Er hat den Triathlonsport hierzulande populär gemacht: Jan Frodeno, Olympiasieger und dreimaliger Ironman-Weltmeister, feiert heute seinen 45. Geburtstag. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er den Wechsel von der Kurz- zur Langdistanz so erfolgreich gemeistert hat, was ihn damals bewegte und wohin seine Reise geht.

Jan Frodeno ist nach Jahrzehnten als Triathlonprofi wieder im richtigen Leben angekommen. Unser Gespräch startet mit Verspätung, denn der Weltmeister hat kurzfristig zur angedachten Zeit einen Termin bei einem anderen Meister bekommen, dem man in heutigen Zeiten auf keinen Fall absagen kann. Die Rede ist vom Maler, der sich um sein Haus in Andorra kümmern soll, das Frodeno gerade mit viel Eigeninitiative renoviert. Ermattet von intensiven Schleifarbeiten gönnt er sich eine Pause, um mit uns über seine Kernkompetenz zu sprechen: die 226 Kilometer der Langdistanz.
Was bedeutet für dich das Stichwort Faszination Langdistanz?
Die Faszination Langdistanz war für mich persönlich eine schwierige Geburt. In den Zeiten unter Ralf Ebli als Bundestrainer gab es eine echte Rivalität zwischen den Kurz- und Langdistanzlern. Aber wie so oft, wenn man die Liebe mal gefunden hat, war es dann für mich schon irgendwie ein echtes Lebensprojekt. Denn „Long“ ist eigentlich das, was unseren Sport wirklich ausmacht. Man sieht in allen Formaten, ob es WTCS, T100 oder sonst etwas ist: Sobald die Profis von den Agegroupern getrennt sind, funktioniert dieser Sport nicht gleich und hat nicht diese seltsame Magie, die die Langdistanz ausmacht.
Von dir stammt das Zitat „Langdistanz ist nur was für gescheiterte Kurzdistanzler“. Welche Vorstellung hattest du damals von der Langdistanz, als dein Wechsel bevorstand?
Ich habe so lange mit der Langdistanz gewartet, weil ich mir nicht eingestanden habe, dass ich auf der Kurzdistanz schon mit dem Rücken zur Wand stand. Irgendwann war dann diese in Anführungszeichen Hochnäsigkeit weg, aber vor allem gab es auch eine echte Neugierde, ob ich das überhaupt jemals würde umsetzen können. Weder ich noch mein damals neuer Coach, Dan Lorang, hatten Erfahrungen mit Hawaii, geschweige denn mit der Langdistanz. Und das war mit das Schönste an dieser Reise. Am Abend vor dem Rennen dazusitzen und zu denken: Was wird morgen passieren? Zu merken: Das ist eine ganz andere Sportart. Hier gibt es andere Regeln, Abläufe und auch Leistungsansprüche. Es gab auch nicht 28.000 YouTube-Kanäle, wo du alles nachschauen konntest. Es gab das Buch „I’m Here To Win“ von Chris McCormack – das war meine Quelle.

Da hast du im Vergleich mit den Norwegern, die Titel und Weltbestzeiten auf der Langdistanz als „low hanging fruits“ gesehen haben, einen kleinen Nachteil gehabt, oder?











