Acht Tage Regendusche in Norwegen: Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski mussten ihre Tagesplanung bei der Tour rund um Europa anpassen. Sie nähern sich dem Nordkap – und stoßen auf besondere Begleiter.
Richtig dunkel wird es dort, wo sich Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski derzeit aufhalten, nicht mehr. Die Sonne geht zwar noch unter. Und graue Wolken verhängen den Himmel. Aber in Mittelnorwegen bleibt es trotz später Uhrzeit hell. Für die beiden Abenteurer bedeutet dieser Umstand mehr Flexibilität. Acht Tage lang hat es zuletzt durchgeregnet, teilweise Nieselregen, teilweise heftige Schauer, einmal sogar mit Hagel. Klitschnass traten Rutkowski und Deichmann unbeirrt in die Pedale. „Es war nicht nur nass, sondern auch kalt. Zwischen acht und zwölf Grad Celsius“, sagt Deichmann. Kurzerhand haben beide ihren Tagesplan angepasst. „Wir sind auch mal um vier Uhr morgens gefahren, oder spät nachts, auf leeren Straßen, um ein paar Stunden bei nur leichtem Regen oder ganz trockenem Wetter unterwegs zu sein.“ Die Bedingungen könnten also freundlicher sein. Dennoch betont Deichmann: „Es ist wunderschön hier.“
Intervalle gegen Wartezeiten
Die Widrigkeiten stoppen die beiden Extremsportler nicht. „Wir kommen gut voran, unser längster Tag hatte 240 Kilometer. Und wir waren in den vergangenen Tagen komplett an der Küste unterwegs.“ Für das mentale Wohlbefinden ist diese spektakuläre Route Balsam. „Diese Atlantikroute ist toll. Berge, Inseln. Wir mussten teilweise über Brücken fahren, manchmal die Fähre nehmen – da musst du schon genau planen, ob die Fähre jede halbe oder nur alle zwei Stunden fährt. Eventuell streust du dann ein kleines Intervall ein, um keine lange Wartezeit zu riskieren“, sagt Deichmann mit einem Augenzwinkern.
Schlafen auf der Tribüne
Die Fähren bringen allerdings etwas mit, was beide zumindest eine Nacht mit Kusshand genommen haben: Wartebereiche an Land. Überdacht. Trocken. „Da ist nachts ja niemand. Daher konnten wir in dem kleinen Häuschen schlafen. Ansonsten haben wir gezeltet.“ Einmal aber fanden beide auch an einem weiteren ungewöhnlichen Ort Unterschlupf: Auf der Tribüne eines Fußballplatzes. Allzu wählerisch dürfen sie nicht sein.
Elche sorgen für Begeisterung
Mittlerweile sind Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski rund 300 Kilometer nördlich von Trondheim. „Der Großraum um diese Stadt ist urbanisiert und war landschaftlich nicht sonderlich spektakulär. Mit Dörfern und Landwirtschaft. Jetzt wird es aber wieder einsamer, die Distanzen länger.“ Da passt es ins Bild, dass beide in dieser Einsamkeit plötzlich neue Begleiter finden: Elche. Fünf haben insgesamt bereits ihren Weg gekreuzt. Einer wollte sich die Besucher ganz genau anschauen. „Bei der Zeltplatzsuche ist er zehn Meter vor Josi über den Weg gerannt. Ein schönes Erlebnis.“
Das Nordkap im Visier
Rund 10.000 der insgesamt 24.000 Kilometer liegen noch vor ihnen. „Uns geht es gut und es läuft alles soweit.“ Nächste Woche wollen sie am Nordkap ankommen. Das Wetter hat am heutigen Freitag auch etwas umgeschlagen: 15 Grad und fast komplett trocken. „Es soll besser werden“, so Deichmann. Gute Aussichten also.