Das Supertri Pro Series Final in Jersey bringt am Sonntag eines der spektakulärsten Kurzdistanzfelder der Saison zusammen. Auf der Kanalinsel trifft Olympiasieger Alex Yee erstmals in diesem Jahr wieder auf seinen großen Rivalen Hayden Wilde.

Das Supertri Pro Series Final in Jersey bringt am Sonntag eines der spektakulärsten Kurzdistanzfelder der Saison zusammen. Auf der Kanalinsel trifft Olympiasieger Alex Yee erstmals in diesem Jahr wieder auf seinen großen Rivalen Hayden Wilde. Dazu kommt Matt Hauser, der amtierende Weltmeister, der die Kurzdistanz in der Abwesenheit der beiden prägenden Namen der vergangenen Jahre entscheidend mitgestaltet hat. Für die deutsche Perspektive ist das Rennen ebenfalls hochinteressant: Tim Hellwig steht im Männerfeld und hat sich seinen Platz im Finale mit einem Sieg beim Auftaktrennen der Supertri Pro Series in Austin gesichert.
Das Finale findet am Sonntag, 6. September, statt. Die Frauen starten um 14:10 Uhr Ortszeit, die Männer folgen um 15:20 Uhr, was 16:20 Uhr deutscher Zeit entspricht. Übertragen wird das Rennen live über den YouTube-Kanal von Supertri sowie über weitere Partner und TriathlonLive.tv.
Ein Dreikampf mit Geschichte
Yee gegen Wilde war in den vergangenen Jahren eines der Duelle, die die Kurzdistanz getragen haben. Bei den Olympischen Spielen in Paris holte Yee auf den letzten Laufkilometern einen Rückstand von 14 Sekunden auf und entriss Wilde Gold. Beim Supertri Grand Final in NEOM setzte sich der Brite später erneut durch, diesmal mit nur einer Sekunde Vorsprung. Wilde gewann damals immerhin die Gesamtwertung der Serie. Seit der WTCS French Riviera im August 2025 standen die beiden nicht mehr gemeinsam an einer Startlinie.
In Jersey wird daraus kein reines Duell, sondern ein Dreikampf. Matt Hauser kommt als amtierender Weltmeister und mit einer starken WTCS-Saison. Der Australier gewann drei seiner fünf WTCS-Rennen in diesem Jahr, hatte zuletzt in Weihai nach einem Radsturz aber nicht die perfekte Vorbereitung. Dort wurde er Zehnter, sein erstes Ergebnis außerhalb der Top zwei in dieser Saison. Jersey passt dennoch in seinen Plan: Hauser nutzt das Rennen als schnellen Schärfetest vor dem WTCS-Finale in Pontevedra – bei 100.000 US-Dollar Siegprämie allerdings nicht als lockere Trainingseinheit.
Yee wiederum kommt nach seiner Rückkehr auf die Kurzdistanz noch nicht in Bestform. Wilde hat in der Zwischenzeit stärker auf längere Formate wie T100 und Ironman 70.3 gesetzt. Genau diese unterschiedlichen Wege machen das Rennen interessant: Der Olympiasieger sucht wieder die alte Kurzdistanzschärfe, Wilde bringt Rennhärte aus anderen Formaten mit, Hauser hat die aktuelle Weltklasse-Form bereits bewiesen.
Tim Hellwig als deutscher Faktor
Zwischen diesen großen Namen steht Tim Hellwig. Der Deutsche ist nicht nur ein weiterer Starter im Feld, sondern einer der Athleten, die sich sportlich über die Serie für Jersey empfohlen haben. Hellwig gewann im Mai das Auftaktrennen der Supertri Pro Series in Austin und qualifizierte sich damit direkt für das Finale.
