NEU! triathlon-News Ausgabe vom 9. Oktober, 19:01 Uhr · 0:47 Min · Kurzfassung

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Geschichte der Ironman-70.3-WM: Das Erfolgsformat feiert in Nizza 20-jähriges Jubiläum

Am 11. November 2006 fand die Premiere der Ironman-70.3-WM in Clearwater, Florida, statt. Nun feiert das Format sein 20-jähriges Jubiläum – und kehrt dafür am 12. und 13. September 2026 nach Nizza zurück. Ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft des beliebten und erfolgreichen Aushängeschilds auf der Mitteldistanz.    

Gustav Iden gewinnt die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2019
spomedis Bei der Ironman-70.3-WM 2019 in Nizza gewinnt Gustav Iden. Diesen Triumph könnte der Norweger 2026 an selber Stelle wiederholen.

Die Ironman-70.3-WM kehrt 2026 nach Nizza zurück. Dort gastierte das Format bereits 2019 mit einem spektakulären Rennen auf anspruchsvoller Strecke. Damals feierte die Schweizerin Daniela Ryf ihren fünften Weltmeisterschaftstitel auf der Mitteldistanz und ein gewisser Gustav Iden aus Norwegen betrat bei seinem zweiten 70.3-Rennen mit einem Paukenschlag in Form des WM-Triumphs die ganz große Triathlonbühne.   

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Zuletzt war Nizza der Schauplatz für einen Teil der Ironman-WM jeweils nach Geschlecht im Wechsel: 2023 und 2025 ermittelten in der französischen Stadt an der Côte d’Azur die Männer ihren Weltmeister (Sam Laidlow und Casper Stornes) auf der Langdistanz, ein Jahr später gewann die Heidelbergerin Laura Philipp an der Promenade des Anglais den ersten und letzten Ironman-WM-Titel der Frauen in Nizza. Denn im Vorjahr endete die kurze Geschichte der Ironman-WM in Nizza. Am 10. Oktober sind Frauen und Männer wieder auf Hawaii vereint, wie früher an einem Tag.

Die Jubiläumsausgabe ist am 12./13. September 2026 an der Côte d’Azur

Und Nizza? Die Stadt am Mittelmeer behält in diesem Jahr den Stellenwert als WM-Veranstalter und ist Austragungsort der Ironman-70.3-WM. Da sich der Eventkalender für Veranstalter Ironman mit einem WM-Termin weniger etwas entspannt hat, kehrt die Mitteldistanzweltmeisterschaft in den ursprünglich angestammten September zurück. Der Termin für die Jubiläumsausgabe 2026 steht lange fest: Die 20. Auflage einer Ironman-70.3-Weltmeisterschaft ist am 12./13. September in Nizza, 20 Jahre nach der Erstaustragung im US-amerikanischen Clearwater im Jahr 2006. Der ursprüngliche Plan, ebendort in Nizza auch die Ironman-70.3-WM 2028 auszutragen und optional auch 2030, ist inzwischen wieder hinfällig.

In den Jahren 2027 und 2029 geht es der Tradition folgend auf einen anderen Kontinent: 2027 heißt der Austragungsort Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee (wo die Weltmeisterschaft bereits 2017 gastierte) und 2029 findet das Event in Maskat statt, der Hauptstadt des Oman. Schließlich begann mit dem Rotationsprinzip der Austragungsorte auch die Erfolgsgeschichte dieses Formats. Für das Jahr 2028 ist Ironman noch auf der Suche nach einem Gastgeber, vermutlich in Europa.

Getty Images for IRONMAN Promenade des Anglais: Am 12. und 13. September 2026 kehrt die Ironman-70.3-WM nach Nizza zurück.

Wo kommt die merkwürdige Zahl 70.3 her?

