Jeden Freitag nehmen Weltmeister Lars Wichert und Frank Wechsel im „Aloha Friday“ Kurs auf die Ironman-WM am 10. Oktober auf Hawaii. In der zweiten Episode geht es einmal quer über Big Island – von null Metern im Pazifik bis auf 4.207 Meter: mit dem Schwimmstart am kleinsten Strand der Welt, dem größten Berg der Erde, einem Bergzeitfahren mit brachialem Namen und einem ersten Blick auf die stark besetzte Altersklasse M40–44, in der über 150 Athletinnen und Athleten des Team Germany KONA26 ihre Topstars haben.

Aloha ist mehr als ein Gruß – es ist Gesetz
Aloha heißt Hallo, klar. Aber wörtlich übersetzt bedeutet es so viel wie „der Atem des Lebens“ – und drückt bedingungslose Liebe, Mitgefühl, Respekt und Harmonie aus. Auf Hawaii ist das keine Poesie, sondern Rechtslage: Der „Aloha Spirit“ ist als offizielle Verhaltensweise tatsächlich im hawaiianischen Gesetz verankert. Jeder der fünf Buchstaben steht für einen Kernwert, von Akahai (Freundlichkeit) bis Ahonui – Geduld und Ausdauer, also genau das, was Triathleten ausmacht. Und der „Aloha Friday“? Ist auf Hawaii ein geflügeltes Wort: Freitags gehen selbst Banker im Aloha-Hemd ins Büro. Frank Wechsel hat übrigens zehn Stück im Schrank – Lars Wichert muss da nach eigenem Bekunden noch nachziehen.
Massenstart im Pazifik: „Es ist auf jeden Fall eine Klopperei“
Der Renntag beginnt an den Stufen von Dig Me Beach, dem vielleicht kleinsten Strandabschnitt der Welt. Anders als bei fast allen anderen Rennen wartet auf Hawaii noch ein echter Massenstart – nicht mehr wie früher mit allen Altersklassen auf einmal, aber innerhalb der eigenen Altersklasse geht es gemeinsam auf die Startlinie zwischen zwei großen Bojen, gehalten von Stand-up-Paddlern. „Es ist auf jeden Fall eine Klopperei“, sagt Lars, der empfiehlt, die Ellbogen anfangs ruhig etwas einzusetzen, um Platz für die ersten Schwimmzüge zu haben. Nach 400 bis 500 Metern sortiere sich das Feld, dann sei die Gruppe gefunden.
Seine wichtigsten Tipps für die 3,8 Kilometer im Pazifik: beidseitiges Atmen üben, denn die Sonne geht über Big Island auf – wer nur nach links atmet, blickt auf dem Hinweg permanent ins Gegenlicht. Zur Orientierung taugt das Royal Kona Resort mit seiner segelförmigen Silhouette. Und Vorsicht vor dem klassischen Trugschluss an den Wendeyachten: Wer dort auf die Uhr schaut und sich schnell fühlt, hatte Strömung von hinten – und bekommt sie auf dem Rückweg von vorn. Frank, in diesem Jahr zum 26. Mal auf der Insel, kennt das aus vielen Teilnahmen am traditionellen Ho’ala-Trainingsschwimmen auf der Originalstrecke: „Es ist jedes Mal so – und es hat nichts mit dem Abbau meiner Fähigkeiten zu tun.“ Wenn auf dem Rückweg die große Gatorade-Flasche auf dem Pier auftaucht (früher war es eine Budweiser-Flasche), sind es noch gut 100 bis 150 Meter bis zum Ausstieg.
Der größte Berg der Welt steht auf Big Island
Nach null Metern Meereshöhe der Kontrastblock: der Mauna Kea. Der schaut zwar „nur“ 4.207 Meter aus dem Wasser, geht unter der Oberfläche aber noch kilometerweit in die Tiefe – als Bergmassiv ist er damit höher als der Mount Everest. Sein Nachbar Mauna Loa hat sogar so viel Masse, dass er die Erdkruste eindellt. Triathleten kennen den Mauna Kea als den flachen Riesen rechts der Radstrecke Richtung Kawaihae, auf dessen Gipfel die Observatorien glitzern.
