triathlon+
Zahl des Tages
6

Bei der diesjährigen Auflage der Challenge Roth am 5. Juli

Weiterlesen mit triathlon+ Jetzt triathlon+ abschließen

Hitze beim Ironman Frankfurt: Jedes Grad kostet 1,6 Minuten – so passt du dein Pacing an

Bei den letzten 16 Ausgaben des Mainova Ironman Frankfurt herrschten Temperaturen von 17 bis 39 Grad Tagestemperatur – und ein klares Muster: Je heißer, desto langsamer. Wir haben die Zahlen.

Frank Wechsel / spomedis Der Ironman Frankfurt am Wochenende: (nicht nur) der Marathon wird heiß.

Wer schon einmal bei einer Ausgabe des Mainova Ironman Frankfurt am Start oder als Zuschauer am Mainufer gestanden hat, weiß: Der Langdistanz-Triathlon in Hessen kann ein Backofen sein. 2015 und 2019 kletterte das Thermometer auf über 37 Grad, 2011 und 2016 blieb es mit 17 bis 19 Grad fast frühlingshaft. Diese Spannweite macht den Ironman Frankfurt zu einem ungewollten Freiluftlabor: Über 16 Austragungen lässt sich ziemlich sauber ablesen, was Hitze mit der breiten Masse der Altersklassenathleten macht. Und die Antwort ist statistisch eindeutig.

- Anzeige -

Der Marathon verrät am meisten

Die größte Aussagekraft steckt im Laufsplit – und das aus gutem Grund. Die Radstrecke in Frankfurt hat über die Jahre mehrfach Profil und Details gewechselt, mal flacher, mal welliger, mit unterschiedlichen Wendepunkten und Windverhältnissen. Ein direkter Jahresvergleich der Radzeiten hinkt deshalb. Der Marathon dagegen wird seit jeher unter vergleichbaren Streckenbedingungen gelaufen – und vor allem immer dann, wenn sich die Hitze des Tages mit der kumulativen Erschöpfung des Rennens addiert. Hier schlägt das Wetter am ungefiltertsten durch.

Das Ergebnis ist für die Männer bemerkenswert deutlich: Die Tagestemperatur erklärt rund 71 Prozent der Schwankung der Median-Marathonzeiten (Korrelation r = 0,84, p < 0,0001). Im Klartext: Pro Grad Celsius verliert das männliche Mittelfeld im Schnitt gut anderthalb Minuten allein auf der Laufstrecke. Über die volle Spanne von 17 auf 39 Grad summiert sich das auf rund 36 Minuten – nur im Marathon.

Bei den Frauen zeigt sich derselbe Trend, etwas flacher und etwas streuungsreicher: r = 0,72, gut 51 Prozent erklärte Varianz, etwa 1,2 Minuten pro Grad. Auch das ist hochsignifikant (p = 0,002) und hält dem robusten Rangkorrelationstest stand.

Wichtig ist die Robustheit dieses Befunds. Bei den Männern bleibt der Zusammenhang auch dann bestehen, wenn man nur die Reihenfolge der Jahre betrachtet (Spearman rho = 0,82) – er hängt also nicht an ein, zwei Hitze-Ausreißern, sondern zieht sich konsistent durch das gesamte Feld.

Tagestemperatur vs. Gesamtzeit — Mainova IRONMAN Frankfurt

Punkte = ein Renn-Jahr. X = Tagestemperatur am Rennort (°C), Y = Gesamtzeit. Ausgenommen: 2005.

Werte tabellarisch
JahrTemp.AG-Median MAG-Median F
200917,0 °C11:19:4412:18:09
201027,4 °C11:42:2612:36:49
201117,1 °C11:26:1112:23:42
201222,6 °C11:23:0812:28:45
201325,9 °C11:22:0812:09:50
201428,9 °C11:27:4412:42:53
201537,1 °C12:12:0713:02:56
201619,1 °C11:07:5412:05:12
201730,5 °C11:29:4312:11:34
201827,8 °C11:56:1612:57:08
201939,3 °C12:29:2213:13:48
202129,5 °C11:21:0212:10:07
202226,7 °C11:36:1012:24:57
202323,3 °C11:45:3612:43:54
202423,6 °C11:15:4312:19:03
202533,2 °C11:43:3512:29:08
202637,0 °C7:32:188:10:30

Warum die Gesamtzeit weniger aussagt

Auf den ersten Blick scheint auch die Gesamtzeit dieselbe Geschichte zu erzählen: Heiße Jahre, langsame Finisher. Doch hier lauert eine zusätzliche Falle, die man kennen muss, bevor man Schlüsse zieht – das Neoprenverbot. In fünf der vergangenen 16 Jahre – 2010, 2015, 2019, 2024 und 2025 – war der Wetsuit beim Schwimmen untersagt. Ohne Neopren fehlt der Auftrieb, und das kostet messbar Zeit: im Schnitt rund 9:30 Minuten bei den Männern und 8:16 Minuten bei den Frauen, wie wir in einer anderen Analyse schon dargestellt haben. Diese Minuten haben nur indirekt mit Hitze zu tun, tauchen aber in der Gesamtzeit auf – und drei dieser fünf Jahre (2015, 2019, 2025) waren zugleich besonders heiß in den Tages-Lufttemperaturen. Das Neoprenverbot und die Hitze überlagern sich also und blähen den scheinbaren Wettereffekt in der Gesamtzeit zusätzlich auf.