Aber wie ist dieser Wettkampf mit der merkwürdigen Zahl 70.3 im Namen eigentlich entstanden? Und wie wurde die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft zum absoluten Aushängeschild der Mitteldistanz? Mit der ersten offiziellen Austragung eines „Half Ironman“ in Großbritannien fand die Triathlonmitteldistanz im Jahr 2001 Einzug in das Rennrepertoire des US-Unternehmens Ironman. 2005 wurde der Begriff „Ironman 70.3“ offiziell eingeführt. Der Name ergab sich aus den Distanzen: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen – in der Summe und umgerechnet sind das 70,3 Meilen. Grund war, wie so oft, das Marketing: Man wollte das Wort „Half“ eliminieren – die Teilnehmer und Finisher hatten ja schließlich für einen ganzen Triathlon bezahlt und am Ende einen ganzen Triathlon absolviert.

Im Jahr 2006 fand dann die erste Ironman-70.3-WM in Clearwater in den USA statt. Nach fünf Austragungen dort an der Golfküste Floridas ging die Veranstaltung für drei Weltmeisterschaften nach Henderson in Nevada, von denen der Deutsche Sebastian Kienle zwei gewinnen konnte. Im Nachhinein sah der ehemalige Ironman-Boss Andrew Messick die Location kritisch: „Das waren die am schlechtesten bewerteten Rennen, die wir in unserem Portfolio hatten. Das Schwimmen war schrecklich, das Radfahren war schrecklich. Es war heiß in der Wüste. Auf der Laufstrecke gab es keinen Schatten und es gab keine Möglichkeit, das zu ändern. Es gab keine Möglichkeit, diesen Ort in etwas Bemerkenswertes zu verwandeln.“

Seit 2014 wechseln die Austragungsorte jährlich: Mont-Tremblant in Kanada, das österreichische Zell am See, Mooloolaba in Australien, Chattanooga in den USA, Port Elizabeth (heute Gqeberha) in Südafrika und Nizza an der Côte d’Azur. 2020 fiel die WM Corona zum Opfer und die zweimalige Austragung des Wettkampfs in St. George im US-Bundesstaat Utah (2021 und 2022) war ebenfalls der Pandemie geschuldet. Danach wechselte das Event wieder: Lahti in Finnland (2023), das neuseeländische Taupō (2024) und Marbella in Spanien (2025) vervollständigten die bisherigen Austragungsorte der Ironman-70.3-WM.

Mit der Rotation über alle Kontinente begann der Siegeszug

Es ist die Rotation über alle Kontinente, die der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft zu ihrem sehr hohen sportlichen Stellenwert verhalf. Die Veranstaltungsorte waren jeweils vorher bereits für große Triathlonevents bekannt und die Organisatoren versuchten sich nun Jahr für Jahr daran, bei der Austragung an Spektakel und starken Starterfeldern zu überbieten. Für zahlreiche Topathleten wie Craig Alexander, Rekordgewinnerin Daniela Ryf (fünf Siege), Jan Frodeno oder Gustav Iden gehörte es praktisch zur Pflicht, an den WM-Rennen über die 113 Kilometer teilzunehmen. Als Frodeno 2019 bekannt gab, nicht an der 70.3-Weltmeisterschaft in Nizza teilzunehmen, war das fast ein Skandal.

Extrem beliebt bei den Agegroupern

Bei den Agegroupern nahmen Interesse und Wichtigkeit des Wettbewerbs von Jahr zu Jahr zu, denn für viele der Altersklassenathleten ist es etwas Besonderes, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Inzwischen gehen regelmäßig etwa 5.000 Agegrouper an den Start, mitunter häuften sich sogar die Beschwerden, dass die Teilnehmerzahl zu groß und alles zu voll sei. Seit einigen Jahren gibt es deshalb auch zwei Renntage: einen komplett für die Frauen, einen für die Männer – was auch dazu geführt hat, dass die Qualifikation für die Frauen bei deutlich kleineren Teilnehmerfeldern der Qualirennen einfacher wurde.

