Dienstag, 31. Januar 2023
EquipmentDer Favero Assioma im Test

Der Favero Assioma im Test

Der “Assioma” von Favero ist die Weiterentwicklung des bePRO-Powermeters. Einige fragen sich vielleicht, warum dafür extra ein komplett neuer Produktname ausgewählt wurde, anstatt den Fortschritt beispielsweise mit einer Bezeichnung wie “bePRO 2” kenntlich zu machen. Der Hauptgrund dafür besteht darin, dass sich “bePRO” in einigen Ländern nicht markenrechtlich schützen lassen konnte, weshalb ein neuer Name gesucht werden musste. Wie auch beim Vorgängermodell soll das Powermeter durch sein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Preislich liegen die Geräte bei 799 Euro (beidseitige Messung) und 499 Euro (einseitige Messung). 

Favero Assioma im Detail

  • Datenübertragung: Bluetooth, ANT+
  • Links-/Rechts-Messung: ja
  • Klicksystem / Cleats: Favero Cleats, Look Keo
  • Messgenauigkeit: +/- 2 Prozent
  • Batterie: aufladbarer Akku
  • Laufzeit (lt. Hersteller): bis zu 50 Stunden
  • Gewicht (inkl. Batterie): 300 g
  • Bauhöhe: 10,5 mm

Montage und Inbetriebnahme

- Anzeige -

Aber nicht nur der Name hat sich verändert, sondern auch die Pedalen wurden stark überarbeitet und überzeugen mit einigen neuen Features. Beim Vorgängermodell mussten die Pedalen für eine möglichst genaue Messung noch mithilfe von Ausrichtungsaufklebern und Montagescheiben montiert werden. Beim Assioma funktioniert dies nun ganz einfach per “Plug & Play”, das Pedal muss also nur festgeschraubt werden und ist einsatzbereit. Es entsteht kein zusätzlicher Aufwand im Vergleich zu einer Montage von Pedalen ohne integrierte Wattmessung. Positiv fällt weiterhin auf, dass der günstige Leistungsmesser sowohl mit ANT+ als auch mit Bluetooth funktioniert. 

Bevor man den Assioma im Trainingsalltag nutzen kann, muss man ihn über die Assioma-App einmalig online aktivieren. Zwei Kleinigkeiten könnten einem dabei unangenehm aufstoßen: die Bekanntgabe seiner E-Mail-Adresse und die Voraussetzung, ein Smartphone zu besitzen. Die Aktivierung selbst ist sehr unkompliziert und schnell erledigt. Danach war die Kopplung mit verschiedenen Endgeräten sofort möglich und lief problemlos ohne Ausfälle. Bevor die Aufzeichnung der Leistung gestartet wird, sollte allerdings eine Kalibrierung durchgeführt werden. Zwar wird jedes Assioma-System bereits bei Favero im Werk kalibriert, muss aber vor der Nutzung mit dem Radcomputer noch durch eine Nullstellenkalibrierung ergänzt werden, was für jedes Powermeter gewöhnlich ist. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden. 

Der Praxis-Test

Bis auf die um die Pedalachse montierte Sendereinheit sieht der Assioma aus wie jedes andere Pedal. Auf dem runden Sender zeigen vier LEDs auf jeder Seite gut sichtbar den Betriebs- und Ladezustand an. Gut gefallen hat uns, dass der Assioma – wie auch schon das Vorgängermodell bePRO – einen verbauten Akku besitzt und nicht mit Batterien betrieben wird. Neu sind allerdings die Magnetstecker, die für das Aufladen verwendet werden. Zuvor wurde beim bePRO noch ein herkömmliches Mini-USB-Kabel verwendet. In unseren Augen eine klare Weiterentwicklung. Ob der aufladbare Akku mit der Zeit an Lebensdauer einbüßen muss, können wir erst im Langzeittest feststellen. Sowohl bei den Einheiten auf der Rolle als auch draußen auf dem Rennrad leistete sich das Powermeter keine Ausfälle. Wer seine Leistung lieber einseitig messen will oder nicht zu tief in die Tasche greifen möchte, bekommt für 499 Euro den Assioma Uno. Dabei wird mit der gleichen Messtechnik, allerdings nur auf einer Seite, die Leistung aufgezeichnet und angezeigt. Beide Varianten überzeugen durch ihr großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Mehr Qualität für weniger Geld geht kaum. 

Der Labortest

Der Hersteller gibt die Messgenauigkeit im Bereich von +/- 2 % an. Im Labor von STAPS haben wir die Pedale von den Trainings- und Diagnostikexperten testen lassen. Als Referenzgerät nutzten wir ein Hochleistungsergometer von SRM. Die Testprotokolle, die mehrmals gefahren wurden, sollten alle relevanten Trainings- und Leistungsbereiche abdecken. Die Pedale wurden mit dem Radcomputer Garmin Edge 820 gekoppelt.

