Beim Ironman-Rennen in Schweden zerschlägt Jonas Schomburg mit Thors Hammer das Zielbanner und pulversiert den deutschen Rekord sowie die Streckenbestzeit für das Rennen.
Getty Images for IRONMAN
Jonas Schomburg ist seiner Favoritenrolle beim Ironman Kalmar eindrucksvoll gerecht geworden. Nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern auf dem Rad und dem abschließenden Marathon erreichte der Deutsche nach 7:22:57 Stunden das Ziel und setzte damit ein dickes Ausrufezeichen acht Wochen vor der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Matthew Marquardt (USA) folgte mit 5:31 Minuten Rückstand auf Rang zwei, Andrea Salvisberg (Schweiz) komplettierte weitere 25 Sekunden später das Podium. Die Zeit von Jonas Schomburg bedeutet einen neuen deutschen Rekord über die Langdistanz: Die bisherige Bestmarke hatte Finn Große-Freese im August 2025 beim Ironman Kopenhagen mit 7:27:34 Stunden aufgestellt. Schomburg unterbot diese Zeit um satte 4:37 Minuten.
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Schomburg setzt schon im Wasser das erste Zeichen
Der Renntag im schwedischen Kalmar begann für die Profis pünktlich um 6:45 Uhr mit dem Sprung in die Ostsee. Und Jonas Schomburg machte von Beginn an deutlich, dass der Weg zum Sieg an diesem Tag über ihn führen würde. Der ehemalige Kurzdistanzler, der für seine enorme Schwimmstärke bekannt ist, bestimmte bereits auf den ersten 3,8 Kilometern das Geschehen und kam als erster Athlet aus dem Wasser. Gemeinsam mit sechs weiteren Profis machte er sich anschließend auf die 180 Radkilometer und befand sich damit von Anfang an genau dort, wo er sein wollte: an der Spitze des Rennens.
Auf dem Rad blieb Schomburg seiner Linie treu. Er hielt das Tempo hoch, ließ sich aber nicht zu einem überzogenen Rennen verleiten. Ganz anders Robert Kallin: Der Schwede setzte auf seiner Paradedisziplin alles auf eine Karte, forcierte das Tempo und sollte am Ende mit einer Radzeit von 3:53:12 Stunden nicht nur den schnellsten Bikesplit des Tages abliefern, sonden die schnellste Zeit in der Ironman-Geschichte überhaupt. Kallin ist seit Jahren als einer der stärksten Radfahrer auf der Langdistanz bekannt. Schomburg ließ sich von dieser Attacke jedoch nicht aus seinem eigenen Rennen bringen. Statt die Harakiri-Aktion mitzugehen und möglicherweise schon auf dem Rad entscheidende Körner zu verbrennen, blieb er kontrolliert und setzte auf seine Stärke über alle drei Disziplinen.
Diese Geduld sollte sich auszahlen. Während Kallin für seinen enormen Einsatz auf den 180 Radkilometern beim abschließenden Marathon zunehmend bezahlen musste, blieb Schomburg stabil. Der Deutsche übernahm nach zehn Kilometern die Führung und endgültig die Kontrolle über das Rennen. Er ließ keinen Zweifel mehr daran aufkommen, wer an diesem Tag der stärkste Athlet in Kalmar war.
Hinter Schomburg beginnt der Kampf um Podium und Kona
Während an der Spitze die Entscheidung zunehmend klarer wurde, entwickelte sich dahinter eines der spannendsten Rennen des Tages. Matthew Marquardt, Andrea Salvisberg und Gregory Barnaby (Italien) lagen beim Marathon lange eng beieinander. Zusätzlich zum Podium ging es für einige Athleten um etwas, das im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf fast noch wichtiger war: die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft in Kona.
Bis ungefähr Kilometer 30 blieb das Trio dicht zusammen. Niemand konnte sich entscheidend lösen, jeder wusste um die Bedeutung der nächsten Kilometer. Dann begann Gregory Barnaby erstmals zu schwächeln. Der Italiener musste Marquardt und Salvisberg ziehen lassen und aus dem Dreikampf um Rang zwei wurde ein direktes Duell zwischen dem US-Amerikaner und dem Schweizer.
Zunächst sah alles danach aus, als könnte Andrea Salvisberg dieses Duell für sich entscheiden. Der ehemalige Kurzdistanzspezialist erhöhte auf den letzten Kilometern noch einmal das Tempo und hatte Marquardt bei Kilometer 38 um fast eine halbe Minute distanziert. Nach mehr als sieben Stunden Renndauer schien damit die Vorentscheidung um Platz zwei gefallen zu sein. Doch Matthew Marquardt hatte andere Pläne.
Marquardt dreht das Rennen auf den letzten Kilometern
Der US-Amerikaner mobilisierte auf den letzten vier Kilometern noch einmal seine letzten Reserven. Meter für Meter arbeitete er sich zurück an Salvisberg heran, schloss die Lücke und zog schließlich am Schweizer vorbei. Während vorn Jonas Schomburg bereits seinem Rekord entgegenlief, wurde der Kampf um Rang zwei damit noch einmal zu einem echten Thriller.