Mit „The Championship“ der Challenge Family bekam Ironman im Jahr 2017 erstmals Konkurrenz in Form einer weiteren Meisterschaft über die Mitteldistanz. Allerdings liegt das Event, das traditionell im slowakischen Šamorín ausgetragen wird, mit etwa 500 Startern deutlich unter den Teilnehmerzahlen der Ironman-70.3-WM.

Sina Horsthemke / spomedis Michael Raelert war 2009 der erste deutsche Ironman-70.3-Weltmeister. Hier bei seiner Titelverteidigung 2010.

Deutsche Titelträger bei der Ironman-70.3-WM

Wer aus deutscher Sicht einen Blick auf die Geschichte der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft wirft, entdeckt Michael Raelert als ersten Eintrag in der Siegerliste der Profis (siehe unten). Der Rostocker wurde 2009 Ironman-70.3-Weltmeister. Bei diesem Triumph in Clearwater (USA) stellte der heute 46-Jährige mit einer Zeit von 3:34:04 Stunden zudem eine Bestmarke auf der Mitteldistanz auf, die mehr als neun Jahre Bestand haben sollte.

Und auch 2010 kam niemand an Michael Raelert vorbei: Als erstem Athleten gelang es ihm, in diesem Wettbewerb den Weltmeistertitel zu verteidigen. Das gleiche Kunststück vollbrachte Sebastian Kienle 2012 und 2013, und auch Jan Frodeno wurde zweimal Weltmeister (2015 und 2018) auf der halben Ironman-Distanz. Den ersten deutschen Podiumsplatz bei den Männern holte Michaels älterer Bruder Andreas Raelert, der 2008 Zweiter wurde. Ganz im Zeichen deutscher Athleten stand der Wettbewerb im Jahr 2023: Im finnischen Lahti gewann überraschend der Leipziger Rico Bogen, das schwarz-rot-goldene Podium komplettierten Frederic Funk (Platz zwei) und Jan Stratmann.

Im Medaillenspiegel der Nationen steht Deutschland mit sieben Siegen ganz oben, gefolgt von Großbritannien und Australien (jeweils sechs Siege). In der Gesamtheit der Podiumsplätze bringen es deutsche Athletinnen und Athleten auf 17 Medaillen. Hier liegen Großbritannien und die USA vorn, mit insgesamt 21 Top-3-Platzierungen.

Bei den Frauen wartet Deutschland noch auf den ersten WM-Titel

Bei den Frauen gab es bei 19 Austragungen der Ironman-70.3-WM tatsächlich noch keine deutsche Siegerin. Anja Beranek (2015), Laura Philipp (2017), Anne Haug (2018) und Tanja Neubert im Vorjahr schafften es aufs Podest und belegten jeweils den dritten Rang. Hier ist also noch Nachholbedarf aus deutscher Sicht.

Bei den Männern könnte Jelle Geens in diesem Jahr in Nizza der erste Athlet sein, dem ein Titelhattrick gelingt. Der Belgier gewann 2024 in Taupō und im Vorjahr in Marbella. Dreimal in Folge zu triumphieren, schafften bei den Frauen die Schweizerin Daniela Ryf (2017–2019) und Taylor Knibb (2022–2024) aus den USA. Der Norweger Gustav Iden könnte mit einem zweiten Titel in Nizza seinen dritten Erfolg bei einer Ironman-70.3-WM feiern, was noch keinem männlichen Profi gelungen ist.

Unter den Weltmeistern der Ironman-70.3-WM sind insgesamt neun Athletinnen und Athleten, die auch die Ironman-WM über die Langdistanz gewinnen konnten. Darunter auch fünf Profis, denen das Kunststück gelang, beide Titel im selben Jahr zu holen: Craig Alexander aus den USA (2011), Leanda Cave aus Großbritannien (2012), Jan Frodeno (2015), Daniela Ryf gleich dreimal (2015, 2017, 2018) und Kristian Blummenfelt (2022). Der Norweger errang die beiden WM-Siege am selben Ort, nämlich in St. George im US-Bundesstaat Utah.

