Von einer neuen Weltbestzeit unter acht Stunden war die Frauen-Europameisterschaft auf der Langdistanz in Hamburg elf Minuten und zwölf Sekunden entfernt. Ironman-Weltmeisterin Solveig Løvseth aus Norwegen sicherte sich den EM-Titel. Vorjahressiegerin Laura Philipp holte sich mit furiosem Laufs den zweiten Platz.
Es ging um den EM-Titel auf der Langdistanz bei den Profi-Frauen, es ging um Punkte in der Ironman Pro Series und es ging um sechs Slots für die Ironman-WM auf Hawaii. Es wurde aber auch im Vorwege unter Experten gemutmaßt, dass im Duell zwischen Weltmeisterin Solveig Løvseth und Titelverteidigerin Laura Philipp erstmals bei den Profi-Frauen eine Zeit unter acht Stunden stehen könnte. Im Vorjahr war Philipp bei ihrem Sieg in der Hansestadt mit 8:03:13 Stunden ziemlich dicht dran.
Am Ende kamen die beiden Favoritinnen auch auf den Plätzen eins und zwei ins Ziel, Siegerin Løvseth brauchte dafür 8:11:11 Stunden. Damit war die Norwegerin etwas mehr als eine Minute schneller als bei ihrem Langdistanzdebüt 2025 an derselben Stelle. Laura Philipp hatte Probleme auf dem Rad, ging mit mehr als acht Minuten Rückstand auf die Laufstrecke, im Ziel fehlten ihr nach großer Aufholjagd nur 1:18 Minuten, um sich zum dritten Mal den Triumph in Hamburg zu sichern.
Løvseth mit neuen Radstreckenrekord in Hamburg
Die Rennchronologie: Nach 3,8 Kilometern Schwimmen in der Alster kam die Niederländerin Lotte Wilms als Erste aus dem Wasser, ein paar Sekunden vor einer Vierergruppe mit den besten Schwimmerinnen wie Holly Lawrence und Fenella Langridge.
Auf dem Rad übernahm Marjolaine Pierré nach circa 30 Kilometern die Führung. Die Französin blieb über die gesamte Radstrecke vorn, lange gefolgt von Lotte Wilms. Die dreiköpfige Gruppe Løvseth, Philipp und Lisa Perterer versuchte die circa viereinhalb Minuten Rückstand aus dem Schwimmen wettzumachen.
Das gelang mit unterschiedlichem Erfolg: Løvseth kämpfte sich immer dichter nach vorn und stellte am Ende einen neuen Radstreckenrekord in Hamburg auf. Ihre 4:20:06 Stunden verbesserten den bislang besten Split von Daniela Bleymehl aus dem Jahr 2024 um 41 Sekunden. Perterer und Philipp dagegen fielen zwar nicht um Plätze, aber um einige Minuten von der Spitze zurück.
Im Ziel gab Laura Philipp zu Protokoll: „Ich hatte große Schwierigkeiten auf dem Rad, weil es sehr windig war. Bei zwei starken Böen wäre ich fast vom Rad gefallen.“ Der einsetzende Nieselregen und die freie Strecke auf dem Deich waren wohl nicht einfach zu bewältigen für die Athletinnen, auch die engen Passagen ließen Überholvorgänge nicht immer zu, als auf der zweiten Radrunde die Agegrouper auf der Strecke waren.
Laura Philipp macht auf der Laufstrecke sieben Minuten gut
Marjolaine Pierré, die erst vor wenigen Wochen den Ironman 70.3 Aix-en-Provence souverän gewann, ging als Führende auf die Laufstrecke, doch die nur 33 Sekunden dahinterliegende Solveig Løvseth setzte bereits nach knapp drei Kilometern der ersten von vier Laufrunden zum Überholvorgang an.
