Norwegen haben Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski fast hinter sich gelassen – und bezeichnen die Etappe durch das Land der Wikinger als „schwierigsten Teil“ ihres Projekts. Nicht nur wegen des Wetters. Nachdem sie mit dem Nordkap den Wendepunkt erreicht haben, geht es ab sofort wieder Richtung Süden.
Weiterer Meilenstein erreicht: Mit dem Nordkap sind Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski bei ihrem Projekt „Around Europe“ am nördlichsten Punkt der Route angekommen. Mit dem Gedanken, ab sofort wieder in Richtung Süden unterwegs zu sein, stiegen auch die Aussichten auf bessere Bedingungen. „Ab Sonntag sollten wir in Finnland sein. Dann dürfte es zunächst in Lappland noch frisch werden, anschließend aber wärmer und das Wetter wieder stabiler“, freuen sich die beiden Abenteurer. Bis zum Nordkap nämlich hatten die Naturgewalten und die Fährgesellschaften ihren eigenen Pläne für Deichmann und Rutkowski bereitgehalten. Trotzdem kamen die Extremsportler in Norwegen schneller voran als gedacht. Weil sie sich flexibel auf die Gegebenheiten eingestellt haben.
„Nachtsprint“ zur Fähre
So weit im Norden, bleiben die Tage lange hell – selbst, wenn das Wetter nicht immer mitspielt. Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski nutzten das aus und legten den einen oder anderen „Nachtsprint“ ein, wie es der Abenteurer formuliert. Die Intervalle waren nicht zufällig gewählt: Die Fahrpläne der Fähren, die zwischen den Inseln und dem Festland in Norwegen verkehren, waren so getaktet, dass es beide Extremsportler mitunter zwei bis drei Stunden gekostet hätte, wenn sie eine Überfahrt verpassen. Um vier Uhr morgens erreichten sie die Lofoten. „Wir sind dann direkt weitergefahren. Die Lofoten gehören zu den Teilen Norwegens, die viel Autoverkehr haben. Es sind extrem viele Wohnmobile, Campervans und LKW auf der einen Straße, die es hier gibt, unterwegs. Wir haben uns daher dazu entschlossen, frühmorgens zu fahren“, berichtet Deichmann. „Die Gegend ist wunderschön. Aber es hat viel geregnet. Daher haben wir von der Umgebung gar nicht so viel gesehen.“
Die Wolken hingen tief, Nebel machte sich breit. Es blieb trotz der knapp 300 Kilometer ein eher kurzer Abschnitt ihrer Route. „Wir haben die gesamten Lofoten an einem Tag durchquert, hatten dabei viel Rückenwind. Wir haben uns beeilt, weil wir wussten, dass es dort am nächsten Tag noch mehr regnen würde.“ Flucht vor dem Wetter. Flucht nach vorn. „Wir haben die Bedingungen so gut es ging ausgenutzt. Und: Es war Josis längste Tagesradtour überhaupt“, so Deichmann.
Von den Lofoten steuerten beide die Insel Senja an. Eine malerische Landschaft – die für das Paar aber hinter dichtem Nebel und strömendem verborgen blieb. „Wir haben leider gar nichts gesehen.“ Erst mit der Ankunft in Tromsø lichtete sich der Nebel und die Sonne zeigte sich zur Abwechslung mal wieder. Josefine Rutkowski traute dem Frieden aber nicht und kaufte sich in der Stadt kurzerhand eine Regenhose. Bei 19 Grad Celsius und Sonnenschein machten sich die beiden Abenteurer zunächst auf den Weg in Richtung Nordkap. Der Wetterumschwung hielt allerdings nicht lange. Am Freitag sank das Thermometer auf zehn Grad Celsius. Immerhin blieb es trocken.
Herausforderung Nordkap-Tunnel
Auf ihrem Weg begegneten den beiden Extremsportlern immer wieder Elche und Rentierhorden, die teilweise direkt auf der Straße liefen. Die Tiere gehörten zu den absoluten Highlights der bisherigen Tour. Doch vor dem eigentlichen Meilenstein in Norwegen stand noch einmal ein Kraftakt an, mental und körperlich. „Wir mussten durch den Nordkap-Tunnel“, erklärt Deichmann. „Das sind sieben Kilometer Tunnel mit 200 Höhenmetern, wo man unter dem Meer durchfährt. Mit dem Autoverkehr und den Abgasen, ist das nicht so geil. Wir haben das aber so geplant, dass wir vor den Wohnmobilen dort durchgefahren sind.“
Rund zwei Drittel der geplanten Tour haben beide bereits zurückgelegt. Mehr als 15.000 Kilometer. „Wir sind dem Zeitplan ein bisschen voraus, weil wir in Norwegen schneller vorangekommen sind als geplant“, so Deichmann. „Die Stimmung ist gut – und wir sind voll auf Kurs.“ Ab jetzt Richtung Süden.