  • Intervalle im hochintensiven Bereich (IE): 30 Sekunden, Belastung 360 Watt
  • Intervalle im Spitzenbereich (SB): 2 Minuten, Belastung 300 Watt
  • Sprinttest: 15 Sekunden lang bis zur maximalen Belastung, abgeriegelt bei einer Trittfrequenz von 130 Umdrehungen pro Minute
  • G2-Intervalle: 12 Minuten, Belastung 200 Watt
  • K3-Intervalle: 6 Minuten, Trittfrequenz-Limit bei 60 Umdrehungen pro Minute, etwa 240-260 Watt
PROTOKOLLGEMESSENE LEISTUNG (SRM)GEMESSENE LEISTUNG (ASSIOMA)ABWEICHUNG IN PROZENT
IE357 Watt348 Watt2,59 Prozent
SB299 Watt289 Watt3,46 Prozent
Sprint1.087 Watt1.066 Watt1,97 Prozent
G2199 Watt195 Watt2,05 Prozent
K3240 Watt232 Watt3,45 Prozent

Fazit des Labortests

Bei der Bewertung der Messergebnisse ist wichtig, dass man zwischen Genauigkeit und Präzision differenziert. Unter Genauigkeit versteht man, wie groß die Abweichung zwischen angegebener und im Labor gemessener Leistung ist. Unter Präzision versteht man die Streuung der Werte. Ein Leistungsmesser kann daher genau, aber unpräzise sein.

Die von Favero angegebene Messgenauigkeit von +/- 2 Prozent konnte in unseren Messungen teilweise bestätigt werden. Im G2- und Sprint-Test betrug die Abweichung fast exakt 2 Prozent, im IE-Bereich lag sie leicht darüber (2,59 Prozent). Nur im SB- und K3-Bereich lag die Abweichung relativ deutlich über den angegebenen zwei Prozent (3,46 und 3,45 Prozent). Im Schnitt liegt die Abweichung etwa bei  2,7 Prozent. Ein guter Wert, auf den man vertrauen kann. Besonders überzeugend war die schnelle Reaktionsfähigkeit bei den Sprints in Kombination mit den äußerst genauen Werten, auch jenseits der 1.000 Watt. 

Simon Müller
Simon Müller
Simon Müller ist selbst als ambitionierter Athlet unterwegs. 2022 wurde er Deutscher Meister auf der Kurzdistanz, 2019 qualifizierte sich bei seinem ersten Ironman in Mexiko mit einem AK-Sieg in 8:45 Stunden für den Ironman Hawaii. In seiner Brust schlägt neben dem Triathleten- auch ganz besonders ein Läuferherz. Simons Bestzeite über 10 Kilometer liegt bei unglaublichen 30:29 Minuten.
- Anzeige -

Kommentiere den Artikel

Bitte gib hier deinen Kommentar ein (und bitte sei dabei fair anderen gegenüber)!
Bitte gib deinen Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Aktuell sehr beliebt

Challenge Roth passt die Startgelder an: “Rundum-Sorglos-Paket” ist ab 2024 inklusive

Künftig kostet das Event im Frankenland 679 statt 599 Euro. Dafür kommt der Veranstalter den Athleten mit einem Upgrade entgegen.

“Ich habe ein bisschen Angst”: Sebastian Kienle startet beim Norseman

Bei seiner Abschiedstournee hat Sebastian Kienle sich hohe Ziele gesetzt. Er möchte den Norseman gewinnen.
00:48:28

Thorsten Schröder: Mahalo, Hawaii!

Thorsten Schröder hat im Oktober 2022 zum zweiten Mal den Ironman Hawaii gefinisht. In einer YouTube-Serie hat er seine Fans und Mitstreiter das ganze Jahr über mitgenommen auf die große Reise. Hier kommt der letzte Film.

Update im deutschen Rennkalender: Ironman 70.3 Dresden findet nicht mehr statt

Ironman verkündet den Rennkalender für das Jahr 2023, dabei werden die Rennen in fünf unterschiedlichen Städten stattfinden. Nicht mit dabei ist die Mitteldistanz in Dresden.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

In ihrer Vorbereitung auf den Swissman 2023 wechselt Sonja Tajsich vorübergehend die Sportgeräte. Hier berichtet sie über das Wagnis Wintertriathlon.

Nochmal Neuseeland: Sebastian Kienle startet beim Ironman New Zealand

Er erfüllt sich Rennträume am anderen Ende der Welt: Sebastian Kienle gibt bekannt, dass er zwei Wochen nach der Challenge Wanaka den Ironman New Zealand bestreiten wird.

ePaper | Kiosk findenAbo

58,355FansGefällt mir
52,533FollowerFolgen
24,100AbonnentenAbonnieren

Aktuelle Beiträge