NEU! triathlon-News Ausgabe vom 13. Oktober, 06:01 Uhr · 1:06 Min · Kurzfassung

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Der absolute Wahnsinn von Kona: Zehn Momente, die von dieser Ironman-WM bleiben

Taylor Knibb und Vincent Luis sind die neuen Ironman-Weltmeister – doch diese WM auf Hawaii wird vor allem wegen ihrer irren Wendungen auf den letzten Kilometern in Erinnerung bleiben. In der neuen Folge von „Carbon & Laktat“ blicken Nils Flieshardt und Jan Grüneberg direkt aus Kailua-Kona zurück auf zwei Rennen, die selbst erfahrene Beobachter sprachlos gemacht haben. Das sind die zehn Momente, über die wir noch lange sprechen werden.

Frank Wechsel / spomedis Taylor Knibb ist Ironman-Weltmeisterin 2026.

1. Vincent Luis und der perfekte Abgang

Nur ein Versuch, ein Titel, Karriereende: Vincent Luis hat auf Hawaii den wohl größtmöglichen Abschluss einer Karriere hingelegt. Der 37-jährige Franzose, zweimaliger Kurzdistanz-Weltmeister, war erst 2024 auf die Langdistanz gewechselt – und trat in Kona mit dem Bewusstsein an, dass es nur diesen einen Hawaii-Start geben würde. Im Podcast erzählen die beiden Redakteure, wie akribisch sich Luis vorbereitet hat: zehn Wochen quasi eingeschlossen im Training, Einheiten in der Hitzekammer, zwei Wochen vor dem Rennen eine Rennsimulation mit einem 27-Kilometer-Lauf inklusive dreier langer Intervalle in Wettkampfintensität. „Er konnte wirklich all in gehen – und am Ende des Tages war das der Schlüssel zum Erfolg“, heißt es in der Folge. Den Zieljubel beschrieb Luis sinngemäß so: Er habe sich erst ganz spät erlaubt, über den Moment nachzudenken – und dann einfach passieren lassen, was passiert. Es wurde ekstatischer Jubel. Der Mic Drop, den sich jeder Sportler wünscht.

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2. Der letzte Kilometer von Solveig Løvseth

Es ist die Szene dieser WM: Die Titelverteidigerin Solveig Løvseth läuft auf dem letzten Kilometer in Führung Richtung Alii Drive – man kann dort unten bereits das Gebrüll hören, das eine künftige Weltmeisterin erwartet. Und dann gehen ihr die Lichter aus. Die Norwegerin bricht zusammen, verliert Titel und die Pro-Series-Prämie von 200.000 Dollar. Was danach kam, beeindruckte die beiden Podcast-Hosts am meisten: Løvseth stand wieder auf, ging lächelnd ins Ziel und kommentierte ihr Drama anschließend sinngemäß mit den Worten, das sei jetzt mal richtig schiefgegangen – shit happens. Trotz Liegepause wurde sie noch Achte.

3. Taylor Knibbs Lehrstunde in Geduld

Die Dramaturgie hätte kein Drehbuchautor besser schreiben können: Vor einem Jahr war es Taylor Knibb, die kurz vor dem Ziel zusammenbrach, während Løvseth zum Titel lief. Diesmal war es exakt umgekehrt. Knibb, mit der stärksten Radzeit des Tages unterwegs, wurde beim Marathon von Løvseth überholt – und akzeptierte es. Im Podcast wird ihre Haltung zitiert: Sie habe nichts dagegen tun können und sich an den Rat großer Namen wie Paula Newby-Fraser gehalten – du musst ins Ziel kommen, alle Heldenaktionen vorher sind wertlos. Bei ihrem dritten Hawaii-Start wurde die US-Amerikanerin so erstmals Ironman-Weltmeisterin. Ihr Fazit zum verrückten Hin und Her der vergangenen zwei Jahre, sinngemäß: Schön wäre mal ein Rennen, in dem beide ohne Probleme ankommen. Es steht 1:1.

4. Gustav Idens Tränen im Ziel

Hinter Luis lief Gustav Iden mit dem schnellsten Marathon des Tages (2:36:58 Stunden) auf Platz zwei – trotz einer Drei-Minuten-Zeitstrafe, die am Ende womöglich den Titel gekostet hat; der Rückstand betrug nur rund anderthalb Minuten. Der Norweger, Weltmeister von 2022, hatte Jahre voller Verletzungen, Krankheiten und Rückschläge hinter sich. Sein Rennen widmete er seiner an Krebs verstorbenen Mutter: Rad und den rosafarbenen Rennanzug mit Schleife lässt er versteigern, der Erlös geht an die Krebshilfe. Während des Rennens habe er versucht, alles „geschäftlich“ anzugehen – im Ziel brach es dann aus ihm heraus, er konnte nicht aufhören zu weinen. Obendrauf kam eine Überraschung: Iden gewann die Ironman Pro Series und damit einen Scheck über 200.000 Dollar – womit er im Ziel selbst nicht gerechnet hatte.