Apropos: Mit dem Wechsel auf Laura Philipps Lieblingsdisziplin ließ sich auch die Sonne wieder blicken in Hamburg – und es begann wie im Vorjahr eine furiose Aufholjagd der Heidelbergerin. Sie kassierte auf der Laufstrecke nacheinander Katrine Græsbøll Christensen, Lisa Perterer und Lotte Wilms ein und verkürzte mit jeder Runde den Abstand zur Führenden. Die Norwegerin quälte sich und sagte nachher, dass die letzten Kilometer wohl sehr hart gewesen seien. Doch der Vorsprung reichte knapp.
Philipp machte in der dritten Disziplin sieben Minuten gut auf Løvseth und hatte am Ende mal wieder die beste Marathonzeit des Tages: 2:42:16 Stunden. Eine insgesamt erstaunlich starke Leistung von Philipp nach ihrer Bauchspeicheldrüsen-Reizung vor einigen Wochen. Ihre Gesamtzeit: 8:12:29 Stunden.
Das Podium komplettierte die Dänin Katrine Græsbøll Christensen mit einer Zeit von 8:12:29 Stunden, die noch an der lange Führenden Marjolaine Pierre vorbei lief (8:18:01 Stunden). Lisa Perterer aus Österreich wurde Fünfte.
Die sechs Hawaii-Slots gehen runter bis auf Rang zwölf
Die Platzierungen der weiteren deutschen Profi-Athletinnen: Jenny Jendryschik auf Rang 13, Johanna Ahrens direkt dahinter und auf Platz 15 landete Antonia Milowsky. Merle Brunnée, Stephanie Wunderle und Lisa Gerß stiegen vorzeitig aus dem Rennen aus.
Die sechs Hawaii-Slots gingen runter bis auf Platz zwölf und gehen an: Laura Philipp, Marjolaine Pierré, Lisa Perterer, India Lee, Fenella Langridge und Kaidi Kivioja (sofern sie jeweils den Slot annehmen).
Ergebnisse: Ironman Hamburg
Eines der Rennen, das jedes Jahr am schnellsten ausgebucht ist – auch wenn sich jährlich die Radstrecke ändert: Der Ironman Hamburg ist pfeilschnell trotz langer Wechselzone auf dem Ballindamm. Die Stimmung in der Stadt: alles andere als hanseatisch kühl.
Profis
Frauen
| Platz | Name | Land | Gesamt | 3,8 km Swim | 180 km Bike | 42,195 km Run |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Solveig Løvseth | 🇳🇴NOR | 8:11:11 | 54:57 | 4:20:06 | 2:49:21 |
| 2 | Laura Philipp | 🇩🇪GER | 8:12:29 | 54:53 | 4:28:21 | 2:42:16 |
| 3 | Katrine G. Christensen | 🇩🇰DEN | 8:15:20 | 1:00:51 | 4:21:47 | 2:45:45 |
| 4 | Marjolaine Pierré | 🇫🇷FRA | 8:18:01 | 53:33 | 4:21:07 | 2:56:45 |
| 5 | Lisa Perterer | 🇦🇹AUT | 8:22:31 | 54:51 | 4:25:58 | 2:53:49 |
| 6 | Lotte Wilms | 🇳🇱NED | 8:24:58 | 50:29 | 4:26:03 | 3:00:51 |
| 7 | India Lee | 🇬🇧GBR | 8:25:32 | 54:59 | 4:27:34 | 2:54:47 |
| 8 | Marta Lagownik | 🇵🇱POL | 8:30:08 | 55:01 | 4:35:47 | 2:52:24 |
| 9 | Fenella Langridge | 🇬🇧GBR | 8:31:54 | 50:34 | 4:37:57 | 2:56:11 |
| 10 | Kate Curran | 🇬🇧GBR | 8:35:39 | 50:36 | 4:42:37 | 2:55:34 |
| 13 | Jenny Jendryschik | 🇩🇪GER | 8:47:29 | 55:01 | 4:47:04 | 2:58:24 |
| 14 | Johanna Ahrens | 🇩🇪GER | 8:49:14 | 54:56 | 4:40:50 | 3:06:02 |
| 15 | Antonia Milowsky | 🇩🇪GER | 8:53:19 | 54:50 | 4:41:24 | 3:09:44 |
Die vollständigen Ergebnisse folgen.