Die Pro Series wertet die Ironman-70.3-WM auf

Im Jahr des Triumphs von Rico Bogen, also 2023, fragten sich viele Experten und Fans, ob das Format der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft an Bedeutung verlieren könnte. Zum einen, weil das Event terminlich hin und her geschoben wurde: 2023 im August, 2024 und 2025 spät im Dezember beziehungsweise im November. Und zum anderen, weil die Profi-Veranstaltungen der Professional Triathletes Organisation (PTO) zu echtem Konkurrenzdruck für Ironman führten. Das hohe Preisgeld beim 100-Kilometer-Format der T100 Triathlon World Tour und die starke Präsenz in TV und Social Media sorgten regelmäßig dafür, dass sich dort die Weltelite an der Startlinie versammelte.

Doch die Gegenmaßnahme von Ironman, 2024 die Ironman Pro Series eingeführt zu haben, darf als cleverer Schachzug gewertet werden. Und dabei spielt die Ironman-70.3-WM aufgrund der enorm hohen Punktzahl, die es für die Athleten zu erreichen gibt, weiterhin eine wichtige Rolle. Nur wer dort startet, hat eine echte Chance, den Gesamtsieg in der Serie einzufahren – und sich dabei noch einen hochwertigen Weltmeisterschaftstitel zu sichern. Diesmal im französischen Nizza.

Die Geschichte der Ironman-70.3-WM

Alle Orte, alle Sieger
JahrOrtSiegerinSieger
2006Clearwater (USA)Samantha McGlone (CAN)Craig Alexander (AUS)
2007Clearwater (USA)Mirinda Carfrae (AUS)Andy Potts (USA)
2008Clearwater (USA)Joanna Zeiger (USA)Terenzo Bozzone (NZL)
2009Clearwater (USA)Julie Dibens (GBR)Michael Raelert (GER)
2010Clearwater (USA)Jodie Swallow (GBR)Michael Raelert (GER)
2011Henderson (USA)Melissa Rollison (AUS)Craig Alexander (AUS)
2012Henderson (USA)Leanda Cave (GBR)Sebastian Kienle (GER)
2013Henderson (USA)Melissa Hauschildt (AUS)Sebastian Kienle (GER)
2014Mont-Tremblant (CAN)Daniela Ryf (SUI)Javier Gomez (ESP)
2015Zell am See (AUT)Daniela Ryf (SUI)Jan Frodeno (GER)
2016Mooloolaba (AUS)Holly Lawrence (GBR)Tim Reed (AUS)
2017Chattanooga (USA)Daniela Ryf (SUI)Javier Gomez (ESP)
2018Port Elizabeth (RSA)Daniela Ryf (SUI)Jan Frodeno (GER)
2019Nizza (FRA)Daniela Ryf (SUI)Gustav Iden (NOR)
2020abgesagt
2021St. George (USA)Lucy Charles-Barclay (GBR)Gustav Iden (NOR)
2022St. George (USA)Taylor Knibb (USA)Kristian Blummenfelt (NOR)
2023Lahti (FIN)Taylor Knibb (USA)Rico Bogen (GER)
2024Taupō (NZL)Taylor Knibb (USA)Jelle Geens (BEL)
2025Marbella (ESP)Lucy Charles-Barclay (GBR)Jelle Geens (BEL)
2026Nizza (FRA)
2027Chattanooga (USA)
2028– offen –
2029Maskat (OMN)
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Christian Wriedt
Christian Wriedt
Schreiben und Bearbeiten von Texten, Verbesserung der internen Abläufe und Erstellung von Abgabeplänen – das ist der tägliche Dreikampf von Christian Wriedt in der triathlon-Redaktion. Der studierte Sportwissenschaftler ist vor allem aufgrund seiner langjährigen journalistischen Erfahrung verpflichtet worden. Dem Triathlon begegnet der gebürtige Hamburger und leidenschaftliche Fußballer mit großer Neugier und noch größerem Respekt.

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