schnellste Wechsel. Während Laidlow beim Anziehen seiner Aero-Socken Zeit verlor, war der Niederländer bereits auf dem Rad unterwegs. Schomburg folgte dicht dahinter und zog wenig später auf dem Highway vorbei. Als Koolhaas an einer Verpflegungsstelle mehrere Flaschen verpasste und Tempo rausnehmen musste, übernahm Schomburg die Führung. Mit einer mutigen Attacke setzte er sich ab. Die Konkurrenz ließ ihn zunächst gewähren – eine kluge Entscheidung, die sich später auszahlen sollte.

Auf dem Weg nach Hawi baute Schomburg seinen Vorsprung auf bis zu zwei Minuten aus. Dahinter formierte sich eine Gruppe mit Laidlow, Matthew Marquardt, Gregory Barnaby und Van Riel. Unterdessen pflügte Ditlev durchs Feld. Als 29. aus dem Wasser gestartet, sammelte der radstarke Däne einen Konkurrenten nach dem anderen ein. Dabei sorgten seine Überholmanöver für zahlreiche Positionsverschiebungen unter den Profis.
Patrick Lange steigt in Hawi aus
Kurz vor Hawi schmolz Schomburgs Vorsprung rapide und nach dem Wendepunkt war seine Flucht beendet. Erst zog Marquardt vorbei, dann Barnaby, Ditlev und schließlich weitere Athleten. Auf dem Rückweg nach Kailua-Kona verlor Schomburg noch zwölf Minuten und musste auch Jan Stratmann als bestem Deutschen zunächst den Vortritt lassen.
Für Patrick Lange war der letzte Hawaii-Auftritt zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Der dreifache Champion war nach einem starken Schwimmen mit der Spitzengruppe aus dem Wasser gekommen, verlor anschließend aber zunehmend Zeit. Bei Kilometer 65 stand er neben seinem Trainer Ben Reszel am Straßenrand und griff sich wiederholt an die Oberschenkelrückseite. Nach einigen Minuten fuhr Lange weiter, doch in Hawi gab er endgültig auf. Zwischen den Zuschauern hindurch bog er in eine Seitenstraße ab und weinte hemmungslos. Der Traum von einem letzten starken Rennen auf seiner Lieblingsinsel war geplatzt.
„Ich hatte Krämpfe, die nicht mehr aufhören wollten. Ich habe literweise Wasser und Elektrolyte in mich hineingeschüttet. Es hat nicht geholfen“, erklärte Lange im ZDF. Der Ausstieg sei die einzig richtige Entscheidung gewesen. „Ich habe mir ein anderes Finish gewünscht, aber auf lange Sicht werden die Erfolge das DNF überstrahlen. Wenn es irgendwie gegangen wäre, hätte ich gefinisht. Doch einen Marathon zu laufen, war einfach unvorstellbar für mich.“
Drama auf der Laufstrecke


Ditlev erreichte trotz einer gebrochenen Flaschenhalterung am Lenker nach 4:06:47 Stunden als Erster die zweite Wechselzone. Laidlow folgte leicht humpelnd mit 1:30 Minuten Rückstand. Marquardt (+2:30 Minuten) und Barnaby (+3:30 Minuten) lagen zunächst auf den Plätzen drei und vier. Beide wurden durch Zeitstrafen ausgebremst. Blummenfelt nahm sechs Minuten hinter Ditlev die Verfolgung auf. Iden startete nach einer Drei-Minuten-Strafe gemeinsam mit Sam Long rund 9:30 Minuten nach dem Führenden.
Der Marathon wurde jetzt zum Ausscheidungsrennen. Zunächst musste Laidlow wegen muskulärer Probleme aufgeben. Später erwischte es Blummenfelt: Der Norweger hatte sich bis auf Rang zwei vorgearbeitet, bekam ab Kilometer 26 aber massive Probleme und fiel bis auf Rang acht zurück. Nach dem Energy Lab kämpfte auch Ditlev zunehmend. Immer wieder blieb der Däne stehen, um sich mit Eis zu versorgen. Sein schwankender Lauf erinnerte an Taylor Knibb, die im Vorjahr in Führung liegend auf dem Highway eingebrochen war. Ditlev gab schließlich völlig entkräftet auf.

Etwa zehn Kilometer vor dem Ziel übernahm Luis die Führung von Ditlev. Doch der Sieg war ihm keinesfalls sicher, denn von hinten kam jetzt Gustav Iden immer dichter heran. Der Norweger ließ sich von seiner Zeitstrafe nicht unterkriegen, kämpfte bis zum Schluss und lief in 2:36:58 Stunden den schnellsten Marathon. Doch dichter als 40 Sekunden kam er nicht an Luis heran. Der Franzose klatschte auf den letzten Metern mit den Fans ab. Kaum im Ziel sank er völlig erschöpft zu Boden.
Hinter dem Sieger waren auch Iden und Marquardt mit ihren Podiumsplatzierungen äußerst zufrieden. Barnaby sicherte Rang vier vor Pierre le Corre. Sechster wurde US-Star Sam Long. Jonas Schomburg rappelte sich nach seiner schwachen zweiten Radhälfte auf und erreichte mit einem soliden Marathon von 2:41:45 Stunden noch Rang sieben beim Hawaii-Debüt. Jan Stratmann als 15., Frederik Funk (23.), Dominik Sowieja (25.), Wilhelm Hirsch (28.) und Florian Angert (30.) komplettierten das deutsche Mannschaftsergebnis.
Ergebnisse: Ironman World Championship Hawaii
Die aktuellen Ergebnisse erscheinen hier in Kürze.


















