Bei ihrem Projekt „Around Europe“ begegnen Josefine Rutkowski und Jonas Deichmann atemberaubende Landschaften und neue Herausforderungen. Eine Auszeit nutzten die Abenteurer zur Materialpflege. Jetzt nehmen sie den südlichsten Punkt Europas ins Visier.

Knapp einen Monat sind Josefine Rutkowski und Jonas Deichmann auf ihrer Tour „Around Europe“ unterwegs. 5.700 Kilometer liegen hinter den beiden. Aktuell fahren sie durch die Wüste von Gorafe in Andalusien. Klingt trostlos, aber dieses spektakuläre Ödland in der Nähe Granadas wird auch als „Grand Canyon Europas“ bezeichnet. „Hier läuft alles, es macht richtig Spaß“, sagt Jonas Deichmann. „Wir sind gut im Zeitplan und liegen bei circa 175 Kilometern pro Tag im Schnitt. Obwohl wir deutlich mehr Höhenmeter absolviert haben, als der noch anstehende Abschnitt mit Nordfrankreich, Belgien, Holland, Deutschland und Dänemark dann bereithält. Da werden wir definitiv deutlich über 200 Kilometer pro Tag fahren können. Wir sind gut drauf“, fasst der Abenteurer zusammen. Auf die vergangene Woche blicken beide gern zurück.
Atemberaubende Eindrücke
„Es war richtig schön. Die Küste von Ligurien in Italien ist toll. Wir sind bei Mentor, kurz vor Nizza, über die Grenze nach Frankreich gefahren“, skizziert Jonas Deichmann den Routenverlauf. „Dann haben wir den Weg durch das Hinterland genommen und Monaco und Nizza natürlich umfahren.“ Natürlich – denn für die beiden Abenteurer geht es nicht immer um den direkten, sondern um den ansprechendsten Weg. Der Weg ist das Ziel. Über den rund 1.000 Meter hohen Col de la Madone schlängelten sich die beiden über kleine Hinterlandpässe. „Die Gegend dort ist wunderschön. Es gibt kaum Verkehr.“ Was dann folgte, war für Josefine Rutkowski und Jonas Deichmann atemberaubend. „Wir sind zur Verdonschlucht gekommen. Das war unglaublich. Dort gibt es eine Straße, die oben entlangführt und für 30 bis 40 Kilometer den Blick auf die Schlucht gewährt. Dort begegnen einem ein oder zwei Autos pro Stunde. Und das Ganze im Sonnenuntergang: Das war ein Erlebnis.“

Ein besonderer Schlafplatz
Hinter Marseille bogen beide wieder in Richtung Küste ab, rollten durch die Camargue in Südfrankreich. Lagunen, schöne Gravelstraßen: erneut eine Traumlandschaft. Von da aus ging es runter ans Meer, hinter Marseille ans Meer gekommen, durch die Camargue, sind an vielen Lagunen gewesen, schöne Gravelstraßen. „Wir sind super vorangekommen. Ab Frankreich ist ohnehin alles ein bisschen ruhiger geworden. Man merkt, wie dicht besiedelt Italien am Ende ist. In Frankreich und Spanien fällt auf, wie allein man auf den Straßen ist.“ Im Naturpark bot der Schlafplatz ebenfalls ein besonderes Erlebnis. „Das war eine Moskitohochburg. Wir haben draußen im Zelt übernachtet. Das war wunderschön, mit der Kulisse von Insekten, Fröschen und Vögeln. Auch wenn wir ein bisschen zerstochen sind.“
Zeit zum Verschnaufen
Insgesamt kamen beide „unkompliziert und gut durch Frankreich“. In Argelès-sur-Mer haben die Extremsportler schließlich unweit der Grenze zu Spanien ihren ersten halben Ruhetag auf der Tour „Around Europe“ eingelegt. Nach 70 Kilometern am Vormittag kehrten Josefine Rutkowski und Jonas Deichmann bei einem Freund ein. Dort gab es Gelegenheit, Wäsche zu waschen und das Equipment auf Vordermann zu bringen: Reifen wechseln, Kette tauschen. „Es hat richtig gutgetan, bei Toni mal ein wenig die Fahrradmechanik zu überprüfen und ein schönes Mittag- und Abendessen zu haben.“ Nach der Nacht im bequemen Bett statt Isomatte und Zelt überquerten die Abenteurer schließlich die Grenze zu Spanien. Über das Hinterland Kataloniens führten die Pässe nach Girona. „Wir haben Barcelona, Tarragona und die industriell geprägte Gegend dort umfahren. Es war eine unglaublich tolle Route, die immer hoch und runter ging, aber nie wirklich steil war.“

Über stillgelegte Eisenbahnstrecken
So kamen auf verkehrsarmen Straßen einige Höhenmeter zusammen, ehe der Weg beide wieder zur Küste führte, unter anderem durch Valencia. 200 Kilometer standen am Ende auf dem Tacho, die ausschließlich in Meeresnähe abgespult wurden. „Da gibt es sehr schöne Abschnitte. Zwar ist es auch dort am Mittelmeer teilweise zugebaut, aber nicht so sehr wie in Italien“, schildert Deichmann seine Eindrücke. Kurz hinter Valencia bogen beide wieder ins Landesinnere ab. „In Spanien haben sie unglaublich viele tolle Gravelstraßen. Auch mehrere stillgelegte Eisenbahnstrecken. Die sind ja oft langweilig und einfach nur flach. In Spanien führen die durch Eisenbahntunnel, Canyons und Schluchten hindurch. Richtig cool ist das.“
Über Tarifa nach Portugal
Derweil ist seit dem Grenzübergang nach Spanien ein weiterer Begleiter hinzugekommen: Hitze. „Es sind deutlich über 30 Grad Celsius – und kein Schatten hier im Süden. Mit jedem Tag wird es trockener und heißer“, so Deichmann. Das erfordere eine genaue Planung. „Die Distanzen zwischen den Ortschaften sind teilweise lang. 40 bis 50 Kilometer, auf denen nichts kommt. Wenn man gut versorgt ist mit Wasser, ist das ein absoluter Traum.“ Am Dienstag spielte schließlich auch mal wieder der Wind mit, der seit Italien nur von vorn kam. Mit der Unterstützung konnten Rutkowski und Deichmann richtig Gas geben. Am Mittwoch geht es über die Sierra Nevada runter nach Granada, ehe am Freitag Tarifa der nächste Anlaufpunkt wird. Nach der Station am südlichsten Punkt Europas geht es für Josefine Rutkowski und Jonas Deichmann weiter nach Portugal.










