Ironman droht Athleten mit Disqualifikation, wenn sie ihr Rennen mit einer Kamera oder Smart Glasses filmen. Die T100 Triathlon World Tour macht Meta dagegen zum offiziellen Partner – und will mit Aufnahmen aus der Ich-Perspektive neue Zuschauer erreichen. Zwei Strategien, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Noch im Februar zog Ironman eine klare Grenze. Seit dem 2. März 2026 ist es Athleten bei sämtlichen Ironman- und Ironman-70.3-Rennen verboten, während des Wettkampfs Fotos oder Videos aufzunehmen. Das aktualisierte Regelwerk nennt ausdrücklich Kameras, Smartphones, Videokameras und Brillen. Wer trotzdem filmt, muss mit der Disqualifikation rechnen. Damit fallen nicht nur klassische Actioncams unter das Verbot, sondern auch Sportbrillen mit integrierter Kamera wie die Oakley Meta Vanguard.
Knapp fünf Monate später entscheidet sich die T100 Triathlon World Tour für den genau entgegengesetzten Weg. Die Professional Triathletes Organisation hat Meta zum „Official AI Wearables Partner“ der Rennserie gemacht. Die Oakley Meta Vanguard und die HSTN Performance AI Glasses sollen künftig Bilder aus der Perspektive der Athleten liefern – sowohl aus Profi- als auch aus Agegroup-Rennen.
Ironman schließt jede Grauzone
Neu ist bei Ironman vor allem die Konsequenz der Regel. Smartphones und Smartwatches durften bereits zuvor nicht in einer „ablenkenden Weise“ genutzt werden. Dazu zählten unter anderem Telefonate, Nachrichten, soziale Medien und Fotos. Mit der Ergänzung für 2026 wurde auch das passive, freihändige Filmen ausdrücklich ausgeschlossen. Damit spielt es keine Rolle, ob ein Athlet während der Fahrt eine Kamera bedienen muss oder ob eine Brille die Aufnahmen nahezu unbemerkt erstellt. Entscheidend ist allein, dass während des Rennens Bilder produziert werden.
Im Mittelpunkt stehen Sicherheit, Konzentration und die Integrität des Wettbewerbs. Gerade auf vollen Radstrecken können technische Geräte zum zusätzlichen Risiko werden. Gleichzeitig berührt das Thema eine weitere, bislang kaum geregelte Frage: Was passiert, wenn Athleten mit ihren Aufnahmen vermeintliche Regelverstöße anderer Teilnehmer dokumentieren?
Drafting, Blocking oder unerlaubte Hilfe könnten nach dem Rennen plötzlich aus zahlreichen Perspektiven in den sozialen Medien diskutiert werden. Das offizielle Ironman-Regelwerk überträgt die Durchsetzung der Regeln jedoch den eingesetzten Race Referees. Sie melden Verstöße an den Head Referee und zeigen die entsprechenden Karten und Strafen an.
Ironman setzt durchaus technische Hilfsmittel ein. RaceRanger soll Kampfrichter bei der Beurteilung von Abständen unterstützen. Der Veranstalter betont allerdings ausdrücklich, dass das System die Kampfrichter nicht ersetzt und Draftingstrafen weiterhin auf deren Beurteilung beruhen. Der entscheidende Unterschied liegt somit zwischen kontrollierter Technologie als offiziellem Hilfsmittel und unkontrollierten Aufnahmen durch Teilnehmer.
Die T100 will mitten ins Rennen
Die PTO betrachtet die Brillen dagegen in erster Linie als Chance für das Storytelling. Durch die Kamera auf Augenhöhe sollen Zuschauer das Tempo, die Positionskämpfe und die Belastung eines Triathlons unmittelbarer erleben. Anders als eine am Motorrad oder Streckenrand montierte Kamera zeigt die Brille genau das, was der Athlet sieht.
Erste Versuche gab es bereits vor der offiziellen Partnerschaft. Lotte Wilms trug eine Oakley Meta Vanguard beim Spain T100, Kurt McDonald zeichnete Teile des 18-Kilometer-Laufs beim T100 San Francisco auf. Die PTO kündigt an, neben Profis und Amateuren auch Freunde, Familienmitglieder und ausdrücklich Rennkommissare in das Projekt einzubeziehen.
Gerade der letzte Punkt ist bemerkenswert. Werden die Brillen von Offiziellen getragen, könnten sie langfristig mehr sein als nur ein Werkzeug für spektakuläre Social-Media-Clips. Ob die Aufnahmen bei der T100 tatsächlich zur Beurteilung von Regelverstößen dienen dürfen, live übertragen werden oder ausschließlich für die spätere Berichterstattung gedacht sind, lässt die Mitteilung allerdings offen.
Malachi Cashmore zeigt, wie es aussehen kann
Welches Potenzial die Perspektive besitzt, demonstrierte der britische Profi Malachi Cashmore bereits bei der Challenge Sir Bani Yas Ende Januar. Cashmore trug während des Rennens eine Oakley-Meta-Brille und veröffentlichte anschließend einen ausführlichen Rennfilm mit Aufnahmen aus seiner Sicht.
Ein Verstoß gegen das Ironman-Regelwerk war das nicht: Die Challenge Sir Bani Yas gehört zur Challenge Family und fand zudem vor dem Inkrafttreten der neuen Ironman-Regel statt. Cashmore beendete das Mitteldistanzrennen in Abu Dhabi nach 3:26:13 Stunden auf Platz 16.
Die Sequenzen zeigen den besonderen Reiz der Technologie. Zuschauer befinden sich nicht mehr nur außerhalb des Geschehens, sondern schwimmen, fahren und laufen scheinbar mit. Blickrichtungen, Überholvorgänge und die Nähe zu anderen Athleten werden aus einer Perspektive sichtbar, die klassische Rennübertragungen nur selten bieten können.











