Der Pazifik heizt sich auf wie seit 1950 nicht mehr: Die US-Klimabehörde NOAA erwartet für Herbst und Winter einen „sehr starken“ El Niño – möglicherweise der stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen. Was das für den Ironman Hawaii am 10. Oktober bedeutet, verraten die Klimadaten und ein Blick zurück auf 1982, 1997 und 2015. Spoiler: Es wird eher heiß als windig.

Wer sich in den vergangenen Wochen mit Big Island beschäftigt hat, kam an einem Namen nicht vorbei: Lala. Der Hurrikan zog am 16. August mit seinem Auge an der Südspitze der Insel vorbei, ließ im Distrikt Kaʻū Sturzfluten durch Nāʻālehu und Pāhala rauschen, zerstörte sechs Brücken, unterspülte einen Friedhof und schnitt das Krankenhaus von Kaʻū zeitweise von der Außenwelt ab. Rund 200.000 Haushalte waren ohne Strom, der Schaden liegt bei über 100 Millionen US-Dollar. Kailua-Kona im Westen der Insel und die Rennstrecke des Ironman Hawaii blieben weitgehend verschont. Doch Lala ist kein Einzelfall, sondern Symptom: Der Zentralpazifik erlebt ein El-Niño-Jahr – und was für eins.
Ein Super-El-Niño zum Renntag
El Niño ist die warme Phase einer natürlichen Klimaschwankung im tropischen Pazifik. Alle paar Jahre schwächen sich die Passatwinde entlang des Äquators ab, warmes Oberflächenwasser schwappt von Asien Richtung Südamerika, und die Wettermuster von Australien bis Kalifornien geraten aus dem Takt. Gemessen wird das Phänomen an der Wassertemperatur in der sogenannten Niño-3.4-Region. Dort lag die Abweichung im Juli bereits bei plus 1,4 Grad Celsius, und die Kurve zeigt steil nach oben. In ihrer Prognose vom 13. August gibt die NOAA eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent an, dass El Niño im Herbst und Winter 2026/27 „sehr stark“ ausfällt. Mit 69 Prozent Wahrscheinlichkeit wird es sogar das stärkste Ereignis seit 1950 – stärker als die legendären Jahrgänge 1982/83, 1997/98 und 2015/16.
Der Ironman Hawaii fällt damit mitten in die Aufbauphase eines möglichen Super-El-Niños. Für die Athletinnen und Athleten, die am 10. Oktober erstmals seit 2019 wieder gemeinsam an einem Tag in der Kailua Bay starten, sind drei Effekte relevant: der Wind, die Feuchtigkeit und die Hurrikansaison.
Weniger Mumuku, mehr Schwüle
Beginnen wir mit der guten Nachricht – zumindest für alle, die Angst vor den berüchtigten Seitenwinden bei Hawi haben. El Niño schwächt die Nordost-Passate über Hawaii. Der Nationale Wetterdienst in Honolulu rechnet für die kommenden Monate mit „mehr Tagen mit leichten Winden statt unserer typischen Passatwinde“. Die Mumuku-Böen, die auf dem Rückweg von Hawi schon so manches Zeitfahrrad quer über den Queen Kaʻahumanu Highway geschoben haben, werden von diesen Passaten angetrieben. Weniger Passat heißt tendenziell: weniger Sturm auf dem Rad.
Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: Wind ist an der Kona-Küste auch Kühlung. Wenn über den schwarzen Lavafeldern die Luft steht, staut sich die Hitze und die Luftfeuchtigkeit steigt. Dazu kommt, dass El Niño gelegentlich anomale West- oder Südwinde nach Hawaii bringt – das, was die Einheimischen „Kona-Wetter“ nennen: drückend, feucht, wolkig, mit Regenneigung an der sonst trockenen Westküste. Wer das Rennen 2022 verfolgt hat, erinnert sich, wie ein paar Grad mehr und ein paar Prozent höhere Luftfeuchtigkeit das Feld auseinandernehmen können.
Auch das Meer spielt mit. El Niño heizt den Zentralpazifik zusätzlich auf. Für die Neoprenfrage in der Bucht von Kailua vor dem kleinen Dig Me Beach ist das ohnehin irrelevant, aber wärmeres Wasser bedeutet, dass der Körper schon auf den 3,8 Kilometern weniger Wärme abgeben kann als üblich – und dass die Luft über dem Ozean noch mehr Feuchtigkeit trägt.
Die Hurrikansaison ist noch lange nicht vorbei
Historie: Ironman World Championship Hawaii
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