Ausgebuchte Rennen, dynamische Preise und ein kräftig umgebauter Profi-Kalender: Wer im kommenden Jahr bei den großen Triathlons dabei sein will, muss sich früher festlegen denn je. In der neuen Folge von „Carbon & Laktat“ diskutieren Nils Flieshardt und Jan Grüneberg, warum die Nachfrage explodiert, was Ironman in Hamburg, Frankfurt, im Kraichgau und in Leipzig ändert – und wo es jetzt noch späte Tickets für die WM gibt.

Die Saison ist fast vorbei, und doch geht es gerade um nichts anderes als um die Zukunft: Wer 2027 an der Startlinie eines großen Rennens stehen will, sollte besser jetzt handeln – wenn es nicht ohnehin schon zu spät ist.
16.033 Lose für 125 Startplätze
Wie knapp Startplätze geworden sind, hat Nils gerade selbst erlebt: Bei der Verlosung für den Norseman sah er im Urlaub zu, wie 125 Namen aus der Lostrommel gezogen wurden – seiner war nicht dabei. Er befindet sich in großer Gesellschaft: 16.033 Bewerbungen aus 110 Ländern gingen für den Extremtriathlon in Norwegen ein, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr – und das war bereits ein Rekordjahr. Wer leer ausgeht, bekommt im Folgejahr zwar ein Extra-Los, doch die Chancen sinken trotzdem von Jahr zu Jahr. Bemerkenswert auch: Der Altersschnitt der Ausgelosten fiel in diesem Jahr von 38 auf 34 Jahre. Und beim Norseman zählt am Renntag allein die Reihenfolge: Nur die ersten 160 Athleten dürfen auf den Gaustatoppen und um das legendäre schwarze Finisher-Shirt kämpfen.
Ausverkauft im Rekordtempo
Was beim Norseman die Lostrommel regelt, erledigt anderswo die schiere Nachfrage. Dass die Challenge Roth innerhalb von Sekunden ausgebucht ist, gilt längst als Normalfall – inzwischen schwappt der Boom aber auf die ganze Breite des Kalenders über. Der Ironman Hamburg war trotz der Probleme der vergangenen Jahre rasch ausverkauft, der Ironman Frankfurt ebenso, der Allgäu Triathlon sowieso. Ein 70.3-Rennen war nach Rechnung der beiden Hosts sogar rund 340 Tage vor dem Start komplett vergriffen – fast ein ganzes Jahr im Voraus. „Muss man mittlerweile seinen Startplatz früher buchen als den Sommerurlaub?“, fragt Nils. Die Antwort fällt eindeutig aus: anscheinend ja. Offen bleibt für die beiden, ob man schon von einem Startplatzmangel in Deutschland sprechen kann – oder ob sich die Nachfrage schlicht auf die großen Marken und bekannten Rennen konzentriert, während kleinere regionale Veranstaltungen weiter um Teilnehmende kämpfen.
„Ein Produkt sollte einen Preis haben“
Richtig emotional wird die Diskussion beim Thema dynamische Preisgestaltung. Dass Startgebühren in festgelegten Stufen steigen, je näher das Rennen rückt, können beide nachvollziehen – schließlich brauchen Veranstalter früh Planungssicherheit. Dass aber der Preis mancherorts automatisch klettert, sobald die Nachfrage anzieht, bringt Jan auf die Palme: Ein Produkt solle einen Preis haben, findet er – und erzählt von einem Athleten, bei dem sich der Preis noch während des Anmeldevorgangs erhöhte. Die beiden sind sich einig, dass gerade die ohnehin ausgebuchten Großveranstaltungen ihre Preise weiter anziehen dürften. Ihre Hoffnung: Dass davon am Ende die kleineren, regionalen Mittel- und Langdistanzen profitieren, die es in Deutschland durchaus in Hülle und Fülle gibt – auch wenn steigende Kosten für Genehmigungen und Auflagen deren Leben nicht leichter machen.
