Die ersten zehn Tage ihrer Tour rund um Kontinentaleuropa hielten für Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski Abwechslung bereit. Ein Abenteuer zwischen Dolomitenpässen, Po-Ebene, einsamem Hinterland und zugebauter Adriaküste. Die Verpflegung stellte beide zeitweise vor Probleme.
Der Kontrast ist allgegenwärtig. Die ersten zehn Tage bei ihrem Projekt „Around Europe“ haben Jonas Deichmann und Josefine Rutkowski von München nach Süditalien geführt. Über die Alpen und Dolomiten hinunter in die flache Po-Ebene, an die vom Massentourismus geprägten Orte der Adriaküste bis ins menschenleere Hinterland. „Wir haben Traumwetter“, so Deichmann, der zugleich ein erstes Zwischenfazit zieht: „Es ist schön, wieder unterwegs zu sein.“
Beim Start am 25. April in München wurden die beiden Abenteurer von Tobias Rop und Manuel Langhans, zwei Freunden, begleitet. Keine Menschentraube, keine Massen an Begleitpersonen. Gemütlich ging es zu viert in Richtung Alpen. „Wir haben bewusst darauf verzichtet, den Start zu einem Community-Event zu machen“, erklärt Deichmann – der Sicherheitsaspekt hatte dafür den Ausschlag gegeben.
Kein Highlight, aber schnell
„Wir hatten eine geile Gravelroute über die Alpen nach Österreich, über den Brenner. Übernachtet haben wir in der Nähe vom Brennerpass, dann sind wir rübegefahren nach Südtirol und hatten drei schöne aber heftige Dolomitenpässe“, fasst der Extremsportler den euphorischen Auftakt zusammen. Unter den Passagen befand sich der Passo del Manghen, der 2.047 Meter in die Höhe ragt. „Ein absolutes Highlight. Oben lagen noch ein paar Schneereste. Dann sind wir runtergefahren in die Po-Ebene.“ Von dort an ging es zu zweit weiter. „Durch die Po-Ebene geht es schnurgerade durch, es ist landschaftlich kein Highlight. Aber man kommt gut voran.“
Anpassen der Route
An der Adriaküste angekommen, verwarfen Deichmann und Rutkowski bald ihren Plan, die Küstenstraße entlangzufahren und disponierten um. Auf Höhe von San Marino ging es ins Hinterland. „Die Adriaküste ist dort ziemlich zugebaut, geprägt vom Massentourismus. Das ist ziemlich übel. Wir sind die durch das Hügelland gefahren – dort gab es mehr Höhenmeter als in den Dolomiten. Es ging zwar nie richtig hoch, aber regelmäßig 200 bis 300 Meter mit Steigungen von teilweise 20 Prozent auf Gravelwegen. Das waren wunderschöne Schotterstraßen, die aber eben extrem anspruchsvoll waren“, beschreibt Deichmann. „Es gibt in der Gegend viele schöne Ortschaften, die oben auf den Berg gebaut sind. Wir sind trotz der Topographie gut vorangekommen und bei Pesacara wieder an die Küste gefahren. Das hat uns aber überhaupt nicht gefallen. Kurz vor Bari sind wir wieder ins Hinterland gefahren. Das war superschön.“
Keine Verpflegung?
Neben die landschaftliche Herausforderung gesellte sich eine andere: die Verpflegung und die Strecke. Die Abenteurer müssen die Route immer wieder anpassen, weil die Gravel-Straßen teilweise vor verschlossenen Toren, Privatgrundstücken und Flüssen enden oder gesperrte Brücken Umwege erzwingen. „Wir haben in Süditalien auch ein wenig mit der Infrastruktur zu kämpfen. Alle machen Siesta, Supermärkte haben am Nachmittag geschlossen. Es ist gar nicht so einfach, an Verpflegung zu kommen, gerade am Wochenende“, so Deichmann. Hinzu kommt: Die Gegend im Landesinneren von Süditalien sei „menschenleer“. Deichmann: „Es ist eine ziemlich arme Region, die Menschen sind weggewandert. Dafür ist es zum Radfahren umso schöner.“
Am Mittwoch wollen Deichmann und Rutkowski die Meerenge bei Sizilien erreichen. „Das ist der südliche Wendepunkt, dann geht es wieder Richtung Norden.“ Das Tempo liegt aktuell im erwarteten Bereich. Rund 180 Kilometer legen beide im Tagesdurchschnitt zurück.