Triathlon lebt von Trainingsstunden, nicht von Likes. Warum Authentizität im Ausdauersport gerade wichtiger wird als Reichweite und was das für Training und Kopf bedeutet.
Triathlon war nie nur Sport. Triathlon war immer auch Erzählung: vom langen Atem, vom frühen Aufstehen, vom stillen Stolz nach einer Einheit, die niemand gesehen hat. Und doch wirkt es heute manchmal so, als müsse diese Erzählung zuerst durch einen Filter, bevor sie gültig wird. Wer nicht postet, hat nicht trainiert. Wer nicht lächelt, hat nicht gelitten. Wer nicht „Journey“ schreibt, war offenbar nicht unterwegs.
Das Problem ist nicht Instagram. Das Problem ist die Verwechslung von Sichtbarkeit mit Bedeutung. In einer Sportart, die so sehr von inneren Prozessen lebt. Wo Geduld, Selbststeuerung und Frustrationstoleranz einfach dazugehören, hat sich ein äußerer Taktgeber eingeschlichen: die Aufmerksamkeit. Und die ist selten neutral. Sie belohnt das Spektakuläre, das Saubere, das schnelle Ergebnis. Sport, wie es auch der Triathlon ist, ist hingegen oft das Gegenteil. Der Prozess ist langsam, teils schmutzig, weil es weh tut und nicht rund läuft. Genau deshalb wird Authentizität wieder wichtiger.
Nicht als Marketingbegriff, sondern als Bedürfnis und als Korrektiv. Als Rückkehr zu dem, was Triathlon im Kern ausmacht und was vielen Athleten in der täglichen Scroll-Routine verloren gegangen ist.