Marquardt ließ sich die Position nicht mehr nehmen und erreichte das Ziel nach 7:28:28 Stunden als Zweiter. Nur 25 Sekunden später folgte Andrea Salvisberg in 7:28:53 Stunden auf Rang drei. Für den Schweizer war dieser dritte Platz dennoch besonders wertvoll: Der frühere Olympiateilnehmer sicherte sich damit seine erste Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
Auch Gregory Barnaby wurde für seinen kämpferischen Marathon belohnt. Obwohl er im letzten Drittel nicht mehr mit Marquardt und Salvisberg mithalten konnte, brachte er Rang vier ins Ziel und sicherte sich ebenfalls sein Ticket nach Kona. Daniel Bækkegård rettete sich auf Rang fünf und schnappte sich damit ebenfalls einen der entscheidenden Qualifikationsplätze. Für den Dänen ist es nach einer schwierigen Phase und mehr als einem Jahr ohne erfolgreiche Langdistanz ein wichtiges Comeback. Dass Kalmar Bestandteil seiner gezielt reduzierten Rennplanung für 2026 und auf dem Weg zurück nach Kona sein sollte, hatte Bækkegård bereits zu Jahresbeginn angekündigt.
Matt Hanson mit dem schnellsten Marathon
Dass auf der Langdistanz auch nach einem schwierigen Schwimmen oder Radfahren noch einiges möglich ist, demonstrierte einmal mehr Matt Hanson. Der US-Amerikaner konnte in den Kampf um den Sieg zwar nicht mehr eingreifen, setzte auf der Laufstrecke aber noch ein sportliches Ausrufezeichen und absolvierte in 2:30:59 Stunden den schnellsten Marathon des Tages und belegte den neunten Platz.
An Jonas Schomburg kam an diesem Tag allerdings niemand heran. Er kontrollierte sein Rennen über weite Strecken und brachte seinen Vorsprung schließlich souverän bis auf den Marktplatz von Kalmar. Mit 5:31 Minuten Vorsprung auf Marquardt und 5:56 Minuten auf Salvisberg war sein Sieg nicht nur ungefährdet, sondern auch in der Art und Weise beeindruckend.
7:22:57 Stunden: Schomburg stößt in neue Dimensionen vor
Die nackte Zahl macht deutlich, welchen Stellenwert diese Leistung hat: 7:22:57 Stunden. Noch vor einem Jahr hätte diese Marke deutlich unter dem deutschen Rekord gelegen. Finn Große-Freese hatte die Bestzeit im August 2025 in Kopenhagen von Jan Frodenos 7:27:53 Stunden auf 7:27:34 Stunden verbessert. Nun verschiebt Schomburg die deutsche Bestmarke auf einen Schlag noch einmal um mehr als viereinhalb Minuten.
Auch international ist diese Zeit außergewöhnlich. Sam Laidlow stellte erst im Juli bei der Challenge Roth mit 7:21:04 Stunden eine neue Weltbestzeit über die volle Distanz auf. Kristian Blummenfelt hatte zuvor bereits 7:21:12 Stunden in Cozumel erreicht und erzielte im April 2026 beim Ironman Texas 7:21:24 Stunden. Dort kam Marten Van Riel in 7:22:56 Stunden ins Ziel. Schomburgs 7:22:57 Stunden reihen sich damit unmittelbar dahinter ein und gehören zu den fünf schnellsten jemals erzielten Zeiten über die Langdistanz.
Gleichzeitig fällt der bisherige Streckenrekord von Kalmar, den bis dato Alistair Brownlee in 7:38:47 stunden hielt. Jonas Schomburg setzt vor Kona das nächste Ausrufezeichen, ebenfalls ist der Erfolg in Kalmar der erste Langdistanzsieg seiner Karriere.
Schomburg: „Beim nächsten Mal greife ich den Rekord an“
Im Ziel war Jonas Schomburg die Erleichterung anzuhören: „Mein erster Ironman-Sieg als Profi – und dann auch noch in Schweden. Ich liebe dieses Land, ich liebe die Menschen, ich liebe die Atmosphäre hier. Was für ein Tag!“ Seinen Rennverlauf beschrieb er als Ergebnis von Geduld statt Attacke: „Ich habe versucht, im Schwimmen gemeinsam mit Andrea etwas Druck zu machen, wir wussten, dass wir die anderen damit unter Druck setzen können.“
Als Zweiter aus dem Wasser gekommen, habe er auf dem Rad zunächst nachlegen wollen – „aber ich hatte das Gefühl, einen Platten zu haben. Also bin ich in der Gruppe geblieben und habe mich einfach auf mich konzentriert. Nach 120 Kilometern wurde es dann richtig schnell.“ Genau diese Zurückhaltung zahlte sich beim Laufen aus, wo Schomburg in der Vergangenheit oft für sein zu forsches Anfangstempo kritisiert worden war: „Ich bin in der Gruppe geblieben, habe es auf die Laufstrecke geschafft und versucht, mir das Tempo gut einzuteilen – und es hat tatsächlich funktioniert.“
Dass er dabei nur wenige Sekunden am schnellsten je gelaufenen Ironman vorbeischrammte, nahm er gelassen: „Ich habe noch viele Jahre vor mir, beim nächsten Mal greife ich wieder an.“ Der Fahrplan bis Hawaii steht ohnehin schon: „Erst Nizza, die 70.3-WM, und dann Kona.“
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Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.
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