Hamburg verliert die EM – Frankfurt bekommt beide
Beben im Profi-Kalender: Ironman hat sein Programm für das kommende Jahr veröffentlicht, mit Änderungen bei quasi allen großen Rennen in Deutschland. Die für die Hosts größte Nachricht betrifft den Ironman Hamburg: Die Frauen-EM, in den vergangenen Jahren fest in der Hansestadt beheimatet, ist gestrichen – ebenso wie das komplette Profi-Frauenfeld und der Pro-Series-Status. Übrig bleibt ein Männerfeld mit nur noch zwei statt bisher fünf Hawaii-Slots, das Preisgeld sinkt von 87.500 auf 50.000 US-Dollar. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: Die beiden verweisen unter anderem auf die unglücklichen Bilder der vergangenen Jahre, vom tödlichen Unfall 2023 bis zu den Metallsplittern auf der Radstrecke in diesem Jahr. Der große Profiteur ist der Ironman Frankfurt: Er richtet künftig wieder beide Profi-Europameisterschaften aus, behält den Pro-Series-Status, und das Preisgeld verdoppelt sich auf 175.000 US-Dollar – was allerdings vor allem daran liegt, dass nun beide Geschlechter am Start sind.
Kraichgau nur für Frauen, Leipzig steigt auf
Auch auf der Mitteldistanz wird umgebaut: Beim Ironman 70.3 Kraichgau gibt es ab dem kommenden Jahr nur noch ein Profi-Feld der Frauen – eine Entscheidung, die die beiden Hosts überrascht hat, zumal das Rennen im „Land der 1.000 Hügel“ traditionell als Formtest vor den großen Langdistanzen beliebt ist. Das Pendant: Beim zeitgleich stattfindenden Ironman 70.3 St. Pölten, der nach seiner Zeit als Challenge-Rennen wieder unter der Ironman-Flagge läuft, starten nur Profi-Männer. Aufsteiger des Jahres ist Leipzig: Die junge Mitteldistanz wird nach ihrem Debüt direkt Pro-Series-Rennen, das Preisgeld springt von 20.000 auf 75.000 US-Dollar – beide Geschlechter starten, es geht um Punkte und ums Geld.
Späte WM-Tickets: Florida, Cozumel, Western Australia
Während sich das Jahr dem Ende enntgegenneigtt, hat die Qualifikation für die nächste WM-Saison längst begonnen. Drei große Ironman-Rennen vergeben noch in diesem Jahr Startplätze für die WM des kommenden Jahres: der Ironman Florida am 7. November, der Ironman Cozumel am 22. November und der Ironman Western Australia am 6. Dezember. Entsprechend prominent liest sich die Startliste in Florida: Chelsea Sodaro, die ihren Hawaii-Start kurzfristig wegen einer Grippe absagen musste, will dort ihren Slot validieren. Auch Holly Lawrence hat sich nach ihrem Ermüdungsbruch zurückgemeldet – ihre Formentwicklung sei schlicht zu gut, um noch länger zu warten. Sam Long ließ seine Follower auf Instagram abstimmen, ob er Florida oder Cozumel machen soll: Rund 1.800 Stimmen, Ergebnis 50:50 – gemeldet ist er zunächst in Florida, genau wie Cameron Wurf, der als Sieger des Ironman Maryland ohnehin schon zu den ganz wenigen Profis gehört, die ihr Hawaii-Ticket für das kommende Jahr sicher haben. Die Liste der bereits qualifizierten Athletinnen und Athleten ist noch übersichtlich – deutsche Namen fehlen bislang komplett.
triathlon-Awards: Jetzt abstimmen!
Zum Schluss rufen die beiden zur Abstimmung über die triathlon-Awards auf: Bis zum 8. November um Mitternacht kann unter tri-mag.de/awards26 gewählt werden – von der Triathletin und dem Triathleten des Jahres (national und international) über Aufsteigerinnen, Aufsteiger und Coaches bis hin zu Material, digitalem Equipment und den besten Rennen. Verliehen werden die Auszeichnungen wie gewohnt auf der Gala in Langen am Samstag vor dem ersten Advent.
Die komplette Diskussion mit allen Details, Einordnungen und dem gewohnten Schlagabtausch gibt es in der aktuellen Folge: Carbon & Laktat, der Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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