Schrecksekunde für Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski bei ihrer Tour um Kontinentaleuropa: Ein Hund, der etwas gegen Radfahrer hat, sorgt für einen Krankenhausaufenthalt. Hinzu kommt starker Wind von vorn. Entschädigt werden beide durch besondere Landschaften.
Wenn man es positiv sehen möchte, kommt man zu folgendem Schluss: Von Monotonie ist bei Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski bislang keine Spur. Das Projekt „Around Europe“, bei dem beide mit dem Rad um Kontinentaleuropa fahren, hält immer mal eine kleine oder große Überraschung bereit. In der vergangenen Woche waren es gleich mehrere. Von Highlights zu sprechen, träfe nur für einen Teil zu. Hundebiss, Krankenhausaufenthalt, Gegenwind. „Es war eine Woche mit einigen Höhen und Tiefen“, erklärte Jonas Deichmann.
Eine Woche voller Höhen und Tiefen
Während der Fahrt durch Andalusien ging es durch das Hinterland Gibraltars. „Unglaublich schön, mit Megaanstiegen, eine absolute Traumgegend“, erklärt Deichmann. Beide Abenteurer erlebten auf zahlreichen Gravelstrecken eine brütende Hitze. „Teilweise waren das 40 Grad und kaum Schatten. Wir sind aber gut voran- und nach Tarifa gekommen.“ Der südlichste Punkt Kontinentaleuropas war ein kleiner Meilenstein. „Bis dahin hatten wir nur Höhenmeter in Spanien. Von Tarifa aus ging es aber ziemlich flach bis zur Grenze nach Portugal.“ Was folgte, war ein absolutes Highlight: der Doñana-Nationalpark, südlich von Sevilla. „Es war ziemlich besonders, dort 30 Kilometer bei Ebbe auf dem Strand entlangzufahren. Die ersten 20 Kilometer gingen gut, dann kamen Abschnitte mit tieferem Sand, wo wir teilweise schieben mussten. Aber es hat geklappt. Wir waren in zweieinhalb Stunden durch“, sagt Deichmann.
Dann ging es über die Grenze nach Portugal, wo Rutkowski und Deichmann die Algarve hinter sich ließen. „Das ist eben eine Touristengegend, aber im Hinterland kann man da super fahren.“ Am südwestlichsten Punkt Europas erwartete Cabo Sâo Vicente die beiden mit einem besonderen Begrüßungskomitee. „Dort herrschte brutaler Wind. Josi hatte Mühe, ihr Fahrrad zu halten, und ist fast davongeweht worden. Aber es ist ein spektakulärer Ort. Wir haben dort in der Nähe auf Klippen übernachtet, 100 Meter über dem Meer. Spektakulär“, so Deichmann.
Schrecksekunde Hundebiss
Der Gegenwind hat sich anschließend zum verlässlichen Begleiter entwickelt. „Teilweise konnten wir nur 12 oder 13 km/h fahren. Mittlerweile ist es ein bisschen besser, aber wir werden in ganz Portugal wahrscheinlich Gegenwind haben.“ Am Montag sind beide die Küste gen Norden gefahren und gönnten sich einen Zwischenstopp in Aljezur, wo ein Freund mit seiner Familie derzeit den Urlaub verbringt. „Bis dahin waren wir super im Zeitplan“, betont Deichmann – denn was anschließend kam, bremste ihn und Josefine Rutkowski vorerst aus, inklusive Schreckmoment. „Beim Losradeln in Aljezur waren zwei Hunde am Straßenrand vor einem Haus. Ein Hund ist von einer Mauer direkt an meine Wade gehüpft und hat zugebissen. Da konnte ich nichts machen“, so Deichmann.
Er habe direkt den Arzt seines Vertrauens angerufen, Bernd Langenstein, der ihn auch im Rahmen der Challenge 120 betreut hat. „Er hat gesagt, ich soll direkt ins Krankenhaus, wegen eines hohen Entzündungsrisikos. Wir waren erst in einem kleinen Gesundheitszentrum in der Ortschaft. Dort wurde es professionell gereinigt, dann sind wir nach Sines geradelt, circa 100 Kilometer entfernt, haben ein Hotel genommen und sind dort in ein richtiges Krankenhaus gegangen. Ich habe eine Tetanusimpfung bekommen – meine letzte war schon zu lange her. Die Wunde wurde gut verbunden und gereinigt“, erklärt Deichmann und gibt Entwarnung. „Es sieht alles gut und nicht entzündet aus. Aber es tut noch ein bisschen weh und ich muss aufpassen, dass dort kein Schmutz reinkommt.“
Ankunft in Cabo da Roca
Am Mittwoch ging es schließlich 70 Kilometer weiter gen Norden, wo beide Abenteurer erneut ausgebremst wurden. Ein Streik an der Fähre nach Setúbal verhinderte die zügige Weiterfahrt. Eine Alternativroute gab es nicht. „Alle Brücken, die nach Lissabon führen, darf man mit dem Rad nicht befahren. Das sind Autobahnen.“ Gegen 18 Uhr legte schließlich eine Fähre ab und beide erreichten schließlich Lissabon. Zeit für ein ausgiebiges Sightseeing war aber nicht. Es ging direkt zum westlichsten Punkt Kontinentaleuropas, Cabo da Roca, wo er einst zu seiner Eurasien-Rekordtour aufgebrochen war. Der Ort rief Erinnerungen wach. Auf dem weiteren Weg nach Norden bleibt ein treuer Begleiter: der Gegenwind.