5. Laura Philipps kompletter Medaillensatz

Schwarz-Rot-Gold auf dem Podium: Laura Philipp wurde Zweite und hat damit als WM-Medaillensammlerin alles komplett – Gold, Silber und Bronze. Dabei begann ihr Tag desaströs: Krampf im Fuß schon vor dem Start, im heftigen Wellengang wurde sie beim Schwimmen seekrank und stieg mit 8,5 Minuten Rückstand aus dem Wasser. Beim Radaufstieg fuhr ihr auch noch ein Kamera-Bike ins Hinterrad. Doch Philipp blieb bei sich, fuhr ihr eigenes Rennen und lief mit 2:50:43 Stunden den besten Marathon der Frauen. Der zweite Platz, so erzählt sie es sinngemäß, habe sich eher wie ein Sieg angefühlt – es sei ihr bestes Rad- und Laufgefühl bei einer Ironman-WM überhaupt gewesen.

6. Patrick Langes bitterer Abschied von der Insel

Es sollte die große Abschiedsvorstellung werden, es wurde ein Tag zum Vergessen: Patrick Lange, dreimaliger Hawaii-Sieger, kam zwar erneut mit der Spitzengruppe aus dem Wasser, musste dann aber früh auf dem Rad mit Krämpfen in Rücken und Oberschenkel kämpfen – am Wendepunkt in Hawi war Schluss. Ein DNF bei der letzten WM-Teilnahme, ausgerechnet. Im Podcast sind sich beide einig: Dieses Rennen wird nicht definieren, wie man sich an Patrick Lange auf Hawaii erinnert – da bleiben die großen Momente. Seine Karriere will Lange im kommenden Jahr bei der Challenge Roth offiziell beenden.

7. Matthew Marquardt, der Vollzeit-Arzt auf dem Podium

Der „schnellste Agegrouper der Welt“ wurde WM-Dritter: Matthew Marquardt arbeitet als Arzt, forscht zu Krebserkrankungen im Kopf- und Halsbereich und veröffentlicht nebenbei wissenschaftliche Paper – als einziger Athlet der Top 10 mit einem Vollzeitjob neben dem Profitriathlon. Seine Einheiten muss er dafür oft um 4 Uhr morgens absolvieren. Den Schlüssel zu seinem Durchbruch beschreibt die Folge verblüffend einfach: Marquardt hatte es vor früheren Rennen schlicht mit dem Carboloading übertrieben – seit er die Kohlenhydratmast vor dem Wettkampf reduziert hat, gehören seine berüchtigten Krämpfe der Vergangenheit an.

8. Sam Longs aufgeschnittene Ärmel

Die kurioseste Geschichte des Renntags lieferte Sam Long: Der Rennanzug des US-Amerikaners war an den Oberarmen zu eng – ob der Anzug geschrumpft oder der Bizeps gewachsen ist, bleibt offen. Long ließ sich kurzerhand an einer Verpflegungsstation die Ärmel aufschneiden. „Rocky Style“, heißt es im Podcast trocken. Sportlich war es alles andere als kurios: Platz sechs, und auf der Laufstrecke wirkte Long frischer als die meisten Konkurrenten. Mit gerade einmal 30 Jahren könnte da noch einiges kommen.

9. Die gefallenen Favoriten

Diese WM war auch ein Rennen der großen Namen, die es nicht ins Ziel schafften. Sam Laidlow musste früh auf der Laufstrecke aufgeben – ihn plagt ein Gefäßproblem in der Beinarterie, das den Blutfluss unter Belastung einschränkt; eine Operation steht wohl in den kommenden Wochen oder Monaten an. Magnus Ditlev führte das Rennen lange souverän an, ehe ihn der Marathon stoppte – im Podcast wird sein DNF fast als gute Nachricht gelesen: Der alte Ditlev ist wieder da, die Basis stimmt. Kristian Blummenfelt rettete sich erschöpft ins Ziel, nachdem zwischenzeitlich sogar der Pro-Series-Gesamtsieg in Reichweite schien. Und bei den Frauen erwischte es Lucy Charles-Barclay nach überragendem Schwimmen und starkem Radfahren erneut auf der Laufstrecke – fast an derselben Stelle wie im Vorjahr.

10. Die deutsche Bilanz: Licht, Schatten und 40 verlorene Sekunden

Jonas Schomburg wurde nach einem kuriosen Zwischentief auf dem Rad und einer starken Aufholjagd beim Marathon Siebter – verpasste den 200.000-Dollar-Scheck der Pro Series aber um rund 40 Sekunden. Jan Stratmann lief auf Platz 15 und fand das Fazit des Tages: „Ich bin tausendmal gestorben und tausendmal wiedergekommen – ich kann mir nichts vorwerfen.“ Frederik Funk kämpfte sich mit schmerzhafter Plantarfasziitis auf Rang 23. Dass solche Platzierungen bei dieser Leistungsdichte hartes Brot sind, diskutieren die beiden Hosts ausführlich – wer bei dieser WM in den Top 20 landet, gehört zu den Besten von mehreren Tausend registrierten Profis.


Wie sich die Stimmung in Kailua-Kona nach dem Rennen anfühlt, warum das „Hawaii-Rookie-Gedöns“ nach diesem Jahr endgültig erledigt ist und weshalb Ironman gut daran täte, sich mit der aktuellen Teilnehmerzahl zu begnügen – das alles gibt es in voller Länge in der neuen Folge: Carbon & Laktat, der Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.

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Frank Wechsel
Frank Wechselhttps://tri-mag.de
Frank Wechsel ist Publisher der Medienmarken SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist 15-facher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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