Wer hinauf will, muss Regeln beachten: Allradauto (wird kontrolliert), Zwischenstopp am Onizuka-Besucherzentrum zur Akklimatisierung – benannt nach dem hawaiianischen Astronauten Ellison Onizuka, der beim Space-Shuttle-Unglück 1986 ums Leben kam –, ausreichend Wasser und Sprit müssen vorgezeigt werden, Mindestalter 13 Jahre. Nachts gehört der Berg den Astronomen, eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang müssen alle Besucher verschwinden. Und bergab gilt: Motorbremse nutzen, denn am Besucherzentrum wird per Thermometer die Bremstemperatur gemessen – wer zu heiß ankommt, muss zwangspausieren. Sportliche Referenz: Ex-Radprofi Phil Gaimon hält den KOM vom Strand in Waikoloa bis zum Mauna Kea – rund 90 Kilometer nur bergauf, etwa 4.100 Höhenmeter, gut viereinhalb Stunden. Es ist der längste Anstieg, der weltweit am Stück gefahren werden kann.
„Strampeln bis zum Kotzen“: das Monster am Kaloko Drive
Eine Herzensangelegenheit von Frank ist der Hawaii Cycling Club, der sich dafür einsetzt, dass Radfahren auf Big Island sichtbarer und sicherer wird – und der übers Jahr etliche Events organisiert. Das härteste: ein Einzelzeitfahren den Kaloko Drive hinauf, jenen Vulkanhang, über den bei den berühmten Startbildern des Ironman Hawaii die Sonne aufgeht. 6,5 Meilen, also rund zehn Kilometer, mit etwa 1.000 Höhenmetern – im Schnitt zehn Prozent Steigung, in der Spitze 18. Der Name des Events „Pedal till ya Puke“ übersetzt sich sinngemäß mit „Strampeln bis zum Kotzen“. Ausgeschrieben ist es für den 20. September am frühen Morgen, Startgeld gibt es keines: Für Mitglieder des Clubs sind alle Events kostenlos – und über jedes neue Mitglied aus der Triathlonszene freut sich der Club, auch über „Exoten wie Frank aus Hamburg“.
M40–44: Titelverteidiger trifft „Granaten“
Zum Abschluss der erste Teil einer neuen Serie: der Blick in die Altersklassen des Team Germany KONA26. Los geht es mit der M40–44 – auch aus eigenem Interesse, denn Lars ist erstmals in seiner Triathlonkarriere in eine neue Altersklasse aufgestiegen: „Ich bin da ein bisschen älter geworden wie ein Wein – hoffentlich auch ein bisschen besser.“ Als Titelverteidiger, der sich in Nizza in der M35–39 den WM-Titel holte, zählt er nun selbst zu den Favoriten. Doch die Konkurrenz hat es in sich: Von den 13 aktuell gemeldeten deutschen Athleten dieser Altersklasse bringen allein sieben WM-Erfahrung mit, die meisten mit zwei oder drei Teilnahmen.
Da ist etwa Dirk Oswald, schon zweimal auf Big Island gestartet (bestes Ergebnis: Platz 27 im Jahr 2024), der in diesem Jahr bei einem Ironman in Frankreich Tours als Gesamtvierter seine Altersklasse gewann – mit einer geschmeidigen 8:21:15. Oder Jan Seewald, der 2017 und 2019 beide Male in die Top 20 seiner Altersklasse lief und auf Hawaii zweimal unter einer Stunde schwamm – im Swimskin. Die Geschichten dahinter könnten unterschiedlicher kaum sein: Hier Lars Wichert, zweimaliger Ruder-Olympionike, dort Dirk Oswald, der einst als Raucher mit 105 Kilo unterwegs war. „Ich kann mit zwei Sachen bei Dirk nicht mithalten“, scherzt Lars. Dazu kommen Athleten wie Christoph Pundt vom Dümmer See, der mit seinen wöchentlichen „Aloha Community Runs“ 70 bis 80 Läufer auf die Tartanbahn bringt und sich mit exakt 8:59:59 qualifizierte – eine Zeit, die er sich tätowieren ließ. Und Daniel Heinath aus Berlin, der sich seinen Kona-Traum mit der Qualifikation in Thun erfüllte und in der Episode ganz stolz sein Mahalo an Frau, Trainer und Familie richtet.
In der kommenden Woche geht die Streckenbesichtigung weiter – dann mit der Wechselzone – und die nächste Altersklasse kommt unter die Lupe. Die ganze Folge „ALOHA FRIDAY: Der Ironman Hawaii von Meereshöhe bis auf die Gipfel“ gibt es bei Carbon & Laktat, der Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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