Dieser Sieg war mehr als ein Ergebnis auf dem Papier. Nach einer längeren Verletzungsphase zeigte Hellwig in Austin, dass er auf dem kurzen, intensiven Format wieder konkurrenzfähig ist. In heißen Bedingungen kam er gut mit dem Tiefwasserstart zurecht, arbeitete auf dem Rad mit Seth Rider zusammen, setzte sich mit ihm ab und entschied das Rennen anschließend auf der Laufstrecke für sich. Offizielle Supertri-Berichte beschreiben den Auftritt als deutlichen Hinweis darauf, dass Hellwigs Comeback nahezu abgeschlossen sei.
Damit bringt Hellwig genau das mit, was in Jersey gefragt ist: Startschärfe, Erfahrung im Format, gute Wechsel, aggressives Radfahren und die Fähigkeit, am Ende eines extrem kurzen Rennens noch einmal zu laufen. Gegen Yee, Wilde und Hauser wird er nicht die gesamte Favoritenlast tragen, aber er ist einer jener Athleten, die das Rennen stören können. Wenn er die erste Hälfte sauber übersteht, nicht in die Eliminationszone gerät und auf dem Rad die richtigen Bewegungen mitgeht, ist ein vorderes Ergebnis möglich.
Das Männerfeld ist ohnehin nicht nur auf die drei großen Namen reduziert. Neben Hellwig stehen unter anderem Oliver Conway, Tyler Mislawchuk, Luke Willian, Csongor Lehmann, Seth Rider, Tayler Reid und weitere Qualifikanten auf der Startliste. Gerade Mislawchuk kommt mit starkem Momentum nach Jersey, nachdem er zuletzt bei der WTCS in Weihai Dritter wurde.
Das Format bestraft jeden Fehler
Jersey wird im klassischen Supertri-Enduro-Format ausgetragen. Die Athleten absolvieren drei ununterbrochene Runden aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. Jede Runde besteht aus 300 Metern Schwimmen, vier Kilometern Radfahren und 1,6 Kilometern Laufen. Insgesamt ergibt das 900 Meter Schwimmen, zwölf Kilometer Radfahren und 4,8 Kilometer Laufen – dazu kommen sechs Wechsel und kaum ein Moment zum Durchatmen.
Gerade diese Wechsel und Positionskämpfe machen das Rennen so brutal. Wer schlecht aus dem Wasser kommt, den Weg in die Wechselzone verpasst, auf dem Rad nicht sofort im richtigen Zug sitzt oder beim Laufen auch nur kurz aus dem Rhythmus fällt, verliert in diesem Format nicht nur Sekunden, sondern im schlimmsten Fall das Rennen. Hinzu kommt die 90-Sekunden-Regel: Wer an festgelegten Punkten mehr als 90 Sekunden hinter der Spitze liegt, kann aus dem Rennen genommen werden.
Ein weiteres taktisches Element ist die Short Chute. Sie kann auf dem finalen Lauf genutzt werden und bietet auf den letzten Metern einen potenziell entscheidenden Vorteil. 2026 werden die Short Chutes nicht mehr durch Teams verdient und verteilt, sondern von den Athletinnen und Athleten selbst erarbeitet. Dadurch wird aggressives Racing in den frühen Rennphasen noch wichtiger.
Jersey bleibt Supertris besondere Bühne
Jersey gilt als eine Art Heimat der Serie. Die Kanalinsel war 2017 Schauplatz des ersten vollständigen Supertri-Events und richtete seitdem mehrere Rennen aus. Das Rennen spielt sich rund um die Elizabeth Marina in St Helier ab. Geschwommen wird in der Marina, danach wartet ein steiler Weg Richtung Wechselzone. Die Radstrecke ist eng und technisch, Positionierung, Beschleunigung und Bikehandling sind entscheidend. Der Wind kann auf der exponierten Strecke zusätzlich eine Rolle spielen.
Für 2026 wurde der Kurs an einer Stelle entschärft. Der Kreisverkehr, an dem Jonny Brownlee im vergangenen Jahr gestürzt war, ist nicht mehr Teil der Strecke und wurde durch eine Wende ersetzt. Viel Fehlertoleranz bietet der Kurs trotzdem nicht. Drei Radabschnitte, wiederholte Wechsel und die hohe Intensität sorgen dafür, dass selbst kleine Ungenauigkeiten teuer werden können.
