Sie liegen voll im Plan. Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski blicken bei ihrer Europatour auf drei Italien-Wochen voller Unwägbarkeiten und Herausforderungen zurück. Nicht nur in Bezug auf das Streckenprofil. Ab Samstag führt die Route beide durch Frankreich – und es wird flacher.

Von Eintönigkeit kann auf der bisherigen Route ihres Projekts „Around Europe“ keine Rede sein. Und doch könnte es für Jonas Deichmann etwas mehr Vielfalt sein. Drei Wochen sind er und Josefine Rutkowski bereits mit dem Fahrrad unterwegs, entlang der Grenzen Kontinentaleuropas. Beziehungsweise vorerst überwiegend nur Italiens. Mehr als 3.400 Kilometer haben die beiden Abenteurer in dieser Zeit zurückgelegt. Mit mehr als 50.000 Höhenmetern. Am Samstag wollen beide die Grenze zu Frankreich überqueren. „Da freuen wir uns drauf. Nach mehr als 3.000 Kilometern durch ein Land – San Marino und den Vatikan mal ausgeklammert – ist mal wieder Zeit für ein bisschen Abwechslung“, betont Deichmann. Dabei waren die bisherigen Tage durchaus von Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen geprägt. Und die vergangene Woche hielt ein besonderes Highlight bereit.
Wege existieren nicht mehr
Aktuell fahren beide durch Ligurien. „Uns geht es gut und wir kommen voran“, so Deichmann. Nach zehn Tagen waren beide im Bereich der Straße von Messina angelangt, die zwischen Kalabrien und Sizilien liegt. Immer wieder mussten die Extremsportler auf ihrer Tour umdisponieren. „In Süditalien sind viele Wege, die wir für unsere Graveltour geplant hatten, zugesichert – oder sie existieren einfach nicht mehr. Oder sie sind in ganz schlechtem Zustand. Die Route hat also nicht funktioniert. Ein schönes Abenteuer“, erklärt Deichmann.
Einsame Straßen
Der Süden habe beide häufig ins Landesinnere und weg von der Küste getrieben. In verlassene Gegenden, immerhin mit tollen Pässen wie dem durch das Aspromonte-Gebirge auf einer einsamen Straße „mitten im Nirgendwo durch verlassene Bergdörfer“. Kurz vor Neapel zog es sie dann doch wieder an die Küste, 200 Kilometer, die „richtig schön waren, südlich der Amalfiküste.“ Deichmann: „Es war eine tolle Strecke, die auch vom Verkehr her in Ordnung war.“

Die ewige Stadt
Was folgte, war ein absolutes Highlight: die ewige Stadt. „Es war ziemlich einfach, durch Rom zu kommen, diese beeindruckende Stadt. Das ging über die Straße ganz wunderbar. Ab Rom ist es ein komplett anderes Italien. Man merkt, dass in dieser Region mehr Geld vorhanden ist, mehr Infrastruktur. Südlich von Rom haben wir ganz wenige Radfahrer gesehen, teilweise tagelang keinen einzigen. Und kaum Touristen. Ab Rom ist plötzlich alles voll mit Radfahrern und Touristen.“ Die beiden Abenteurer sind der Via Francigena gefolgt, einem alten Pilgerweg, der aus Rom heraus- und bis nach Canterbury in England führt. So weit sind Deichmann und Rutkowski freilich nicht gefahren. Der Plan sieht anderes vor. In Norditalien haben die Gravelrouten sie vorerst begeistert. „Das ist richtig geil“, frohlockt der Abenteurer. „Alles funktioniert. Es ist komplett anders. Die letzten Tage durch die Toskana nach Siena waren richtig geil. Der schönste Abschnitt von Italien.“ Auch den schiefen Turm von Pisa haben beide passiert.

Jetzt heißt es erst einmal durchatmen. Der bergigste Abschnitt liegt hinter Deichmann und Rutkowski. In Frankreich stehen zwar noch ein paar Höhenmeter rund um Nizza an, danach folgen aber zwei Tage durch flachere Gefilde.