Rechnet man den fehlenden Neopren-Effekt aus den betroffenen Jahren heraus, schrumpft der Hitze-Effekt der Gesamtzeit spürbar: Bei den Männern fällt die erklärte Varianz von 59 auf rund 51 Prozent, die Steigung sinkt von 2,6 auf etwa 2,2 Minuten pro Grad. Bei den Frauen wird das Signal regelrecht brüchig – im Rangkorrelationstest ist es nach der Korrektur nicht mehr statistisch signifikant.

Tagestemperatur vs. Lauf-Zeit — Mainova IRONMAN Frankfurt

Punkte = ein Renn-Jahr. X = Tagestemperatur am Rennort (°C), Y = Lauf-Zeit. Ausgenommen: 2005.

Werte tabellarisch
JahrTemp.AG-Median MAG-Median F
200917,0 °C4:21:584:44:59
201027,4 °C4:24:164:42:19
201117,1 °C4:07:434:26:50
201222,6 °C4:11:314:34:41
201325,9 °C4:16:434:31:31
201428,9 °C4:26:504:51:37
201537,1 °C4:45:514:59:32
201619,1 °C4:04:034:22:05
201730,5 °C4:30:464:41:55
201827,8 °C4:24:594:41:17
201939,3 °C4:47:114:59:41
202129,5 °C4:12:324:26:39
202226,7 °C4:22:264:35:45
202323,3 °C4:18:114:31:17
202423,6 °C4:10:134:34:36
202533,2 °C4:28:304:44:12
202637,0 °C2:00:262:11:38

Genau deshalb ist der Marathon der ehrlichere Maßstab: Das Schwimmen mit oder ohne Neopren spielt dort keine Rolle, und die wechselnde Radstrecke verzerrt nichts. Was im Laufsplit übrig bleibt, ist purer Wettereinfluss auf den ermüdeten Körper.

Dein Pacing: So gehst du das Hitzerennen richtig an

Mit triathlon+ weiterlesen

Mit triathlon+ verpasst du keine spannenden Inhalte mehr. Für nur € 9,95 pro Monat bekommst du außerdem die Zeitschrift triathlon ins Haus und kannst in 30.000 Seiten unseres Digitalarchivs stöbern.

Jetzt Mitglied werden

Du bist bereits Mitglied? Hier einloggen

Datengrundlage: Median-Finishzeiten der Altersklassenathleten (AG-Median), Ironman Frankfurt 2009–2025. Statistik: Pearson- und Spearman-Korrelation, lineare Regression. Neopren-Korrektur für die Jahre 2010, 2015, 2019, 2024 und 2025 (-9:30 min M / -8:16 min F).

Fehler gefunden oder Feedback zu diesem Artikel? Bitte teile uns hier mit, was du loswerden möchtest oder was wir verbessern können!
Feedback unter Artikel

Tauche ein in die spannende Welt von triathlon+ und erfahre mehr Hintergründe, mehr Service und mehr Triathlonerlebnis – digital hier und auf Wunsch ohne Aufpreis monatlich in deinem Briefkasten.

Monatsabo

9,95 -
Jetzt mitmachen bei triathlon+
  • Zeitschrift inklusive!
  • volle Flexibilität
  • € 9,95 pro Monat
  • monatlich kündbar
Empfehlung!

Jahresabo

94,95 -
Größte Ersparnis bei triathlon+
  • Zeitschrift inklusive!
  • Mindestlaufzeit 12 Monate
  • danach monatlich € 9,95
  • nach 1 Jahr monatlich kündbar
- Anzeige -
Frank Wechsel
Frank Wechselhttps://tri-mag.de
Frank Wechsel ist Publisher der Medienmarken SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist 15-facher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

Verwandte Artikel

Favoritinnencheck Challenge Roth: Duell zwischen Lucy Charles-Barclay und Katrina Matthews im Fokus

Lucy Charles-Barclays kurzfristige Zusage verändert die Ausgangslage im Frauenrennen der Challenge Roth. Die Ausnahmeschwimmerin will früh entkommen, während Katrina Matthews mit ihrer starken Rad-Lauf-Kombination zur Verfolgungsjagd ansetzt.

Favoritencheck Challenge Roth: Wer schlägt Kristian Blummenfelt?

Kristian Blummenfelt startet erstmals bei der Challenge Roth und geht als Top-Favorit ins Rennen. Vorjahressieger Sam Laidlow, Hawaii-Sieger Patrick Lange, Jonas Schomburg und Langdistanzdebütant Rico Bogen könnten dem Norweger den Triumph jedoch streitig machen.

triathlon+
Jetzt neu: Print und online!

94,95 - pro Jahr
  • monatliche Zeitschrift
  • alle Online-Inhalte
  • 30.000 Seiten Archiv
  • Trainingspläne
  • Webinare & Co.

Monatsabo

9,95 - pro Monat
  • ganz flexibel

Unser Newsletter

Newsletter triathlon