Beaugrand gegen Supertri-Spezialistinnen

Auch das Frauenrennen ist stark besetzt. Cassandre Beaugrand kommt als Olympiasiegerin und mit perfekter WTCS-Bilanz in dieser Saison nach Jersey. Sie gewann alle vier bisherigen WTCS-Starts 2026 und reist mit maximaler Punktzahl in Richtung WTCS-Finale. Ihre Laufgeschwindigkeit macht sie im Supertri-Format besonders gefährlich. Gleichzeitig darf sie sich nicht darauf verlassen, erst im finalen Lauf alles zu entscheiden. In Jersey können schlechte Positionierung, ein zäher Wechsel oder ein verpasster Bike-Move sofort bestraft werden.
Die größte Supertri-Erfahrung bringt Georgia Taylor-Brown mit. Die Britin ist die erfolgreichste Athletin der Serie, gewann die Gesamtwertung bereits dreimal und kennt die kurzen, hektischen Rennen wie kaum eine andere. Dazu kommt Titelverteidigerin Jeanne Lehair, die im vergangenen Jahr die Supertri-Wertung gewann und auf Jersey erneut eine der gefährlichsten Athletinnen sein dürfte. Jolien Vermeylen reist nach ihrem Sieg beim Qualifier in Blenheim Palace ebenfalls mit einem klaren Nachweis an, dass ihr dieses Format liegt.
Das Frauenfeld wird durch Léonie Périault, Emma Lombardi, Olivia Mathias, Eve Whitaker, Zuzana Michaličková und weitere Starterinnen ergänzt. Auch Lokalstarterin Siena Stephens steht im Feld und bringt zusätzliches Jersey-Interesse in das Rennen.
Das größte Preisgeld des Tages
Die sportliche Dichte erklärt sich auch durch das Preisgeld. Insgesamt werden 800.000 US-Dollar ausgeschüttet, jeweils 400.000 US-Dollar für Männer und Frauen. Die Siegerinnen und Sieger erhalten je 100.000 US-Dollar, Platz zwei bringt 75.000 US-Dollar, Platz drei 60.000 US-Dollar. Das Preisgeld reicht bis Rang zehn.
Für Supertri markiert das Finale auch strukturell einen Einschnitt. 2026 wird nicht mehr im früher prägenden Teamformat gefahren, sondern individuell. Die Qualifikationsrennen in Austin, Blenheim Palace und Toronto boten jeweils drei Athletinnen und Athleten pro Geschlecht den Weg ins Finale. Dadurch steht in Jersey eine Mischung aus eingeladenen Stars und Athleten, die sich ihren Platz im direkten Rennen erarbeitet haben.
Ein Finale ohne Sicherheitsnetz
Das Supertri-Finale in Jersey ist damit mehr als ein Showdown der großen Namen. Es ist ein Rennen ohne Sicherheitsnetz. Yee, Wilde und Hauser bringen die große Erzählung mit. Hellwig bringt die deutsche Perspektive und den Nachweis, dass er dieses Format 2026 bereits gewinnen konnte. Beaugrand kommt als überragende Kurzdistanz-Athletin der Saison, Taylor-Brown als Supertri-Spezialistin, Lehair als Titelverteidigerin.
Auf dem Papier sind die Distanzen kurz. Im Rennen werden sie lang, weil es keine ruhige Phase gibt. Wer gewinnen will, muss schwimmen, fahren, laufen, wechseln, taktieren und reagieren – dreimal hintereinander, ohne Pause. Genau deshalb ist Jersey so reizvoll: Es gewinnt nicht zwingend der größte Name. Sondern die Athletin oder der Athlet, der in knapp einer Stunde am wenigsten falsch macht.


















