20 Jahre nach seinem letzten WM-Sieg kehrte Normann Stadler nach Hawaii zurück. Dort bremste ihn erst ein Speichenbruch, dann verhinderte eine Leistenverletzung das erhoffte Finish. Doch der 53-Jährige blickt keineswegs nur enttäuscht zurück.
Normann Stadler kennt auf Hawaii so ziemlich alle Seiten des Triathlons. Hier feierte er 2004 und 2006 seine größten Erfolge, hier erlebte er aber auch bittere Rückschläge: Dreimal hieß es für ihn als Profi DNF. 20 Jahre nach seinem zweiten WM-Triumph wollte der inzwischen 53-Jährige noch einmal als Athlet an jenen Ort zurückkehren, an dem er einst zum König von Kona wurde. Nicht, um der Welt zu beweisen, dass er es noch immer mit den Besten aufnehmen kann. Sondern weil ihn die Faszination Hawaii nie losgelassen hat. „Die Teilnahme war mein größter Erfolg“, lautet sein Fazit nach dem Rennen.
Das 3,8 Kilometer lange Schwimmen absolvierte Stadler in soliden 62 Minuten, obwohl er diese Disziplin nach eigener Aussage am wenigsten trainiert hatte. Damit lag er zunächst auf Rang 17 seiner Altersklasse M50–54. Der erste Rückschlag folgte dann in der Wechselzone: Wie Stadler in seiner Instagram-Story berichtete, war sein Wechselbeutel einige Zeit unauffindbar. Rund fünf Minuten musste er warten, ehe es mit seiner früheren Paradedisziplin weiterging.
Neue Technik für den früheren Überbiker
Für sein Comeback hatte der frühere Rad-Spezialist technisch aufgerüstet. Von seinem alten Kuota, mit dem er elf Jahre lang bis 2017 den Radstreckenrekord (4:18:23 Stunden) hielt, wechselte er auf eine moderne Rennmaschine von Ridley. Ein Windkanalvergleich versprach durch das optimierte Zusammenspiel von Rad, Helm und Anzug eine Ersparnis von 33 Watt beziehungsweise elf Minuten auf 180 Kilometern. Doch auf dem Rückweg von Hawi machte ein Speichenbruch die Hoffnungen auf eine starke Radzeit zunichte. „Mein Fehler. Ich habe ein Schlagloch übersehen“, sagt er später selbstkritisch. Stadler musste stoppen und auf ein Ersatz-Laufrad warten. Nach 5:27 Stunden erreichte er schließlich Kona.
Ein Marathon sollte allerdings nicht mehr folgen. Eine bereits in Deutschland erlittene Leistenverletzung hatte Stadler nicht rechtzeitig auskurieren können. Zudem berichtet er von einem Taubheitsgefühl im rechten Bein auf der zweiten Hälfte der Radstrecke. Er verzichtete deshalb auf den Lauf und beendete sein Comeback nach dem Radfahren. Für einen Athleten, der einst für seinen kompromisslosen Kampfgeist bekannt war, dürfte diese Entscheidung nicht leicht gewesen sein. Entsprechend vollzog sich das Renn-Aus aber gänzlich anders als bei seinem legendären Ausstieg 2005, dem Jahr zwischen seinen beiden WM‑Titeln. Nach mehreren Reifenschäden verlor er damals komplett die Fassung und schleuderte sein Rad vor laufenden Kameras in die Lava. Sein wütendes „Fucking tire“ wurde danach zum geflügelten Wort der Triathlonszene.
2011 hatte ein Aortenaneurysma in Verbindung mit einer defekten Aortenklappe eine mehrstündige Operation am offenen Herzen notwendig gemacht. Stadlers Profikarriere war damit abrupt beendet. Dass er 15 Jahre später überhaupt wieder körperlich gesund in Kona an der Startlinie stand, ist deshalb wohl seine größte Leistung. Auch ohne den erhofften Zieleinlauf.